DOMRADIO.DE: Mit dem Motto "Gemeinsam, nit einsam" rücken Sie das Miteinander in den Mittelpunkt. Sie haben 2.300 Mitarbeitende, mehr als 1.600 Ehrenamtliche. Was ist Ihnen allen bei der täglichen Arbeit wichtig?
Markus Peters (Vorstandssprecher des Caritasverbandes für die Stadt Köln): Die 111 ist die jeckischste Zahl in Köln. Das ist unser Jubiläum. Wir haben uns als Motto "Gemeinsam, nit einsam" genommen. Das ist leicht "eingekölscht". Das gibt schon gut Auskunft über unsere Arbeit und gleichzeitig über das kölsche Lebensgefühl.
Denn uns geht es darum, als Caritas Menschen zu unterstützen und ihnen Hilfe zu geben. Wir wollen ihnen auch zeigen, dass sie nicht alleine sind. Dieses "Gemeinsam, nit einsam" hat eine wahnsinnig starke Verbindung zum Karneval. Denn es greift das Lebensgefühl aus den kölschen Liedern auf.
Viele kennen sie: Der Mann vor der Wirtschaftstür wird dazu geholt, die "ahle Schmitz kriegt ein paar Blömcher" und damit einen neuen Glanz in ihre Wohnung. Die Bläck Fööss singen "un fällt ens einer op de Nas, die Bühle un Schramme, die fleck mer zesamme, dann es et vorbei."
Das sagt viel über das aus, was wir als Caritas machen. Wir holen Menschen in die Mitte und nehmen sie in den Blick. Wenn man das karnevalistisch verbinden kann, wie soll man es anders machen im 111. Jahr in Köln?
DOMRADIO.DE: Wie hat sich die Arbeit der Caritas in den vergangenen Jahren verändert? Gibt es andere Schwerpunkte und Herausforderungen?
Peters: Die Haltung ist die gleiche gewesen. Es war schon am Anfang wichtig, dass wir mit Kirchengemeinden zusammengearbeitet haben. Das ist es bis heute. Am Anfang standen die Folgen von Weltkriegen und Weltwirtschaftskrisen sowie die Hungersnot stark im Vordergrund.
Später, nach dem Krieg, ging es los mit dem Thema Flucht und Wohnungsnot. Das sind Themen, die uns zum Teil bis heute umtreiben. Die sind weiterhin wichtig. Es geht auch um Fachkräftemangel in der Pflege und in den Kitas. Ein Punkt, der neu dazu kommt, ist das Thema Einsamkeit.
Deshalb haben wir auch dieses Motto gewählt. Wir stellen fest, dass Einsamkeit für alle Generationen ein aufkommendes Thema ist und alle betreffen kann. Wir nehmen wahr, dass soziale Spaltungen zunehmen, und versuchen, das mit unseren 80 Diensten und Einrichtungen in der Stadt über drei große Themenfelder aufzugreifen: Das sind Hilfen für ältere Menschen, für Menschen mit Behinderung und insbesondere für geflüchtete Menschen.
DOMRADIO.DE: Sie gehen beim großen Rosenmontagszug in Köln mit. Wie fühlt sich das an?
Peters: Ganz ehrlich, es ist großartig und ein emotionaler Moment. Ich persönlich bin einmal mit den Schull- und Veedelszöch vor vielen Jahren mitgegangen und es war super. Ich weiß von vielen, die mitkommen, dass das für sie auch etwas ganz Besonderes ist. Man macht das sozusagen einmal im Leben.
Wir haben Mitarbeitende, Ehrenamtliche und auch Menschen, die bei uns Unterstützung finden, eingeladen, mit uns durch die Straßen der Stadt zu ziehen. Damit wollen wir zeigen, dass die Caritas mitten im Leben und mitten in der Stadt ist. Wir feiern das offen, solidarisch und für ein starkes Miteinander.
Das Interview führte Carsten Döpp.