Bischof Overbeck erwartet nach Ad-limina-Besuch Diskussion

"Anfragen an unseren Synodalen Weg"

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck blickt sowohl positiv wie nachdenklich auf den Rom-Besuch der deutschen Bischöfe zurück. Vor allem beim Synodalen Weg und dem Verständnis von Synodalität sieht er Gesprächsbedarf.

Bischof Franz-Josef Overbeck / © Andreas Oertzen (KNA)
Bischof Franz-Josef Overbeck / © Andreas Oertzen ( KNA )

DOMRADIO.DE: Wie war es beim sogenannten Ad-limina-Besuch für Sie? Sind Sie persönlich positiv gestimmt zurückgekehrt?

Deutsche Bischöfe beim Ad-limina-Besuch im Petersdom / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Deutsche Bischöfe beim Ad-limina-Besuch im Petersdom / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Bischof Franz-Josef Overbeck (Bistum Essen): Ich bin auf der einen Seite sehr positiv gestimmt zurückgekehrt, weil wir viele sehr kreative und auch lebendige Kontakte hatten mit den Vertretern der römischen Kurie, also der Vertretung des Papstes in den konkreten Anliegen für unsere Diözesen. Das betrifft Fragen des Menschenbildes, der Kultur. Auch mit Blick auf Bildung und Universität ist das der Fall gewesen.

Auf der anderen Seite bin ich natürlich auch sehr nachdenklich nach Hause gefahren. Angesichts vieler substanzieller Fragen und Anfragen an unseren Synodalen Weg der Kirche in Deutschland und vor allem im Blick auf die Behandlung der Themen, die wir dort behandeln, angesichts des Missbrauchsskandals und seiner so abgründigen Folgen. Hierüber werden wir jetzt auch weiter intensiv diskutieren.

Synodaler Weg

Der Begriff "Synodaler Weg" verweist auf das griechische Wort Synode. Es bedeutet wörtlich "Weggemeinschaft"; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien.

In ihrem Reformdialog auf dem Synodalen Weg wollen die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten.

Ausgangspunkt ist eine jahrelangen Kirchenkrise, die der Missbrauchs-Skandal verschärft hat.

Logo Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht (KNA)
Logo Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht ( KNA )

DOMRADIO.DE: Der Synodalen Weg, der Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland, war ein kontroverses Thema. Waren die Rückmeldungen darauf jetzt konkreter als die zurückhaltenden, distanzierten Resonanzen bisher von der Amtskirche?

Overbeck: Es war sehr konkret. Wir hatten ein sehr langes und schönes Gespräch mit Papst Franziskus, der auch am Schluss noch einmal deutlich darauf hingewiesen hat, er habe uns einen langen Brief geschrieben, in der Tat ja schon im Juni 2019. Darin hat er nicht nur Themen bestimmt, sondern vor allen Dingen unsere Haltung angesprochen. Genau das hat er jetzt auch noch mal deutlich gesagt.

Bischof Overbeck, Essen

"Für den Papst ist es vor allem ein geistlicher Prozess, der weniger mit Inhalten zu tun hat als erst einmal mit einer Haltung des Hörens"

Für ihn ist es vor allem ein geistlicher Prozess, der weniger mit Inhalten zu tun hat als erst einmal mit einer Haltung des Hörens. Das hat er uns sehr deutlich gesagt und auch darauf hingewiesen, dass wir diesen Text, der von ihm selbst geschrieben ist, ernster nehmen, als er es bislang von uns wahrnimmt.

Zum anderen hatten wir ein langes sogenanntes interdikasterielles Gespräch, also mit den Vertretern und vor allen Dingen auch dem Vorsitzenden der jeweiligen einzelnen Einheiten im Vatikan, die sich mit verschiedenen Themen beschäftigen.

Hier ging es vor allem um Glaubensfragen, um die Frage, wie wir die Tradition verstehen. Es ging um die Frage, wie wir mit der Vollmacht umgehen, die uns Bischöfen nach katholischem Verständnis gegeben ist, im Verhältnis zum Volk Gottes, also zu den Laien vor allen Dingen. Es ging auch um Fragen der Sexualmoral und der Bedeutsamkeit dessen, was wir heute die Frage des Genderns nennen. Es ging auch darum, wie wir mit der Zukunft des priesterlichen Dienstes umgehen. Denn wir sehen, dass es sich bei uns nicht nur verändert, sondern ganz wenige sind, die sich dafür überhaupt noch zur Verfügung stellen wollen. Aber auch die Vorstellung, wie es zu leben ist, ist doch sehr unterschiedlich.

