Wahl zum Vorsitz des EKD-Rates

Annette Kurschus gilt als Favoritin

Die Wahlen für den EKD-Rat wurden für manche Kandidaten zur Nervenprobe. Mehrere Stunden lang wurde um die Plätze in dem Leitungsgremium gerungen. Für den Vorsitz gibt es aber eine Favoritin.

Annette Kurschus / © Harald Oppitz (KNA)
Annette Kurschus / © Harald Oppitz ( KNA )

Die Synode hat am Dienstag Mitglieder für den neuen Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt und dabei erkennen lassen, wen sie sich als oberste Repräsentantin der deutschen Protestanten wünscht. Die westfälische Präses und bisherige Vize-Ratsvorsitzende Annette Kurschus erreichte als einzige Kandidatin im ersten Wahlgang die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit, um in das Gremium einziehen.

Damit könnte die 58-Jährige bei der Wahl am Mittwoch Nachfolgerin des bisherigen EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm werden. Bis zum frühen Abend waren 10 der 15 Plätze in dem Leitungsgremium vergeben. Für einige der Kandidatinnen und Kandidaten wurde die Wahl zur Nervenprobe.

Zahlreiche Wahlgänge

Mit deutlichem Ergebnis zog im zweiten Wahlgang bei der digital tagenden Synode die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs (60) in das Gremium ein. Der Pharma-Manager Andreas Barner (68) schaffte es im dritten Wahlgang wieder in den Rat. Im vierten Wahlgang wurde die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese (54) als Ratsmitglied bestätigt. Vier Kandidaten wurden im fünften Wahlgang gewählt: der sächsische Landesbischof Tobias Bilz (57), die hannoversche Kirchenamtspräsidentin Stephanie Springer (54), die norddeutsche Pastorin und Sinnfluencerin Josephine Teske (36) und der Pfälzer Dekan Michael Diener (59) konnten die Delegierten überzeugen.

Im sechsten und siebten Wahlgang wurden der Bochumer Jura-Professor Jacob Joussen (50) und der CDU-Politiker Thomas Rachel (59) gewählt, die auch schon dem vorhergehenden Rat angehörten. Ein achter Wahlgang blieb ohne Ergebnis. Keiner der elf verbliebenen Kandidatinnen und Kandidaten erhielt eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Die Synode legte daraufhin erst einmal eine Pause ein. Die Wahl sollte am späteren Abend fortgesetzt werden.

Unterstützung für Kurschus und Fehrs

Kurschus steht seit 2012 an der Spitze der westfälischen Landeskirche, die derzeit 2,2 Millionen Mitglieder hat. Die Hamburger Bischöfin Fehrs könnte Anwärterin auf den stellvertretenden Ratsvorsitz sein. Sie wurde 2011 ins Amt der Hamburger Bischöfin eingeführt und in diesem Jahr wiedergewählt. Der Sprengel Hamburg gehört zur Nordkirche, die 1,9 Millionen Mitglieder hat. Auch für Fehrs ist es die zweite Amtszeit im Rat der EKD. Sie gehörte zudem bislang dem Beauftragtenrat zum Schutz vor sexualisierter Gewalt in der EKD an, dessen Sprecherin sie von 2018 bis 2020 war.

Der Rat der EKD hat 15 Mitglieder und wird für sechs Jahre gewählt. Qua Amt gehört die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, dem Gremium an, das die Vielfalt der Protestanten in Deutschland repräsentieren soll, über aktuelle Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft berät und sich öffentlich zu Wort meldet.

22 Kandidatinnen und Kandidaten

Insgesamt 22 Kandidatinnen und Kandidaten bewarben sich um einen Sitz im Rat der EKD, einer zog nach dem vierten Wahlgang seine Kandidatur zurück. Wahlberechtigt sind die 128 Mitglieder der EKD-Synode und die Vertreter der 20 Landeskirchen in der Kirchenkonferenz. Neben anderen erreichten der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung und der Berliner Bischof Christian Stäblein bis zum frühen Abend nicht das erforderliche Quorum.

Quelle:
epd
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