Evangelische Kirche setzt auf Frauenpower

"Der Wunsch, unsere Kirche zu verändern"

Acht von 15 neuen Ratsmitgliedern der EKD sind Frauen, darunter auch die zwei Vorsitzenden. Was wird das an der evangelischen Kirche ändern? Josephine Teske ist ebenfalls neu im Rat und hofft auf Veränderungen.

Kirsten Fehrs, Heinrich Bedford-Strohm, Annette Kurschus / © Sina Schuldt (dpa)
Kirsten Fehrs, Heinrich Bedford-Strohm, Annette Kurschus / © Sina Schuldt ( dpa )

DOMRADIO.DE: Annette Kurschus und Kirsten Fehrs: Eine weibliche Doppelspitze bei der EKD. Wie haben sich die beiden denn heute gemeinsam präsentiert? Was war da Ihr Eindruck?

Josephine Teske (Mitglied im EKD-Rat): Als fest stand, dass Annette Kurschus mehr Stimmen hat, ist Kirsten Fehrs aufgestanden, die beiden haben sich ganz lange in den Arm genommen, sich gegenseitig zu ihrem Amt von Herzen gratuliert und sich füreinander gefreut. Ich habe mitbekommen, wie die beiden miteinander sprachen und dass da gar kein Konkurrenzdenken war, sondern tatsächlich dieser Wunsch, unsere Kirche zu verändern, für die Menschen in unserer Kirche einzustehen und einfach in diesem Rat etwas voranzubringen.

DOMRADIO.DE: Welche Themen stellt die neue Ratsvorsitzende der EKD in den Vordergrund?

Teske: Einmal möchte sie offen sein für unsere Welt und die Themen, die gerade unsere Gesellschaft betreffen, aufgreifen. Das sind die Themen Frieden, Schöpfung, und sexualisierte Gewalt, die uns als Kirche sehr beschäftigt.

DOMRADIO.DE: Die Frauenpower in der Leitung der evangelischen Kirche wächst ja stetig: Anna Nicole Heinrich ist zum Beispiel Präses der Synode der EKD - und eine knappe Mehrheit des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland ist jetzt weiblich, nämlich acht von 15 Mitgliedern. Was ist von dieser Frauenpower in Zukunft zu erwarten?

Teske: Ich glaube, ein anderer Blick auf unsere Welt und auf unsere Kirche. Ich glaube, - das will ich nicht in Konkurrenz zu dem stellen, wie Männer etwas tun - Frauen gestalten Kirche anders, sie sehen und nehmen anders wahr. Mit dieser knappen weiblichen Mehrheit und diesen beiden Frauen an der Spitze können sehr viele Veränderungen möglich sein.

DOMRADIO.DE: Sie selber sind ja auch in den Rat gewählt worden. Was erhoffen Sie sich von Ihrer Mitgliedschaft? Inwiefern möchten Sie Ihre Kirche aktiv mitgestalten?

Teske: Ich stehe sozusagen für die digitale Kirche und bin auch deshalb, denke ich, in diesem Rat. Ich möchte unbedingt, dass der digitale Raum, damit meine ich nicht nur die sozialen Netzwerke, als Verkündigungsort angesehen wird. Dafür müssen wir Strukturen schaffen, dass alle, die sich in der digitalen Kirche engagieren, sich darin wohl- und sicher fühlen. Auch Arbeitsbedingungen sollten neu strukturiert werden, damit alle, die in der Kirche angestellt oder ehrenamtlich tätig sind, gut im Netz unterwegs sein können.

DOMRADIO.DE: Die evangelische Kirche leidet auch unter dem Schwund von Gläubigen. Inwiefern hoffen Sie, dass diese Wahl diesem Trend entgegenwirken könnte?

Teske: Wir sind tatsächlich jetzt auch ein jüngerer Rat. Ich glaube, uns allen ist bewusst, dass sich etwas ändern muss, und wir sind voller Inspiration und auch Innovation. Das habe ich gespürt, dass in diesen Menschen ein Innovationsgeist drin steckt und der Mut, einfach mal was auszuprobieren.

Das Interview führte Julia Reck.

Pastorin Josephine Teske, Kandidatin für den Rat der EKD / © Marc Hunold (epd)
Pastorin Josephine Teske, Kandidatin für den Rat der EKD / © Marc Hunold ( epd )
Annette Kurschus / © Jens Schulze (epd)
Annette Kurschus / © Jens Schulze ( epd )
Bischöfin Kirsten Fehrs in Sportkleidung / © Philipp Reiss (Nordkirche)
Bischöfin Kirsten Fehrs in Sportkleidung / © Philipp Reiss ( Nordkirche )
Quelle:
DR
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