In diesem Jahr stehen in fünf Bundesländern Wahlen zu Landesparlamenten an, beginnend am Sonntag mit der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Evangelische und katholische Kirche haben hier traditionell eine starke Rolle inne.
Es gibt nicht nur liberal-weltoffenes Christentum wie etwa in Stuttgart, sondern auch pietistische und erzkatholische ländliche Regionen. Allerdings ist in den vergangenen 15 Jahren der Anteil der Christen in Baden-Württemberg von 70 auf 50 Prozent zurückgegangen - der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) spricht von einem "gewaltigen Säkularisierungsschub".
Was halten die drei umfragestärksten Parteien CDU, Grüne und AfD im Südwesten eigentlich von den Kirchen und vom Christentum? Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) hat sich die Wahlprogramme näher angesehen.
CDU: Leitmotiv christliches Menschenbild
Die baden-württembergische CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel (37) stellt ihre Positionen zur Rolle der Kirchen unter die Überschrift "Werteland". Im Wahlprogramm heißt es: "Das christliche und jüdische Erbe und das Wirken der Kirchen prägen unser Land und machen es zu einem Ort, an dem Respekt und Wertschätzung ihren festen Platz haben."
Das christliche Menschenbild wird als Leitmotiv beschrieben. Denn es betone die unveräußerliche Würde jedes Menschen. "Es grenzt nicht aus, sondern lädt ein und erinnert daran, dass Freiheit stets mit Verantwortung verbunden und Solidarität kein Zusatz, sondern Kern einer gerechten Gesellschaft ist."
Kirchen als Sinn- und Wertestifter
Zudem betont die CDU ein "gutes Miteinander mit den Kirchen und Glaubensgemeinschaften". Im Programm heißt es: "Seit über 100 Jahren prägen die Kirchenartikel der Weimarer Reichsverfassung das Verhältnis von Staat und Religion in Deutschland. An diesem Erfolgsmodell aus Glaubensfreiheit auf der einen Seite und Kooperation mit den Kirchen auf der anderen Seite halten wir fest."
Gerade heute erkenne die CDU "die wichtige sinn- und wertestiftende Rolle der Kirchen und des Christentums". Diese Rolle könne der freiheitliche, säkularisierte Staat nicht einnehmen.
Grüne: Kirche ist traditionell stark
Die baden-württembergischen Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir (60) betonen in ihrem Wahlprogramm: "Mit karitativen Einrichtungen und Sozialdiensten, mit Geflüchtetenhilfe oder in der Zusammenarbeit mit dem Globalen Süden haben die christlichen Kirchen traditionell eine starke Rolle in Baden-Württemberg."
Im christlichen Religionsunterricht werde der Blick auf das gerichtet, "was uns verbindet". Die Grünen wollen "den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht fördern", der von beiden großen Kirchen getragen wird.
Austausch zwischen Religionen fördern
Zudem wollen die Grünen das Fach Ethik ergänzend zum konfessionellen Unterricht stufenweise für alle Jahrgangsstufen einführen. Damit sollten alle Kinder und Jugendlichen "ein Angebot zu den großen Fragen Frieden, Gerechtigkeit und Zusammenleben" erhalten - auch jene, die den Religionsunterricht nicht besuchen. In diesem Zusammenhang unterstützen die Grünen "Modelle für eine intensivere Kooperation des Fachs Ethik mit dem konfessionellen Unterricht".
Die Partei Özdemirs will zudem "den interreligiösen und kulturellen Austausch zwischen den Religionen fördern" - ob in der Kirchengemeinde, in der Synagoge oder in der muslimischen Glaubensgemeinschaft.
AfD: Kirchen sollen Verachtung überwinden
Die baden-württembergische AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier (35) steht laut Wahlprogramm "auf der Seite des christlichen Glaubens". Der christliche Glaube könne "ein wichtiger Anker sein, um in diesen Zeiten zu bestehen". Dann aber folgt scharfe Kirchenkritik: "Wir kritisieren die Amtskirchen dafür, aus dem Gebot 'Liebe deinen Nächsten wie dich selbst' faktisch ein 'Liebe deinen Fernsten, aber nicht deinen Nächsten, und vor allem nicht dich selbst' gemacht zu haben."
Weiter heißt es: "Die AfD will mit Amts- und Freikirchen an der Renaissance des Christlichen arbeiten. Wir fordern die Amtskirchen auf, ihre willkürliche und unverständige Verachtung gegenüber der AfD zu überwinden."
Im Februar 2024 hatte die katholische Deutsche Bischofskonferenz eine Erklärung mit dem Titel "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar" veröffentlicht. Darin hatten die katholischen Bischöfe ausdrücklich die AfD genannt und somit erstmals eine im Bundestag vertretene Partei als nicht wählbar für Christen bezeichnet.
AfD will unpolitische Kirchen
Die AfD will offenbar unpolitische Kirchen: "Die Kirchen sollten sich aus operativ-politischen Fragen heraushalten", heißt es im Wahlprogramm der baden-württembergischen AfD.
Zudem sieht der Landesverband, der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft ist, die Kirchen als "sozialunternehmerischen Finanzprofiteur der Migration". Dieser Vorwurf ist nicht neu: Der frühere AfD-Landesvorsitzende in Bayern, Petr Bystron, hatte schon 2016 den christlichen Kirchen vorgeworfen, über ihre Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie "unter dem Deckmantel der Nächstenliebe" ein Milliardengeschäft mit der Flüchtlingskrise zu machen. Evangelische wie katholische Kirche reagierten empört. Ein Sprecher der Bischofskonferenz sagte, die Vorwürfe seien "ein mit keinem einzigen Faktum belegtes Gequatsche".