Impfaktion mit Führung in Stuttgarter Synagoge

"Booschter ond B'such"

Erst der Piks und dann die Führung durch die Synagoge. Das verspricht die Impfaktion "Booschter ond B'such!" am Sonntag in Stuttgart. Sie verbindet die Gesundheitsvorsorge mit einem Einblick in die jüdische Gemeinde und Religionspraxis.

Symbolbild Thorarolle / © Olesya Baron (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Wird bei Ihnen mitten in der Synagoge geimpft?

Prof. Barbara Traub (Vorstandssprecherin der Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg, Vorstandsmitglied der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.): Nein, nicht mitten in der Synagoge, sondern wir haben einen Gemeindesaal, der genügend Raum bietet. Dort wird geimpft werden.

DOMRADIO.DE: Muss man Jude sein, um bei Ihnen geimpft werden zu können?

Traub: Nein, wir bieten natürlich diese Aktion für unsere Gemeindemitglieder an. Aber sie ist offen für alle Bürgerinnen und Bürger. Und wir freuen uns, wenn möglichst viele daran teilnehmen werden.

DOMRADIO.DE: Es gibt auch einen kleinen Anreiz: es gibt eine kleine Synagogen Führung, zumindest für diejenigen, die keine Gemeindemitglieder sind. Was erwartet die Impflinge da?

Traub: Wir geben einen kleinen Einblick in das jüdische Leben und die jüdische Religionspraxis für Bürgerinnen und Bürger, die bislang keine Möglichkeit gehabt haben, die jüdische Gemeinde kennenzulernen. Wir hoffen damit auch viel Interesse zu wecken, denn wir möchten als jüdische Gemeinde unseren Beitrag dazu leisten, damit die Bevölkerung die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen und die Pandemie bekämpft werden kann.

DOMRADIO.DE: Durchgeführt werden die Erst-, Zweit- und Booster-Impfungen vom mobilen Impfteam des Klinikums Stuttgart. Wie haben Sie das organisiert, gibt es Anmeldelisten? Und wie sieht es mit dem Interesse aus? Wissen Sie, ob sich auch Nicht-Gemeindemitglieder angemeldet haben?

Traub: Wir haben bis jetzt ein großes Interesse bemerkt, auch bei Nicht-Gemeindemitgliedern. Wir bieten ja auch über unsere Sozialabteilung Beratung für nichtjüdische Bürgerinnen und Bürger an, vor allem für Angehörige, die nicht Mitglied unserer Religionsgemeinschaft sind. Aber natürlich auch für Außenstehende sind wir offen.

Wir möchten mit der Impfaktion zeigen, dass wir als Gemeinde hier mitten im Leben der Stadtgemeinschaft und des Umlands sind und dass wir uns für Interessierte öffnen, damit möglichst viele die Möglichkeit haben, an der Impfaktion teilzunehmen.

DOMRADIO.DE: In Deutschland wird nach der Bundestagswahl die Impfpflicht breit diskutiert, in Europa wird sie teilweise schon eingeführt. Der Zentralrat der Juden befürwortet eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland. Aus ihrer Perspektive - der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden - schließen Sie sich dem Zentralrat an?

Traub: Nach wissenschaftlichen Studien wissen wir heute, je mehr Menschen geimpft sind, also je größer die Quote in der Bevölkerung ist, die durchgeimpft ist, desto eher haben wir die Chance, Corona dauerhaft in den Griff zu bekommen. Deswegen hat sich auch der Zentralrat der Juden der Befürwortung der Impfpflicht angeschlossen. Und ich sehe das auch so.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg / © Tom Weller (dpa)
Barbara Traub, Vorstandssprecherin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg / © Tom Weller ( dpa )
Quelle:
DR
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