Der Papst besucht am Wochenende das katholischste Land der Welt

Malta erwartet Papst Benedikt XVI.

Eigentlich sollte es eine Art Heimspiel für den Papst werden: Der Besuch am Wochenende im "katholischsten Land der Erde", wie sich Malta stolz nennt. Doch über die Jubiläumsfeiern zur Ankunft des heiligen Paulus hat sich der Missbrauchsskandal geschoben.

Autor/in:
Burkhard Jürgens
 (DR)

Kein Staat der Welt bringt gemessen an der Einwohnerzahl so viele Priester hervor wie das karge Archipel vor Sizilien. Auf 10.000 Malteser kommen 21 Priester, zehn Mal mehr als in Deutschland. Malta dürfte auch die einzige Nationalkirche sein, in der mehr Oberhirten im Ausland - etwa als Vatikanbotschafter - arbeiten als auf eigenem Territorium; nämlich vier gegenüber drei aktiven Bischöfen in den beiden Bistümern des Landes.

Maltas Kirchenleiter rühmen ihr Land für den Katholikenanteil von mehr als 95 Prozent, sorgen sich ein bisschen um den sonntäglichen Gottesdienstbesuch, der auf 49 Prozent gesunken ist, blicken beruhigt auf den Rückhalt bei Politikern aller Lager. Selbst eine 16-jährige sozialistische Ära änderte nichts daran, dass Malta bis heute keine Abtreibungs- und Scheidungsgesetze kennt und sogar das Baden oben ohne verboten ist.

Vorwürfe gegen 45 von 850 Priestern
Und ausgerechnet hier wirft nun auch die Missbrauchskrise Schatten. Die maltesische Kirchenleitung selbst hatte den Ball kurz vor der ersten diesjährigen Auslandsreise des Papstes ins Spiel gebracht und ihre Reue über die teils jahrzehntealten Vorfälle bekundet. 45 von 850 Priestern waren demnach in den vergangenen 11 Jahren mit Missbrauchsvorwürfen belastet worden. 19 davon fand eine Untersuchungskommission haltlos. Aber inzwischen erheben die Opfer ihre Stimme. Sie wollen persönlich mit Benedikt XVI. sprechen, wenn er am Samstag zu seiner anderthalbtägigen Visite auf Malta eintrifft.

Im offiziellen Programm ist das nicht vorgesehen. Nach seinem Höflichkeitsbesuch bei Maltas Staatspräsident George Abela trifft das Kirchenoberhaupt in der Pauluskirche von Rabat mit Missionaren zusammen - eine Reverenz vor der regen Verkündigungstätigkeit der Insulaner. Am Sonntagmorgen ist ein Gottesdienst vor den Toren der Hauptstadt Valletta geplant.

Begegnung mit der Jugend
Stimmungsvollster Programmpunkt wird jedoch die Begegnung mit katholischen Jugendlichen. Auf einem Katamaran, eskortiert von zahlreichen Booten, will Benedikt XVI. im malerischen Hafen Vallettas einlaufen. Das Motiv kennt man von den Weltjugendtagen in Köln und Sydney - aber jetzt könnte es Anlass zu unbeabsichtigten Deutungen bieten: Denn im biblischen Bericht über die Landung des Paulus, auf den die Inszenierung anspielt, ist von schwerer See, Manövrierunfähigkeit und Schiffbruch die Rede.

Auch auf andere Ankömmlinge vom Meer will der Papst den Blick lenken. Ein inhaltlicher Akzent dürfte auf dem Umgang mit Einwanderern liegen. Für unzählige Menschen aus Afrika ist dieser Vorposten Europas der erste Anlaufpunkt auf der Flucht vor Verfolgung oder Elend. Teils zeigte Malta dabei eine harte Hand, und auch mit den Menschenrechten nahm man es nicht immer so genau. Bei dem Jugendtreffen will eine junge Migrantin Benedikt XVI. ihr Schicksal schildern.

Treffen mit Opfern?
Unterdessen fragen Medien, ob der Papst auch Missbrauchsopfern sein Ohr leiht. Solche kurzfristigen Treffen abseits des Protokolls gab es auch in Washington und Sydney. Grund für den maltesischen Opfervertreter Lawrence Grech, ebenfalls ein Treffen mit dem Papst einzufordern: «Wenn es Zeit für ein Foto mit den maltesischen Parlamentariern gibt, was sind dann fünf Minuten, um mit uns zu reden?»

Zu allem Überfluss diskutieren die Malteser nun auch noch über die Entfernung eines Kunstobjekts an der Fahrtstrecke vom Flughafen zur Hauptstadt. Die blaue Skulptur des Keramik-Künstlers Paul Vella Critien, 2006 an einem Kreisverkehr in Luqa aufgestellt, erinnert fatal an einen Phallus. Diesen Anblick will die Ortsverwaltung dem Papst ersparen.