Chile bittet Papst um Hilfe in Kuba-Krise

Inselstaat leidet unter US-Blockade

Die US-Ölblockade verschärft die ohnehin schwierige Versorgungslage im kommunistischen Kuba. Nun bittet der chilenische Präsident den Papst um Vermittlung.

Autor/in:
Tobias Käufer
Gabriel Boric Font, Präsident von Chile, und Papst Leo XIV. am 13. Oktober 2025 im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Gabriel Boric Font, Präsident von Chile, und Papst Leo XIV. am 13. Oktober 2025 im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Zigarrenfabriken müssen schließen, in Krankenhäusern leidet die medizinische Versorgung und die Tankstellen haben keinen Sprit mehr. Weil Venezuela und Mexiko ihre Öllieferungen an Kuba auf Druck der USA eingestellt haben, wird die ohnehin schwierige Versorgungslage auf Kuba immer prekärer. Nun bittet der in Kürze aus dem Amt scheidende chilenische Präsident Gabriel Boric den Papst um Vermittlung.

In einem Brief geht Boric auf die Grundprobleme in dem kommunistischen Inselstaat ein: einerseits die humanitäre Krise aufgrund der schlechten Versorgung - andererseits die Menschenrechts-Krise angesichts der Verweigerung elementarer Grundrechte. Ungeachtet der Differenzen zwischen den verschiedenen Staaten müsse allerdings das Wohlergehen der Menschen im Mittelpunkt stehen, so der Präsident. "Jede nachhaltige Lösung erfordert Fortschritte in Sachen Demokratie und Menschenrechte", betonte Boric.

Alltag in Havanna, Kuba / © Nick Kaiser (dpa)
Alltag in Havanna, Kuba / © Nick Kaiser ( dpa )

Die Situation, mit der Kuba konfrontiert sei, habe eine besorgniserregende Dimension angenommen und wirke sich direkt auf die Lebensmittelversorgung, den Betrieb von Krankenhäusern, den öffentlichen Nahverkehr und die Stromversorgung aus, beschrieb das chilenische Staatsoberhaupt die aktuelle Krise. Sowohl die USA als auch das kubanische Regime müssten sich daher bewegen. Als mögliches Zugeständnis Kubas schlug Boric etwa die Freilassung politischer Häftlinge vor.

Boric bleibt sich treu

Der Linkspolitiker setzt damit zum Ende seiner Amtszeit den bisherigen Kurs fort. Er gehört zu den wenigen lateinamerikanischen Staatschefs aus dem linken Lager, die Menschenrechtsverletzungen konsequent ansprechen - egal, wer dafür verantwortlich ist. Dafür musste er nicht zuletzt von der kommunistischen Partei Chiles harsche Kritik einstecken.

Wie chilenische Medien berichten, hat Boric seinen viel beachteten Brief dem Papstbotschafter in Chile, Erzbischof Kurian Mathew Vayalunkal, übergeben. Dafür nutzte der Politprofi die Gelegenheit eines Abschiedstreffens. Seine Amtszeit endet am 11. März - Nachfolger wird der konservative Politiker José Antonio Kast.

Ein Demonstrant schreit den Präsidentschaftkandidaten José Antonio Kast (l) vor dem Verfassungsgericht in Santiago de Chile an. / © Cristobal Escobar (dpa)
Ein Demonstrant schreit den Präsidentschaftkandidaten José Antonio Kast (l) vor dem Verfassungsgericht in Santiago de Chile an. / © Cristobal Escobar ( dpa )

Unterdessen meldet die Zeitung "El Nuevo Herald" aus der Exil-Kubaner-Hochburg Miami, dass US-Außenminister Marco Rubio mit Raúl Guillermo Rodríguez Castro im Austausch sei. Der Enkel des 94 Jahre alten Ex-Staatschefs Raúl Castro ist innerhalb des kubanischen Machtapparats nicht ohne Einfluss. Bereits kürzlich hatte US-Präsident Donald Trump bestätigt, dass seine Regierung Gespräche mit Kuba führe. Ein militärisches Eingreifen - wie jüngst in Venezuela - schloss er aus.

Mehrere Anknüpfungspunkte für den Papst

Dem aus den USA stammenden Papst böten sich also etliche diplomatische Anknüpfungspunkte, sollte er tatsächlich eine Rolle als Vermittler übernehmen. Leo XIV. hatte jüngst angesichts der neuen Kuba-Krise zum Dialog aufgerufen und eine Erklärung der kubanischen Bischöfe aufgegriffen. 

Die wiederum hatten vor der Gefahr eines "sozialen Chaos" gewarnt. "Kuba braucht Veränderungen - und diese werden immer dringlicher", so die Geistlichen. Zugleich erklärten sie sich bereit, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.

Kubanische Fahne in den Straßen von Havanna / © Kamira (shutterstock)
Kubanische Fahne in den Straßen von Havanna / © Kamira ( shutterstock )

Die kubanische Opposition hofft indes auf die lang ersehnte Chance einer Demokratisierung. Der bekannte Dissident José Daniel Ferrer, nach langer Haftstrafe seit Oktober in den USA im Exil, befürwortet eine Vermittlerrolle der Kirche. Sie habe immer eine positive Rolle gespielt und gelegentlich zu einer Freilassung politischer Gefangener beigetragen, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) zu Jahresbeginn. Auch jetzt könne sie in Kuba hilfreich sein, weil sie "zweifellos außerhalb der Institutionen des Regimes am besten organisiert ist".

Schon unter Papst Leos Vorgänger Franziskus spielte die Kirche eine wichtige Rolle als Vermittlerin zwischen Havanna und Washington. Seinerzeit entwickelte sich zwischen den USA und Kuba ein diplomatisches Tauwetter. Der damalige US-Präsident Barack Obama reiste sogar in die kubanische Hauptstadt und hielt dort eine Rede. Die Vereinigten Staaten lockerten überdies ihr Embargo. Doch als Kuba keinerlei demokratische Öffnung erkennen ließ, verschärfte Obama-Nachfolger Trump die Sanktionen wieder. 

Quelle:
KNA