Papst Leo XIV. appelliert an Gerechtigkeitssinn von Bankern

"Ethik der Solidarität"

Selbst der Vatikan hat eine eigene Bank, die sich um seine Einnahmen und Ausgaben kümmert. Entscheidend seien aber die ethischen Standards einer Bank, betont Papst Leo XIV. bei einer Audienz für Vertreter italienischer Banken.

Papst Leo XIV. spricht bei der Generalaudienz am 28. Januar 2026 in der Audienzhalle im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. spricht bei der Generalaudienz am 28. Januar 2026 in der Audienzhalle im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Papst Leo XIV. wünscht sich ein Finanzsystem, das die "Ethik der Solidarität" pflegt. "Banken können die strukturelle Entwicklung einer Gesellschaft und auch ihre kulturelle Entwicklung stark beeinflussen", sagte er am Samstag bei einer Audienz für Vertreter verschiedener italienischer Banken.

"Die Konzentration von Kapital und die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte haben dem Finanzsystem erhebliche wirtschaftliche Ressourcen verschafft." Daraus ergebe sich nun die Möglichkeit, "eine gerechte Verteilung zum Wohle aller zu fördern oder, im negativen Sinne, egoistische Bereicherung zu begünstigen, eine Quelle von Ungleichheit und Armut", gab der Papst zu bedenken.

Gewinn und Solidarität kein Widerspruch

Banken sollten Sensibilität, Intelligenz, Ehrlichkeit und Nächstenliebe vereinen und humane Standards fördern, in denen Gewinn und Solidarität nicht länger im Widerspruch zueinander stehen, so Leo XIV. Dieser Ansatz könne ein "gesundes und nachhaltiges Wachstum von Strukturen, sozialen Modellen und Beziehungen" gewährleisten.

Banken könnten dafür sorgen, dass Ressourcen "weise und moralisch angemessen" eingesetzt und der Reichtum gerechter unter Einzelnen, Firmen und Institutionen geteilt wird, betonte das Kirchenoberhaupt. "Hinter den Zahlen stehen Frauen und Männer, Familien, die Hilfe benötigen." Auch im Finanzbereich müsse der Mensch immer im Mittelpunkt stehen, so Leo XIV.

Vatikanbank

Als "Vatikanbank" wird landläufig das "Institut für die religiösen Werke" (Istituto per le Opere di Religione, IOR) bezeichnet. Das IOR ist jedoch nur im eingeschränkten Sinne eine Bank. Einige bankentypische Dienstleistungen wie die Vergabe von Krediten bietet es nicht an. Hauptzweck des 1942 gegründeten Instituts ist laut Statuten die Verwaltung von Kapital, dessen Erträge "für Werke der Kirche und für christliche Wohltätigkeit in allen Teilen der Welt bestimmt sind".

Hauptsitz der Vatikanbank  / © Romano Siciliani (KNA)
Hauptsitz der Vatikanbank / © Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA