Schwedischer Kardinal Arborelius wird 70

Bodenständiger und beliebter Würdenträger

Anders Arborelius fährt mit der U-Bahn, kämpft für die Einheit der Christen und bewundert Greta Thunberg. Seine Kardinalsernennung war eine kleine Sensation. An diesem Dienstag feiert er seinen 70. Geburtstag.

Kardinal Anders Arborelius (l.) / © Cristian Gennari (KNA)
Kardinal Anders Arborelius (l.) / © Cristian Gennari ( KNA )

Er ist Schwedens erster und einziger Kardinal und kursiert auf der Bekanntheits- und Beliebtheitsskala zumindest innerhalb seines Heimatlandes nicht weit hinter Greta Thunberg. 2017 kürte ihn das Magazin "Fokus" sogar zum "Schweden des Jahres". Am Dienstag (24. September) wird Stockholms katholischer Bischof Anders Arborelius 70 Jahre alt.

An Ruhestand denkt er allerdings noch lange nicht. Erst kürzlich hat ihn Papst Franziskus in die vatikanische Kleruskongregation berufen. Die ist weltweit für Fragen der Bildung und pastoralen Arbeit von Priestern und Diakonen sowie für die Aufsicht über Finanzangelegenheiten zuständig. Zudem sitzt Arborelius im päpstlichen Einheitsrat, der Franziskus beim Thema Ökumene berät.

Schwedisch, Englisch, Deutsch und Spanisch

Arborelius wurde am 24. September 1949 geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend im südschwedischen Lund. Als 20-Jähriger konvertierte der Lutheraner zum Katholizismus und trat zwei Jahre später in den Orden der Karmeliten ein.

Arborelius absolvierte ein Magisterstudium in modernen Sprachen. Neben Schwedisch und Englisch beherrscht er auch Deutsch und Spanisch. Theologie studierte er im belgischen Brügge und in Rom. 1979 wurde er vom damaligen Stockholmer Bischof Hubertus Brandenburg (1923-2009) zum Priester geweiht.

"Ein sehr großes Zeichen"

1998 machte Papst Johannes Paul II. den Ordensmann zum Bischof von Stockholm und damit zum ersten Schweden seit der Reformation, der an der Spitze dieses Bistums steht. 2016 empfing er Papst Franziskus in Lund zum gemeinsamen Reformationsgedenken von Päpstlichem Einheitsrat und Lutherischen Weltbund.

Der ernannte ihn 2017 zum Kardinal - eine Entscheidung, die die Schweden mit Stolz erfüllte. "Für eine kleine Diaspora-Kirche ist das ein sehr großes Zeichen", sagte Arborelius damals. Medien sprachen sogar von einer Sensation.

Einsatz für die Ökumene

Über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde Arborelius durch die Affäre um den Holocaust-Leugner Richard Williamson. Mit seiner Interview-Aussage, er habe den Vatikan vor der Aufhebung von Williamsons Exkommunikation über die Äußerungen des Bischofs der traditionalistischen Piusbruderschaft informiert, brachte er die dortigen Behörden in Erklärungsnot. Der zuständige Kurienkardinal Dario Castrillon Hoyos widersprach damals der Darstellung des Schweden.

Eines der großen Themen von Arborelius ist die Ökumene. "Als Christen in einer säkularen Gesellschaft müssen wir mit einer Stimme sprechen, um die Botschaft Christi heute zu verkünden", sagte er einmal.

60 Prozent der Schweden sind Lutheraner

Daneben hat sich der Theologe in den vergangenen Jahren auch in der Flüchtlingsdebatte engagiert. Weil Schwedens Katholiken selbst zu einem großen Teil Zuwanderer sind, ist das Flüchtlingsthema für Arborelius von besonderem Gewicht. Immer wieder wirbt er für eine humanere Asylpolitik.

Die katholische Kirche in Schweden ist klein und international geprägt. Bis 2000 war in dem skandinavischen Land die evangelisch-lutherische Kirche Staatskirche. Ihr gehörte bis dahin jeder Schwede mit seiner Geburt automatisch an. Inzwischen sind noch etwa 60 Prozent der Schweden Lutheraner.

Gottesdienste in mehr als 25 Sprachen

Katholisch sind offiziell gut 123.000 und damit knapp 1,2 Prozent der rund 10,2 Millionen Einwohner. Etwa die Hälfte von ihnen sind Einwanderer; sie kommen aus mehr als 80 Nationen, etwa aus Polen, von den Philippinen oder aus Vietnam.

Gottesdienste werden in neun verschiedenen Riten und in mehr als 25 Sprachen gefeiert. Das katholische Bistum Stockholm umfasst mit einer Fläche von knapp 450.000 Quadratkilometern das ganze Land.

Arborelius schätzt Greta Thunberg sehr

Arborelius, der seinen 70. Geburtstag und seine Priesterweihe vor 40 Jahren mit einer Messe und einem öffentlichen Empfang in der Stockholmer Kathedrale feiern will, gilt als volksnah und bescheiden.

In Stockholm ist er regelmäßig mit der U-Bahn unterwegs. Für seine inzwischen international bekannte Landsfrau Greta Thunberg hegt er übrigens Bewunderung. Was er besonders an ihr schätzt: "Sie ist demütig und wünscht keine Aufmerksamkeit für sich selbst, sondern nur für ihr großes Thema, die Zukunft der Erde." Ähnliches gilt wohl auch für Arborelius selbst.

Quelle:
KNA