DOMRADIO.DE: Sie kommentieren sonst als Blindenreporter die Spiele von Borussia Mönchengladbach. Heute sind Sie als Dreier-Team beim Veilchendienstagszug dabei. Wie läuft das ab?
Stefan Birkenstock (Blindenreporter): Wir versuchen, den Zug so detailliert wie möglich zu beschreiben: die Wagen, die Motive, die Kostüme – bis hin zu einzelnen Kleidungsstücken. Unser Ziel ist, für die Zuhörer gewissermaßen "das Auge" zu sein, damit sie möglichst viel vom Geschehen mitbekommen.
DOMRADIO.DE: Sie stehen dafür neben der Tribüne am Alten Markt und beschreiben den Zug von dort aus. Wie können blinde und sehbehinderte Menschen Ihre Reportage hören?
Birkenstock: Wir bringen die komplette Technik mit: Mikrofon und Empfängergeräte. Die Besucherinnen und Besucher bekommen vor Ort jeweils einen Empfänger und hören unsere Reportage dann live über diese Geräte.
DOMRADIO.DE: Wie viele Menschen nutzen das Angebot in der Regel?
Birkenstock: Aktuell sind etwa 30 bis 40 Personen angekündigt. Natürlich hängt viel vom Wetter ab. Wir hoffen aber, dass noch einige dazukommen.
DOMRADIO.DE: Wie viel Vorbereitung steckt in so einer Reportage? Sie beschreiben ja nicht nur, sondern geben sicher auch Hintergrundinformationen zu den Gruppen, oder?
Birkenstock: Genau. Wir bekommen vorab einen Ablaufplan zum Veilchendienstagszug und bereiten uns darauf vor: Wer nimmt teil, welche Gruppen laufen mit, wie könnten die Kostüme aussehen – und so weiter. Das ist schon ein bisschen Arbeit, aber es macht auch riesigen Spaß. Wenn man sich dafür einen Tag Zeit nimmt, ist man gut gerüstet.
DOMRADIO.DE: Für viele blinde und sehbehinderte Menschen ist das die einzige Möglichkeit, den Zug wirklich zu erleben. Welche Rückmeldungen bekommen Sie?
Birkenstock: Sehr positive. Das kennen wir auch aus dem Borussia-Park. Es ist für uns ein tolles Erlebnis, das übertragen zu dürfen – und die Reaktionen sind einfach schön: Man sieht die Freude, das Strahlen in den Gesichtern. Das ist das Wichtigste für uns: zu merken, dass die Leute Spaß haben und durch unsere Reportage wirklich teilhaben können.
Das Interview führte Carsten Döpp.