Blindenreporter machen Mönchengladbacher Karnevalszug erlebbar

"Wir wollen für die Zuhörer 'das Auge' sein"

Drei Blindenreporter machen den Veilchendienstagszug in Mönchengladbach für blinde und sehbehinderte Menschen live erlebbar. Stefan Birkenstock erklärt, wie die Technik, die Vorbereitungen und die Beschreibung funktionieren.

Autor/in:
Carsten Döpp
Nicht jeder kann sich vorstellen, wie diese überlebensgroße Narrenfigur 
vor den Einsatzkräften der Feuerwehr steht und einen Spiegel hochhält. Genau dafür gibt es Blindenreporter, die das bis ins kleinste Detail live beschreiben. / © Boris Roessler (dpa)
Nicht jeder kann sich vorstellen, wie diese überlebensgroße Narrenfigur vor den Einsatzkräften der Feuerwehr steht und einen Spiegel hochhält. Genau dafür gibt es Blindenreporter, die das bis ins kleinste Detail live beschreiben. / © Boris Roessler ( dpa )

DOMRADIO.DE: Sie kommentieren sonst als Blindenreporter die Spiele von Borussia Mönchengladbach. Heute sind Sie als Dreier-Team beim Veilchendienstagszug dabei. Wie läuft das ab?

Stefan Birkenstock (Blindenreporter): Wir versuchen, den Zug so detailliert wie möglich zu beschreiben: die Wagen, die Motive, die Kostüme – bis hin zu einzelnen Kleidungsstücken. Unser Ziel ist, für die Zuhörer gewissermaßen "das Auge" zu sein, damit sie möglichst viel vom Geschehen mitbekommen.

DOMRADIO.DE: Sie stehen dafür neben der Tribüne am Alten Markt und beschreiben den Zug von dort aus. Wie können blinde und sehbehinderte Menschen Ihre Reportage hören?

Stefan Birkenstock

"Die Besucherinnen und Besucher bekommen vor Ort jeweils einen Empfänger – und hören unsere Reportage dann live über diese Geräte."

Birkenstock: Wir bringen die komplette Technik mit: Mikrofon und Empfängergeräte. Die Besucherinnen und Besucher bekommen vor Ort jeweils einen Empfänger und hören unsere Reportage dann live über diese Geräte.

DOMRADIO.DE: Wie viele Menschen nutzen das Angebot in der Regel?

Birkenstock: Aktuell sind etwa 30 bis 40 Personen angekündigt. Natürlich hängt viel vom Wetter ab. Wir hoffen aber, dass noch einige dazukommen.

DOMRADIO.DE: Wie viel Vorbereitung steckt in so einer Reportage? Sie beschreiben ja nicht nur, sondern geben sicher auch Hintergrundinformationen zu den Gruppen, oder?

Birkenstock: Genau. Wir bekommen vorab einen Ablaufplan zum Veilchendienstagszug und bereiten uns darauf vor: Wer nimmt teil, welche Gruppen laufen mit, wie könnten die Kostüme aussehen – und so weiter. Das ist schon ein bisschen Arbeit, aber es macht auch riesigen Spaß. Wenn man sich dafür einen Tag Zeit nimmt, ist man gut gerüstet.

Stefan Birkenstock

"Das ist das Wichtigste für uns: zu merken, dass die Leute Spaß haben und durch unsere Reportage wirklich teilhaben können."

DOMRADIO.DE: Für viele blinde und sehbehinderte Menschen ist das die einzige Möglichkeit, den Zug wirklich zu erleben. Welche Rückmeldungen bekommen Sie?

Birkenstock: Sehr positive. Das kennen wir auch aus dem Borussia-Park. Es ist für uns ein tolles Erlebnis, das übertragen zu dürfen – und die Reaktionen sind einfach schön: Man sieht die Freude, das Strahlen in den Gesichtern. Das ist das Wichtigste für uns: zu merken, dass die Leute Spaß haben und durch unsere Reportage wirklich teilhaben können.

Das Interview führte Carsten Döpp.

Deutsches Katholisches Blindenwerk

Das Deutsche Katholische Blindenwerk (DKBW) wurde im Jahr 1969 gegründet. Seit mehr als 45 Jahren arbeiten wir, um blinden, hochgradig sehbehinderten und taubblinden Menschen eine angemessene Stellung in der Gesellschaft zu sichern. Ein weiterer wesentlicher Teil unserer Arbeit besteht darin, auch denjenigen blinden Menschen zu helfen, die in den weniger bevorteilten Erdteilen leben und dort in keiner Weise Förderung erfahren. Aus diesem Grund stellen wir Gelder für eine große Anzahl von gemeinnützigen Projekten weltweit zur Verfügung.

Ein blinder Mann mit Blindenstock in der Fußgängerzone in Bonn am 20. September 2019. / © Harald Oppitz (KNA)
Ein blinder Mann mit Blindenstock in der Fußgängerzone in Bonn am 20. September 2019. / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR

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