BDKJ will mehr Debatte über junge Menschen in der Pandemie

"Die Zukunftsangst wächst"

Kinder und Jugendliche können wegen der Corona-Pandemie nicht regulär ihre Freunde treffen oder Freizeitangebote wahrnehmen. Der BDKJ wünscht sich deshalb mehr Anerkennung und Beteiligung für junge Menschen.

Ein Kind langweilt sich beim Lernen zu Hause / © Roman Samborskyi (shutterstock)
Ein Kind langweilt sich beim Lernen zu Hause / © Roman Samborskyi ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Was fordern Sie von den politischen Entscheidern im Sinne der Kinder?

Lisi Maier (Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend): Grundsätzlich ist es uns wichtig, dass junge Menschen in ihrer ganzen Persönlichkeit wahrgenommen werden. Es wird auch in den politischen Debatten deutlich, dass Kinder und Jugendliche seit Monaten auf ganz vieles verzichten und sich solidarisch in unserer Gesellschaft zeigen. Ihnen fehlen ganz wichtige Sozialkontakte, die für ihre Persönlichkeitsentwicklung wichtig sind. Und deshalb fordern wir, dass im Sommer etwas möglich sein muss.

Wir haben im letzten Sommer gezeigt, dass über gute Hygienekonzepte Sondermaßnahmen möglich sind. Seien es Zeltlager oder Jugendfreizeiten, wir haben jetzt auch die Möglichkeit, mit guten Testkonzepten zu arbeiten. Wir fordern deshalb, dass jungen Menschen Freiräume in dieser Pandemie zugestanden werden.

DOMRADIO.DE: Werden die Kinder und Jugendlichen bei den Lockerungen vergessen? Geimpft werden können sie ja noch nicht.

Maier: Ja, ein Stück weit sehen wir das schon, dass die Zukunftsangst bei jungen Menschen wächst, dass ihr solidarisches Handeln zu wenig anerkannt wird, dass sie eigentlich kaum an den Entscheidungen beteiligt werden. Wir wissen auch, dass die mentale Gesundheit von jungen Menschen total leidet. Und trotzdem wird es kaum in den Debatten aufgegriffen oder viel zu wenig darüber nachgedacht, was es jetzt eigentlich braucht.

Jetzt, am vergangenen Freitag, wurde ein Aufholpaket im Nachtragshaushalt des Deutschen Bundestags verabschiedet, wo es auch darum ging, eine Milliarde Euro für das schulische Aufholen von jungen Menschen sozusagen bereitzustellen und gleichzeitig eine weitere Milliarde Euro in die Hand zu nehmen, damit junge Menschen auch gute außerschulische Bildungsangebote gemacht werden können. Wir haben das sehr unterstützt.

Leider müssen wir sehen, dass sich das Kabinett bisher in dieser Woche nicht weiter damit auseinandergesetzt hat. Es ist aber wichtig, damit es jetzt ins Laufen kommen kann. Die Prioritätensetzung, bezogen auf Kinder und Jugendliche, ist einfach zu niedrig in den politischen Debatten. Ihre Persönlichkeitsentwicklung, ihre Entwicklung auch in dieser Pandemie, wird viel zu wenig wahrgenommen.

DOMRADIO.DE: So lange ist es jetzt nicht mehr bis zu den Sommerferien. Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend hat schon Ideen dazu. Stichwort Ferienfreizeit.

Maier: Das ist richtig. Wir haben im letzten Jahr schon gezeigt, dass viele unserer Verbände Hunderte Zeltlager und Freizeiten durchführen konnten, unter guten hygienischen Bedingungen. Sie haben sich gute Konzepte überlegt. Auch wir wollen in diesem Sommer Jugendleitern vor Ort noch ein Stück weit Mut machen, jetzt durchzuhalten, weil wir glauben, dass im Sommer einiges möglich ist und wir mit guten Test- und Hygienekonzepten einiges in Bewegung setzen können.

Wir glauben auch durch die Impf-Priorisierung in Gruppe 3 für Haupt- und Ehrenamtliche in der Jugend-Verbandsarbeit und in der Kinder- und Jugendhilfe, dass bis dahin auch ehrenamtliche und hauptamtliche Jugendleiter geimpft sein können. Es braucht jetzt nur auch entsprechende Willensbekundungen und klare Planungssicherheit vonseiten der politischen Entscheider.

Das Interview führte Dagmar Peters.


 

Lisi Maier (BDKJ)
Lisi Maier / ( BDKJ )
Quelle:
DR