DOMRADIO.DE: Gestern Abend und bis in die Nacht war viel los am Bonner Münster, ein Großaufgebot der Feuerwehr. Was ist passiert?
Dr. Christian Jasper (Münsterkaplan und Stadtjugendseelsorger in Bonn): Es gab eine Rauchmeldung. Ich selbst habe es auch gesehen: Oben, aus dem 80 Meter hohen Vierungsturm des Bonner Münsters, schien Rauch aufzusteigen, und die Feuerwehr hat das sehr, sehr ernst genommen. Ich selbst war mit den ersten Kräften oben im Turm. Man konnte zum Glück aber kein Feuer feststellen.
Gleichwohl hat die Feuerwehr bis in die tiefe Nacht hinein alles untersucht, mit Wärmebildkameras und einem großen Kranwagen den Turm abgefahren und abgeflogen, und glücklicherweise dann den Einsatz ohne jegliche Schäden wieder beenden können.
DOMRADIO.DE: Das ist eine gute Meldung, das hatten wir letzte Woche auch am Kölner Dom. Blicken wir auf dieses Wochenende, was wird da gefeiert?
Jasper: Wir feiern zwei Feste an diesem Wochenende. Der 2. Mai ist historisch der Tag der Translatio unserer beiden Stadtpatrone Cassius und Florentius und jährt sich schon zum 860. Mal. Das Bonner Münster ist als Märtyrerkirche über dem Grab von Cassius und Florentius errichtet. Im Jahre 1166 wurden die Reliquien der beiden, also die sterblichen Überreste, aus dem Grab unter der Krypta des Bonner Münsters emporgehoben, in einen Schrein auf dem Hochaltar. Daran erinnern wir uns an diesem Tag der Translatio.
Am Sonntag feiern wir dann das Kirchweihfest. Es geht zurück auf den Tag der Weihe des Hochaltares im Hochchor des Bonner Münsters. Das Bonner Münster ist im 12. Jahrhundert maßgeblich unter Propst Gerhard von Are ausgebaut worden. Am 3. Mai 1153 war endlich der Hochchor fertig, sodass dort der Altar geweiht werden konnte. Das ist das Kirchweihfest, das wir bis heute feiern.
DOMRADIO.DE: Welche Bedeutung hat die Translatio, also die Übertragung der Gebeine, für Bonn?
Jasper: Die Translatio ist so etwas wie eine Heiligsprechung. Wenn wir heute an Heiligsprechung denken, dann denken wir an einen Akt des Papstes. Aber damals war das ein bisschen volksnäher und auch weiter an die Basis vor Ort delegiert. Mit der Erhebung der Gebeine aus den Gräbern wurde deutlich: Cassius und Florentius haben wirklich eine Vorbildfunktion für die Menschen hier in Bonn gehabt, und deswegen sollten sie nicht in den Gräbern gelassen werden, sondern emporgehoben werden.
Auch wenn man heute gar nicht mehr genau historisch belegen kann, was es mit Cassius, Florentius und den Märtyrern der Thebäischen Legion eigentlich auf sich hat, wird deutlich: Mindestens seit 1860 Jahren kommen Menschen hierher, für die die beiden eine besondere Bedeutung haben. Das macht es schon historisch belastbar, dass eine lange Pilgertradition am Bonner Münster besteht.
DOMRADIO.DE: Das wird ein langer Tag morgen am und im Bonner Münster. Es gibt einige Gottesdienste, und auch der Kardinal wird dabei sein.
Jasper: Das ist richtig. Am Sonntagmittag um 12 Uhr freuen wir uns auf ein Pontifikalamt mit unserem Kardinal Woelki. Anschließend gibt es einen Empfang für die Gemeinde im historischen, romanischen Kreuzgang, und hoffentlich für alle ein frohes Fest des Glaubens.
Das Interview führte Carsten Döpp.