Die Rückmeldungen zur Weltsynode sind gering

Lauter Einzelfälle in der Weltkirche?

Die erste Phase der Weltsynode geht zu Ende. Mehr und mehr nationale Bischofskonferenzen reichen Zusammenfassungen der Befragungen "ihrer Katholiken" im Vatikan ein. Sind die Deutschen wirklich so weit vom synodalen Pfad abgekommen?

Die Rückmeldungen zur Weltsynode sind weltweit gering. (dpa)
Die Rückmeldungen zur Weltsynode sind weltweit gering. / ( dpa )
Auftakt der Weltsynode im Erzbistum Köln / © Beatrice Tomasetti (DR)
Auftakt der Weltsynode im Erzbistum Köln / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Die katholische Kirche in Deutschland hat einen ersten Beitrag zu der von Papst Franziskus ausgerufenen Weltsynode im Vatikan eingereicht. Vergangenen Freitag veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) Anliegen von Katholiken, wie sie bei einer Befragung in Diözesen erhoben worden waren. Allerdings war die Beteiligung übersichtlich, lag "im untersten einstelligen Prozentbereich". In anderen Ländern erwies sich die bisherige Teilnahme aber auch als eher zurückhaltend. Eine Gemeinsamkeit. Eine weitere: Die Themen, die die lokalen Kirchen bewegen. Sie zeigen, dass die Deutschen diesbezüglich soweit nicht vom (synodalen) Pfad abgekommen sind.

Deutsche Themen sind auch Weltthemen

Aber was wollen diejenigen Deutschen, die sich an der Umfrage für die erste Phase Weltsynode (2021-2023) beteiligt haben? Die Themen sind jene, die der 2019 begonnene Synodale Weg schon länger "beackert".

Sie wünschen sich eine größere Beteiligung von Laien, insbesondere von Frauen, und bemängeln eine Ausgrenzung von Menschen, die wie schwule oder lesbische Paare nicht im Einklang mit der geltenden Lehre der Kirche leben, sowie eine oftmals unverständliche Sprache.

Zugleich vermissen sie die Stimme der Kirche in gesellschaftlichen Debatten auch zu nicht-kirchlichen Themen sowie eine angstfreie und offene Aussprache innerhalb der Kirche zu umstrittenen Themen wie Fragen der Sexualität. Der Bericht der Bischofskonferenz weist überdies darauf hin, dass die Zahl derer, die sich innerhalb der Gemeinden engagieren, weiter abnimmt. Das betrifft sowohl Hauptamtliche, wie Priester und Pastoralreferentinnen und -referenten, aber auch Ehrenamtliche.

"Ambivalenter" synodaler Weg?

Beratungen über Reformen - synodaler Weg / © Harald Oppitz (KNA)
Beratungen über Reformen - synodaler Weg / © Harald Oppitz ( KNA )

Zum eigenen Syodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland zeige sich in den Bistümern "eine gewisse Ambivalenz", so der Bericht: "Einige sind so enttäuscht, dass sie von einer neu beschworenen Synodalität nichts mehr erwarten. Andere lehnen diese ab und wollen, dass alles beim Alten bleibt."

Mit der Gesamtsituation zufriedener scheinen aber auch die europäischen Nachbarn nicht zu sein. Luxemburgs Katholiken fordern eine Änderung der Lehre zu Homosexualität, die Öffnung der Ehe für alle, die Aufhebung des Pflichtzölibats, außerdem echte Mitbestimmungsmöglichkeiten von Laien, etwa bei Bischofsernennungen oder Leitungsfunktionen.

Einsamkeit der Priester begegnen

Weltsynode 2021-2023

Bei der Weltsynode 2021-2023 geht es um die wichtige Frage, wie die Sendung der Kirche in heutiger Zeit überzeugend, partizipativ und gemeinschaftlich gelebt werden kann.

Papst Franziskus hält die Hand ans Ohr / © Paul Hering (KNA)
Papst Franziskus hält die Hand ans Ohr / © Paul Hering ( KNA )

Die Katholiken in Litauen wünschen sich ebenso eine stärkere Verantwortung Laien, sowie eine offene Kirche für alle. Gleiches gilt für das Thema Kommunikation. Transparent soll sie sein, ob zu Finanzen oder Missbrauchsaufarbeitung - ihre Sprache verständlich sein am Altar wie auch beim Thema Sexualität. Klerikalismus sehen sie als Problem, ebenso fehlende Teamarbeit zwischen Priester und Gemeinde. Viele, die sich in Gemeinden engagieren, fühlen sich überlastet, sagen, man müsse etwas gegen "die Einsamkeit der Priester" tun: Das kann man als vorsichtigen Vorstoß zur Zölibatsdebatte werten. Spezifisch für Litauen scheint ein Kälteproblem zu sein: "Eine erfolgreiche Gemeindeentwicklung erfordert angemessene (im Winter beheizte) Einrichtungen, die von allen Gemeinschaften oder Gruppen in der Gemeinde genutzt werden können", heißt es in dem zusammenfassenden Bericht.

