Päpstlicher Kalender für 2021 mit vielen Fragezeichen

Corona-Krise erschwert Planungen

Der Terminkalender des Papstes für das kommende Jahr sieht übersichtlich aus. Auslandsreisen oder Massenveranstaltungen sind ob des Pandemie-Risikos schwierig. Ein erstes Highlight wurde nun dennoch angekündigt.

Papst Franziskus besteigt Flugzeug / © Gregorio Borgia (dpa)
Papst Franziskus besteigt Flugzeug / © Gregorio Borgia ( dpa )

Wer wissen will, an welchen Großereignissen der Papst im Jahr 2021 teilnimmt, sollte zur Glaskugel greifen. Der Kalender des Heiligen Stuhls bietet diesmal nur wenig Orientierung. Gesetzt sind freilich die Gottesdienste zu den hohen Feiertagen. Ansonsten besteht der Ausblick für das nächste Jahr aus vielen Corona-Fragezeichen. Die Wirren der Pandemie machen eine zuverlässige Planung kaum möglich.

Vieles wird davon abhängen, ob die zur Verfügung stehenden Impfstoffe so reibungslos verteilt und angenommen werden wie von den Experten prognostiziert. Nur dann ist mit einer Entspannung der Lage zu rechnen und die geltenden Restriktionen könnten aufgehoben werden.

Die Reisebranche geht von einer allmählichen Normalisierung des internationalen Verkehrs ab der zweiten Jahreshälfte aus. Für die Organisatoren im Vatikan heißt das: Papstreisen ins Ausland, die stets einen erheblichen Planungsaufwand bedeuten, dürften im ersten Halbjahr mit allerhand Schwierigkeiten verbunden sein.

Irak-Reise angekündigt

Umso überraschender ist die Ankündigung vom 7. Dezember, dass der Heilige Vater Anfang März in den Irak reisen will. Entsprechende Überlegungen gab es zwar schon länger. Aber Sicherheitslage und Gesundheitsnotstand sorgten immer wieder für Verzögerungen. Nun erfolgte trotz allem eine offizielle Zusage.

Das zeigt, wie sehr Franziskus daran gelegen ist, in der arabischen Welt ein erneutes Signal des interreligiösen Dialogs zu setzen. Er knüpft damit an die Unterzeichnung des "Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen" Anfang 2019 in Abu Dhabi sowie einen anschließenden Besuch in Marokko an. Wie aus der vatikanischen Mitteilung hervorgeht, muss man jedoch die Entwicklung der Pandemie berücksichtigen. Ein genaues Programm folgt erst "zu gegebener Zeit".

Eucharistischer Weltkongress im September - mit dem Papst?

Abgesehen vom Irak ist eine Stippvisite des katholischen Kirchenoberhaupts beim 52. Eucharistischen Weltkongress Anfang September in Budapest denkbar. Die Veranstaltung, die Verständnis und Verehrung der Eucharistie fördern soll, war ursprünglich für dieses Jahr geplant. Wegen Corona wurde sie um ein Jahr verschoben.

Über eine persönliche Teilnahme des Papstes wird eifrig spekuliert. Der Erzbischof von Budapest, Kardinal Peter Erdö, versucht seit Monaten, Franziskus zu überzeugen. Auch die ungarische Regierung würde ihn aus Prestigegründen nur allzu gerne willkommen heißen. Sollten am Ende nicht alle Bedenken ausgeräumt sein, dürfte es der Argentinier - wie so oft in diesen Tagen - bei einer Videobotschaft belassen. Schließlich wäre es eine Katastrophe, sollte sich bei einer Großveranstaltung mit ihm das Coronavirus unter den Teilnehmern verbreiten.

Fortsetzung von "Economy of Francesco" angedacht

Sehr wahrscheinlich ist indes ein päpstliches Erscheinen beim für Herbst angedachten Treffen "Economy of Francesco" im italienischen Assisi. Von Rom aus ist es nur ein relativ kurzer Weg. Die Begegnung mit jungen Wirtschaftsakteuren sollte ebenfalls bereits in diesem Jahr stattfinden; Corona durchkreuzte das Vorhaben. Aus dem Event wurde im November eine virtuelle Veranstaltung. Doch damit gab man sich nicht zufrieden. 2021 soll es eine physisch-reale Konferenz geben, um mit dem Papst über Wege zu einer gerechteren, nachhaltigen Wirtschaftsordnung zu diskutieren.

Zurückhaltende Reiseplanung

Weitere Reisen sind derzeit nicht vorgesehen. Die Unwägbarkeiten zwingen den Vatikan dazu, auf Sicht zu fahren. Umso mehr Zeit bleibt Franziskus, sich jenen Projekten zu widmen, die sich auf seinem Schreibtisch stapeln. Der neu ernannte Kardinal Marcello Semeraro stellte kürzlich in Aussicht, dass vor Ostern mit einer Veröffentlichung der neuen Kurienordnung zu rechnen ist.

Der Schritt war bereits für Anfang 2019 erwartet worden. Der aktuelle Entwurfstext mit dem Arbeitstitel "Praedicate evangelium" wird seit Monaten überarbeitet. Das Dokument soll die aktuelle Kurienverfassung von 1988 ablösen. Dem Vernehmen nach müssen noch Einwände und Änderungsvorschläge der Kurienchefs abgearbeitet werden.

Probleme plagen den Vatikan

Neue Schlagzeilen verspricht auch die Affäre um ein dubioses Immobilien-Investment des Vatikan in London. Die genauen Hintergründe des missglückten Deals in dreistelliger Millionenhöhe sind immer noch nicht aufgeklärt. Kardinal Giovanni Angelo Becciu, früherer Stabschef im Staatssekretariat, verlor darüber seinen Posten als Heiligsprechungspräfekt. Er streitet beharrlich jedwedes Fehlverhalten ab und kämpft um seinen Ruf.

Spannend wird überdies, wie die Hüter der vatikanischen Kassen mit dem sich abzeichnenden Haushaltsdefizit für 2021 umgehen. Für das laufende Jahr kalkuliert man mit einem Minus von 53 Millionen Euro. Die Zukunftsaussichten sind angesichts der Pandemie-Auswirkungen düster. Besorgte Stimmen gehen davon aus, dass sich die Finanzlücke verdoppeln könnte.

Wenn der Papst all diese Herausforderungen gemeistert hat und bei guter Gesundheit bleibt, kann er sich am 17. Dezember 2021 feiern lassen: Dann wird Franziskus 85 Jahre alt. Überbordende Festivitäten sind allerdings nicht zu erwarten - Corona hin oder her. Seit seiner Wahl am 13. März 2013 führte der Jesuit im Vatikan einen von Einfachheit geprägten, unkonventionellen Stil ein.

Autor/in:
Alexander Pitz
Quelle:
KNA