Bistum weist Rücktrittsforderung gegen Weihbischof zurück

"Nicht angemessen"

Das Bistum Hildesheim hat die Forderung nach einem Rücktritt von Weihbischof Heinz-Günter Bongartz wegen seines Umgangs mit Missbrauchsfällen zurückgewiesen. Entsprechend äußerte sich Generalvikar Martin Wilk nun in einem Schreiben.

Weihbischof Heinz-Günter Bongartz  / © Julia Steinbrecht (KNA)
Weihbischof Heinz-Günter Bongartz / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Einen solchen Schritt sehe er der Person und den derzeitigen Aufgaben des Weihbischofs als nicht angemessen an, schreibt Generalvikar Martin Wilk in einem Brief an die Betroffeneninitiative im Bistum Hildesheim.

Bongartz habe zu keinem Zeitpunkt Meldungen von sexuellem Missbrauch vertuscht und sich für Fehlverhalten bereits entschuldigt, heißt es weiter in dem Schreiben, das der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt. Zuerst hatte der NDR darüber berichtet.

Aufforderung zum Rücktritt

Die Betroffeneninitiative hatte Bongartz in einem Anfang März veröffentlichten Brief dazu aufgefordert, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten. Sein Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch sei nicht verantwortungsbewusst gewesen, hieß es in dem Schreiben an den katholischen Geistlichen, der früher unter anderem Generalvikar, Personalchef und Missbrauchsbeauftragter des Bistums war. Die Initiative berief sich dabei auf zwei Aufarbeitungsgutachten aus den Jahren 2017 und 2021.

Hildesheimer Dom / © Daniel Pilar (KNA)
Hildesheimer Dom / © Daniel Pilar ( KNA )

Wilk räumte ein, dass das im vergangenen Jahr veröffentlichte Gutachten mit Blick auf Bongartz "in wenigen Fällen" Muster aufgedeckt habe, in denen nicht konform der Leitlinien vorgegangen worden sei oder bei denen sich Betroffene in Gesprächen nicht angemessen gewürdigt gefühlt hätten. Zugleich wies er jedoch auf den Verdienst des Weihbischofs hin, "den Paradigmenwechsel im Bistum Hildesheim gegen erhebliche Widerstände eingeleitet zu haben".

Bongartz habe bereits nach der Veröffentlichung des Gutachtens von 2017 seinen Rücktritt angeboten, den der damalige Übergangsverwalter des Bistums, Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger, jedoch nicht angenommen habe. "Mit dem Gesuch ging einher, dass Weihbischof Bongartz das im damaligen Gutachten beschriebene kritisierte Verhalten als Fehler erkannt und um Entschuldigung gebeten hat", so Wilk.

Rücktrittsgesuch bleibt persönliche Entscheidung

Der Generalvikar betont, dass Bongartz die Ämter, in denen er das kritisierte Verhalten begangen hat, schon seit geraumer Zeit nicht mehr ausübe. Selbstverständlich bleibe es jedoch Bongartz' persönliche Entscheidung, ob er ein Rücktrittsgesuch beim Papst einreiche. Bongartz selbst hat sich zu der Rücktrittsforderung bislang nicht geäußert.

Heinz-Günter Bongartz war von 2006 bis 2014 Personalchef im Bistum Hildesheim und in dieser Zeit vorübergehend auch Missbrauchsbeauftragter der Diözese. 2011 wurde er zum Bischof geweiht; seit 2014 ist er Domdechant. Von 2016 bis 2019 war Bongartz Generalvikar, also Stellvertreter des Bischofs in Verwaltungsangelegenheiten.

Bistum Hildesheim in Kürze

Das Bistum Hildesheim, gegründet 815, ist eine der ältesten Diözesen Deutschlands und umfasst mit seinen 30.000 Quadratkilometern weite Teile Niedersachsens sowie Bremen-Nord und Bremerhaven. Es ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und als kirchlicher Seelsorge- und Verwaltungsbezirk in 17 Dekanate und 119 Pfarrgemeinden gegliedert. Im Bistum Hildesheim leben rund 554.000 Katholiken. Sie bilden in fast allen Regionen der Diözese eine Minderheit (Diaspora). Geleitet wird das Bistum von Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ. Bischofskirche ist der Mariendom in Hildesheim.

Der Hildesheimer Dom (dpa)
Der Hildesheimer Dom / ( dpa )
Quelle:
KNA