Caritas-Präsidentin wirbt mit Bibel für Miteinander der Generationen

"Sich selbst zu bereichern, ist unzulässig"

Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Maria Welskop-Deffaa, hat in der Benediktinerabtei in Maria Laach die letzte Fastenpredigt gehalten. Sie bezog sich dabei auf eine Geschichte aus dem Alten Testament.

Autor/in:
Bernd Knopp
Maria Welskop-Deffaa / © Gordon Welters (KNA)
Maria Welskop-Deffaa / © Gordon Welters ( KNA )

DOMRADIO.DE: Sie haben mit Ihrer Predigt das Finale der diesjährigen Fastenpredigtreihe in der Benediktinerabtei absolviert. Wie war es für Sie? 

Maria Welskop-Deffaa (Caritas-Präsidentin): Maria Laach ist einfach eine so wunderbare Kirche, ein so wunderbarer spiritueller Ort, an dem man Bibeltexten nachspürt und sich fragen kann: "Was sagen Sie uns für die heutige Zeit?" Das war schon ein bewegender Moment für mich. 

DOMRADIO.DE: Die Predigt klang auf den ersten Blick beim Zuhören etwas kompliziert – eine Geschichte aus dem Alten Testament über die beiden Hauptprotagonisten, eine Richterin namens Debora und einen Feldherrn namens Barak. Und die beiden fanden zusammen und besiegten einen nicht besonders sympathischen König, um es mal so auszudrücken. Können Sie diese Lesung für die Menschen, die vielleicht nicht so bibelfest sind, kurz zusammenfassen? 

Welskop-Deffaa: Ja, die Geschichten aus dem Alten Testament sind uns ja tatsächlich nicht so vertraut und die Namen sind teilweise ungewohnt. Der Clou dieser Geschichte ist, dass Debora, die Richterin und Prophetin, an Barak, den Feldherrn, einen Ruf erneuert, den er nicht hören wollte, als Gott ihn an ihn gerichtet hat. Barak verkriecht sich, fühlt sich zu klein und zu ohnmächtig, will nicht von Gott aufgefordert werden, hier gegen die Kanaaniter die Unterdrückung abzuwehren. Aber Debora spricht ihn an und sagt: "Doch, du bist gemeint." 

Und dann kommt die wunderbare Geschichte, dass er nicht anfängt zu erzählen, welche Soldaten ihm fehlen, sondern er sagt: "Wenn du mitkommst, dann gehe auch ich." Er richtet seine Bitte an Debora und betont, dass er sich mit ihr zusammen zutraut, den Auftrag Gottes zu erfüllen. Im Miteinander, im Füreinander können sie diesen großen Auftrag Gottes annehmen. Und das finde ich eine ganz großartige Geschichte. 

DOMRADIO.DE: Wie kann man das interpretieren? Hört da der eine auf die andere, also eine kommunikative Gemeinschaft aus Mann und Frau?

Welskop-Deffaa: Ja, die Geschlechterfrage spielt eine Rolle, aber ich glaube, noch viel herausfordernder ist die Tatsache, dass hier derjenige, der als der eigentliche Akteur anzusehen ist, dieser Feldherr, auf die Erfahrung und auf die Konfliktregulierungskompetenzen einer Richterin vertraut. Und eben nicht seinen eigenen Lorbeer vor Augen hat, sondern den Erfolg in einer sozusagen auf die Minimierung des Konflikts ausgerichteten Art und Weise.

DOMRADIO.DE: Es geht also nicht um die persönliche Macht des Einzelnen? 

Welskop-Deffaa: Genau. Debora sagt es ja auch, bevor sie mit ihm mitgeht: "Okay, ich geh schon mit, aber du musst wissen, wenn ich mitgehe, dann wirst du keinen Ruhm für diesen Erfolg ernten."  Und dann wiederholt er seine Bitte, sie möge mitgehen. Insofern ist er ein wirklicher Held, weil er sich selbst in den Dienst des Auftrags stellt und nicht versucht, hier als Kriegsgewinner am Ende rauszukommen.

DOMRADIO.DE: Das heißt, wenn man die persönliche Macht einfach mal außen vorlässt, könnte man heutzutage ohne persönliche Macht gemeinsam auch Konflikte bewältigen. Ist das die Quintessenz? 

Welskop-Deffaa: Ja, die Geschichte spricht uns in dieser heutigen Zeit besonders an, in der wir das Gefühl haben, dass mächtige Männer dieser Erde, die in hohem Maße Verantwortung für die Erhaltung des Friedens tragen, Konflikte vom Zaun brechen, nur um sich selbst zu bereichern. Und genau das ist unzulässig. Das darf nicht sein, und das spricht dieser Bibeltext noch mal ganz deutlich aus. 

Eva Maria Welskop-Deffaa

"Gegen diese Ohnmachtsgefühle der Welt sind wir dann stark, wenn wir im Miteinander der Generationen unterwegs sind."

DOMRADIO.DE: Was nehmen Sie aus dieser Geschichte des Alten Testaments für den Deutschen Caritasverband mit? 

Welskop-Deffaa: Wir als Caritasverband haben in diesem Jahr unsere Jahreskampagne unter die Überschrift "Caritas verbindet Generationen" gestellt. Wir wollen deutlich machen: Gegen diese Ohnmachtsgefühle der Welt sind wir dann stark, wenn wir im Miteinander der Generationen unterwegs sind. Und genau das erzählt die Geschichte: Debora, die erfahrene Frau, spricht den Feldherrn in den besten Jahren an, und eine dritte Person kommt dazu, eine junge Mutter. Und indem alle Generationen sich miteinander auf den Weg machen, können wir eine gute Zukunft erhoffen. 

DOMRADIO.DE: Mit welchem Gefühl verlassen Sie diese ehrwürdige Abtei Maria Laach? 

Welskop-Deffaa: Ich will wiederkommen. 

Das Interview führte Bernd Knopp.

Caritas Deutschland

Der Deutsche Caritasverband (DCV) ist der größte Wohlfahrtsverband Europas. Die Dachorganisation katholischer Sozialeinrichtungen setzt sich für Menschen in Not ein. Mit rund 700.000 hauptamtlichen Mitarbeitern - 80 Prozent sind Frauen - ist die Caritas zudem der größte private Arbeitgeber in Deutschland. Der Begriff "caritas" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Nächstenliebe. Der 1897 in Köln gegründete Verband unterhält Geschäftsstellen in Freiburg, Berlin und Brüssel.

Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus (KNA)
Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus ( KNA )
Quelle:
DR

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