In England und Wales berichteten viele Bistümer von Widerständen im Klerus gegenüber der Synode. Einige scheinen besorgt wegen einer Entwicklung vom Katholischen hin zum Anglikanischen. Auch Traditionalisten äußerten ihren Unmut über den vermeintlich schlechten Umgang von Bischöfen und Papst mit ihnen und der von ihnen bevorzugten "Alten Messe".

Gegen Diskriminierung

Überhaupt machen "marginalisierte Gruppen", wie die Bischöfe sie nennen, einen Großteil von Englands Bericht aus. Allen voran stehen Frauen und ihre starke Beteiligung in den Gemeinden, verbunden mit dem Wunsch nach (Weihe-)Ämtern und Führungspositionen. Ausgrenzung von LGBTQ+-Katholiken und die Frage nach gleichgeschlechtlichen Segnungen bewegen die Gläubigen ebenso wie mangelnde Jugendpastoral und unsensibler Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Sie fordern zudem einen offeneren Umgang mit der Volksgruppe der Traveller, mit Menschen mit Behinderung, Migranten und "People of Colour". Kritik an Klerikalismus und Liturgie, Missbrauchsaufarbeitung und fehlender Transparenz, sowie den Wunsch nach stärkerer Beteiligung von Laien, äußern die Katholiken auch auf der Insel.

Wenig überraschend fällt das Fazit der spanischen Bischöfe ähnlich aus. Auch hier wird eine offenere Kirche mit mehr Verantwortung für alle gefordert; die in anderen Ländern geäußerte Kritik nennen auch Spaniens Katholiken. Spezielle Schwerpunkte scheinen Kommunikation und Professionalisierung der kirchlichen Arbeit zu sein. Neben der Überwindung von Sprachlosigkeit in gesellschaftlichen Debatten, fordern die Gläubigen ein Hinzuziehen von Experten bei Entscheidungsprozessen, sowie stärkere Präsenz in allen Medien.

Stärkung der Ökumene

Logo der Weltsynode in englischer Sprache / © KNA-Bild (KNA)
Logo der Weltsynode in englischer Sprache / © KNA-Bild ( KNA )

Weiter wünschen Katholiken auf der iberischen Halbinsel eine Stärkung der Ökumene und des interreligiösen Dialogs, mehr Präsenz in ländlichen Regionen, sowie Aufmerksamkeit für Ältere, Kranke, Migranten und Gefängnisinsassen. Eine kleine Zahl der Katholiken macht sich für die Abschaffung des Zölibats sowie den Zugang zu Weiheämtern für Frauen stark.

Viele dieser Anliegen finden sich über Europa hinaus in den Abschlussberichten. In Indien beispielsweise steht ebenfalls übermäßiger Klerikalismus in der Kritik der Gläubigen, genauso wie die Diskriminierung von Frauen in Gesellschaft und Kirche. Zudem gibt es den Wunsch nach einer Verpflichtung zum Schutz von Minderjährigen in Schulen und anderen Einrichtungen, die Lage der Dalits, also der kastenlosen sogenannten Unberührbaren, und der Migranten sowie stärkeres Engagement in der Jugendarbeit.

Die Katholiken der Elfenbeinküste sehen eine stärkere Beteiligung von Laien als unverzichtbar für die Mission der Kirche. Weitere Diskussionsthemen sind Rassismus, die Geschlechterfrage, die Ehe zwischen Mann und Frau; die Beziehungen zwischen Klerikern und Laien bei der Beteiligung am kirchlichen Leben, der Kampf gegen Armut, illegale Einwanderung und die Ausbeutung von Rohstoffen durch andere Länder.

Kein deutscher Sonderweg

Etliche nationale Bischofskonferenzen haben ihre Berichte noch nicht veröffentlicht. Bis Mitte August können sie diese im Synodensekretariat in Rom einreichen. Zusammenfassungenen einzelner Diözesen zeichnen aber inhaltlich ein ähnliches Bild - ob in Melbourne, Vancouver oder Washington. Neben einigen lokalen Spezifikationen gehen die engagierten Laien der Weltkirche in dieselbe Richtung. Von einem synodalen Sonderweg der Deutschen kann nicht die Rede sein. Ob ihnen allen, wie von Papst Franziskus gewünscht, auch zugehört wird - das werden die weiteren zwei Phasen der Weltsynode zeigen.

Autor/in:
Severina Bartonitschek
Quelle:
KNA