Caritas-Präsident kritisiert Egoismus des Westens bei Impfkampagne

"Das ist keine generöse Haltung"

Caritas-Präsident Peter Neher hat die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigte Bereitstellung von 100 Millionen Impfdosen für ärmere Länder als "selbstverständlich" bezeichnet.

Ein Arzt zieht den Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech-Pfizer in eine Spritze / © Fabian Sommer (dpa)
Ein Arzt zieht den Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech-Pfizer in eine Spritze / © Fabian Sommer ( dpa )

"Wir sollten das nicht als generöse Haltung verstehen. Den Ländern weltweit stehen diese Impfstoffe genauso zu wie uns", erklärte Neher am Montag im rbb-inforadio mit Blick auf die Beratungen der G20-Staaten zum internationalen Impfprogramm Covax.

Für Verknappung von Impfstoffen gesorgt

Die Bereitstellung der Impfdosen gegen Covid-19 sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings hätten viele westliche Länder durch gesonderte Verträge mit den Herstellern erst für eine Verknappung von Impfstoffen gesorgt. "Insofern ist das ein bisschen wie ein Feigenblatt", sagte Neher.

Drei Viertel der weltweit produzierten Impfstoffe seien an lediglich zehn Länder weltweit gegangen. Dies sei im Hinblick auf die gesamte Weltbevölkerung egoistisch und auch nicht nachhaltig: Durch die Verknappung in anderen Ländern könnten neue Virusvarianten entstehen, gegen die bisherige Impfstoffe dann nicht mehr wirkten. Die westlichen Länder seien davon dann auch betroffen, erklärte Neher.

Freigabe der Patente befürwortet

Um die Produktion von Impfstoffen anzukurbeln, befürwortete der Caritaspräsident die Freigabe der Patente für die Impfstoffe grundsätzlich. Da allerdings der Widerstand dagegen zu groß sei, halte er den Aufbau von eigenständigen Produktionsstätten in den jeweiligen Entwicklungsländern in Kooperation mit Pharmaunternehmen momentan für die sinnvollste Lösung.

Die Gesundheitsminister der G20-Staaten beraten seit Sonntag unter anderem über einen Impfpakt für ärmere Länder und die Immunisierung der Weltbevölkerung. Auch Deutschland will sich laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit 100 Millionen Impfdosen beteiligen.

Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes  / © Harald Oppitz (KNA)
Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA , epd
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