Der Kölner Dom steht vor der Einführung eines Eintrittsgeldes für Touristen. Domdechant Robert Kleine erklärte im Interview mit der "Kölnischen Rundschau" (Samstag), im Domkapitel werde derzeit noch über die konkrete Höhe beraten: "Wir müssen das genau abwägen." Maßstab sei dabei, wie man durch den Eintritt die Mittel einnehmen könne, die für den Erhalt des Doms benötigt werden.
Hintergrund sind stark gestiegene Kosten. "Uns rennen die Kosten davon", sagte Kleine. Allein der Unterhalt der Kathedrale beläuft sich demnach auf rund 44.000 Euro täglich. Einnahmeversuche wie höhere Preise für Turmbesteigung und Schatzkammer oder Spendenaufrufe hätten bislang nicht ausgereicht. Trotz tausender Besucher pro Tag blieben die Einnahmen deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Als Kostentreiber nannte Kleine unter anderem umfangreiche Sanierungsmaßnahmen, etwa am Strebewerk der Südseite, steigende Materialpreise sowie höhere Personalkosten. Auch Krisen wie die Corona-Pandemie und der Ukrainekrieg hätten die Rücklagen geschmälert. "Die sind endlich. Und nun kommt eines zum anderen", so der Domdechant.
Kritik am Verhalten einiger Besucher
Zusätzliche Belastungen entstehen durch steigende Ausgaben für Sicherheit, Energie und Reinigung. Dabei kritisierte Kleine auch das Verhalten mancher Besucher deutlich: "Man glaubt ja nicht, was sich hier alles abspielt im Dom." Verschmutzungen etwa durch Kaugummi machten aufwendige Reinigungen notwendig.
Von einem Eintritt erhofft sich Kleine neben zusätzlichen Einnahmen auch einen Lenkungseffekt: "Wenn Menschen Eintritt für ihre Besichtigung bezahlen, wird ihnen auch verdeutlicht: Sie betreten jetzt einen besonderen Ort." Das könne helfen, respektloses Verhalten einzudämmen.
Die geplante Regelung sieht vor, zwischen Besuchs- und Gebetszeiten zu unterscheiden. "Wir werden keine Gottesdienste streichen oder verlegen", betonte Kleine. Während der morgendlichen Öffnung und bei Gottesdiensten soll der Zugang weiterhin kostenfrei bleiben, Eintritt würde nur während der touristischen Besuchszeiten erhoben.
Domumfeld verbesserungswürdig
Neben den Domfinanzen äußerte sich Kleine auch zur Entwicklung der katholischen Kirche in Köln. Die Zusammenlegung von Seelsorgebereichen sei notwendig: "Als katholische Kirche machen wir diesen Prozess nicht, weil wir es wollen, sondern, weil wir es müssen." Gleichzeitig betonte er die Chance für mehr Engagement vor Ort durch die Gläubigen.
Kritisch äußerte sich der Domdechant zudem zur Situation im Domumfeld. Trotz leichter Verbesserungen bleibe diese unbefriedigend. Er wünsche sich mehr Ordnung und Konsequenz: "Ich würde mir wünschen, dass man einen großen Wurf macht und den gesamten Bereich rings um die Kathedrale so beruhigt, wie es der Würde des Doms angemessen wäre."