Zwei Wochen nach Ausbruch des neuen Krieges im Nahen Osten haben acht von zehn christlichen Studierenden die Jerusalemer Dormitio-Abtei verlassen. Sie sind am Samstag, besonders gesichert, auf dem Landweg ins ägyptische Scharm-El-Scheik gereist und von dort nach Rom geflogen. Dort können sie ihr Studienjahr, das zu Pfingsten endet, abschließen - so Abt Nikodemus Schnabel von der Dormitio-Abtei in Jerusalem.
Abt Nikodemus Schnabel von der Dormitio-Abtei zeigte sich dankbar, dass der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in Koordination mit der Deutschen Botschaft in Tel Aviv und in ganz enger Absprache mit ihnen, den Studierenden ein Ausreiseangebot gemacht hat. Es war eine unterstützte Ausreise auf freiwilliger Basis, so Abt Nikodemus am Sonntag.
Die christlichen Studierenden, die acht Monate mit den Mönchen in der Abtei leben und studieren, haben verschiedene Entscheidungen getroffen. So haben sich acht von zehn Teilnehmern für die Abreise nach Rom entschieden. "Ich glaube, das war wirklich auch ein großer Prozess des Erwachsen- und Reifwerdens" und fügte hinzu, dass sich die Studierenden individuell für ihr Leben entschieden haben.
Abschluss mit Reisesegen
Ihn habe es nicht gewundert, dass alle muslimischen Studierenden auf dem Berg Zion das Ausreise-Angebot angenommen haben. "Die wollen jetzt endlich Heim." Denn die muslimisch-christlichen Werkwochen hatten bereits am 4. März geendet.
Zum Abschluss habe es einen "wunderschönen Abschiedsgottesdienst mit Reisesegen" gegeben, sagte Abt Nikodemus Schnabel. "Ich wünsche einfach allen, dass sie behütet und begleitet sind und, dass Gott sie segnet. Die, die gegangen sind, und die, die geblieben sind."
Abt Nikodemus hofft, dass alle vielleicht etwas Gutes aus diesen furchtbaren Tagen für sich mitnehmen können. "Dass diese Erfahrungen, die sie hier gemacht haben, vielleicht auch ihr Glaubensleben und ihre Art, Theologie zu betreiben, prägen."
In Rom geht es weiter
Der Lehrbetrieb des 52. Jerusalemer Studienjahres wird nun an zwei Orten fortgesetzt: in der Jerusalemer Dormitio-Abtei sowie im neuen Ausweichquartier "Belmonte", einem kirchlichen Gästehaus am Stadtrand von Rom. Künftig können Dozenten aus dem deutschen Sprachraum in Rom ihre Lehrveranstaltungen halten, denen sich die in Jerusalem verbliebenen Studenten zuschalten. Umgekehrt klinken sich bei Referenten in Jerusalem die Teilnehmenden aus Rom ein.
Wegen der Krise und Unsicherheit in der Region und der Einschränkung des Flugbetriebs konnten in den vergangenen Wochen etliche Dozenten nicht nach Jerusalem kommen und mussten ihre Vorlesungen und Seminare online anbieten. Zudem waren einige Studierende durch den Kriegsbeginn verunsichert. Manchen war die gemeinsame Fortsetzung des Lehrprogramms wichtig.
Programm über zwei Semester
Seit den 1970er Jahren bietet das Jerusalemer Studienjahr für deutschsprachige Theologiestudierende ein Lehrprogramm über zwei Semester an. Schwerpunkte sind biblische Exegese und Archäologie, Ostkirchenkunde, Begegnung mit dem Judentum und dem Islam sowie Kirchen- und Zeitgeschichte. Das Studienjahr ist in der von deutschen Benediktinern geleiteten Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg untergebracht und wird durch DAAD-Stipendien unterstützt.
Das 52. Studienjahr hatte wegen des israelisch-iranischen Krieges 2025 ("Zwölftagekrieg") nicht wie üblich im August, sondern erst Mitte September begonnen. Seither konnten die zehn Studierenden jedoch alle vier vorgesehenen großen Exkursionen durchführen: nach Galiläa, in die Negev-Wüste und nach Jordanien. Dennoch äußerten sich die meisten der Ausreisewilligen beim Abschied von Jerusalem "enttäuscht und traurig", weil sie manche geplanten Besuche und Termine nicht mehr vor Ort wahrnehmen könnten.