Theologen werben für neues Priesterbild

"Diener der menschlichen Freude"

Das Bild von Priestern in der katholischen Kirche muss sich nach Einschätzung von Theologen verändern. Die Kirche brauche durchaus Leitung. Diese müsse sich aber in der Realität bewähren, mahnte die Erfurter Theologin Julia Knop.

Ordensfrau mit einem Collarhemd / © Cristian Gennari (KNA)
Ordensfrau mit einem Collarhemd / © Cristian Gennari ( KNA )

Heute und in Zukunft werde es "immer mehr Möglichkeiten geben, Christ zu sein", sagte der Prager katholische Priester Tomas Halik am Donnerstag bei einer Online-Tagung der Katholischen Akademie Schwerte. Daher brauche es auch neue Wege, um Priester zu werden - über die gleichförmigen Ausbildungen an Priesterseminaren hinaus.

"Diener der menschlichen Freude"

Priester sollten "Diener der menschlichen Freude" sein, betonte Halik. Die Kirche dürfe ihrerseits nicht nur ein "Raum des Gedächtnisses" sein, sondern müsse Solidarität üben: etwa mit Menschen, die nicht gläubig seien, die in ihrem Glauben oder im Leben erschüttert worden seien oder die Missbrauch erfahren hätten.

Seelsorger müssten sich auch mit ihren eigenen Zweifeln und Ängsten befassen, um anderen mit Offenheit begegnen zu können.

Die Erfurter Theologin Julia Knop erklärte, dass die Kirche weiterhin vielfach von Standesdenken geprägt sei. In Priesterseminaren könne weiterhin Standesdünkel entstehen, auch wenn dieser gesellschaftlich überholt sei. Zudem bildeten sich dort häufig Abhängigkeiten, eine "Immunisierung der Insititution nach außen", aber auch eine Immunisierung des Einzelnen gegenüber Kritik.

Die Zahl der Priester-Anwärter sinke, obwohl eine Überhöhung des Amtes lange forciert worden sei. Auch das spreche aus ihrer Sicht dafür, das Amt anders zu verstehen.

Kirche braucht Leitung

Ein solches Standesdenken habe sich bisweilen während des coronabedingten Lockdown offenbart, sagte Knop. Das Denken in einer solchen Logik führe zu dem Schluss, dass Gottesdienste stattfinden müssten - notfalls auch ohne Gläubige. Wer dagegen stärker die dienende Funktion des Priesteramtes im Blick habe, sage: "Keine Eucharistiefeier ohne Gläubige."

Die Kirche brauche durchaus Leitung. Diese müsse sich aber in der Realität bewähren, mahnte Knop. Auch sollten die Kriterien, nach denen Macht als Dienst formuliert werde, nicht dem Ermessen Einzelner überlassen werden.

Die Tagung zum Thema "Gestaltwandel des Priesterlichen" endet am Freitag.                                                      

Quelle:
KNA
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