DOMRADIO.DE: Das "theologischste" Gespräch soll sich um die Debatte der möglichen Abendmahl- und Eucharistie-Gemeinschaft zwischen Katholiken und Protestanten gedreht haben. Gibt es da neue Aussichten und Erkenntnisse für die Ökumene?

Overbeck: Wir haben uns auch sehr intensiv mit dem Ökumene-Thema beschäftigt, allerdings wohl angeregt durch Kardinal Koch, der für diese Fragen zuständig ist. Hier ging es vor allen Dingen um die Frage, wie es darum bestellt ist, dass wir in Ausnahmefällen als Katholiken sagen können, dass jemand, der den Glaubensinhalt unserer Kirche teilt, zu der Eucharistie hinzutreten kann, auch wenn er nicht zu unserer Kirche gehört.

Hier stellt sich die Frage, wie wir uns Ökumene vorstellen und welche Zielperspektiven wir von unserer Einheit als Christen und Christinnen in dieser Welt haben, die noch sehr unterschiedlich sind.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben Sie ganz viele Themen angesprochen, die alle wichtig sind und besprochen worden sind. Was wird jetzt aus den Ergebnissen des Besuchs?

Ad-limina-Besuch

Alle fünf bis sieben Jahre sind die katholischen Bischöfe aus aller Welt laut Kirchenrecht zu einem sogenannten Ad-limina-Besuch im Vatikan verpflichtet. Zweck ist, dass die Bischöfe eines Landes den Papst über die Situation in ihren Diözesen informieren. Neben den Gesprächen mit dem Papst sind Treffen in den Vatikanbehörden vorgesehen.

Ein Pileolus liegt auf dem Liedheft während des Ad-limina-Besuchs der deutschen Bischofe / © Massimiliano Migliorato/CPP (KNA)
Ein Pileolus liegt auf dem Liedheft während des Ad-limina-Besuchs der deutschen Bischofe / © Massimiliano Migliorato/CPP ( KNA )

Overbeck: Wir selber werden als Bischöfe jetzt beim sogenannten Ständigen Rat, eine Zusammenkunft aller Diözesanbischöfe, die regelmäßig stattfindet, noch einmal das ganze Treffen reflektieren. Wir werden dann auch die klaren Anfragen, die an uns formuliert worden sind, noch mal zum Thema machen, überlegen, wie wir damit umgehen, welche Perspektiven sich daraus ergeben und was das für den Synodalen Weg auf Dauer heißt.

Es ist auf jeden Fall klar, dass wir ihn jetzt erst einmal mit der fünften Versammlung, die im März des kommenden Jahres stattfindet, in dieser ersten Phase beenden werden. Dann folgt eine nächste, für die wir vor allen Dingen die nächsten Schritte auf den Weg bringen müssen. Wir müssen uns aber auch schon jetzt fragen, auch im Blick auf die Anfrage des Papstes, seinen Brief und an seine Weise, Synodalität zu verstehen, wie wir vorangehen.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben Sie es gerade schon angesprochen und sind ja auch unterwegs auf dem Weg zur Sitzung des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz. Es geht dort wieder um das neue kirchliche Arbeitsrecht. Was erwarten Sie sich davon?

Overbeck: Das ist natürlich ein anderes Thema, das jetzt mit dem konkreten Ad-limina-Besuch weniger nichts zu tun hat, aber natürlich im Hintergrund steht, weil es hier um Fragen geht, ob wir vor allen Dingen von der Frage der Loyalität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgehend und der Art und Weise, welche Arbeit sie zu tun haben, unser Arbeitsrecht formulieren oder ob das noch wesentlich mehr mit den sogenannten Lebensumständen zu tun hat, wie das bisher der Fall gewesen ist. Hierüber werden wir jetzt weiter diskutieren und hoffentlich auch befinden können.

Das Interview führte Michelle Olion.

Ständiger Rat der Bischofskonferenz

Der Ständige Rat ist nach der Vollversammlung das wichtigste Organ der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Dem Gremium gehören die 27 Ortsbischöfe an, im Unterschied zur Vollversammlung aber nicht die Weihbischöfe. Allerdings kann sich ein Bischof durch einen Weihbischof aus seinem Bistum vertreten lassen. Regulärer Tagungsort ist das Kloster Himmelspforten in Würzburg.

Logo der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Elisabeth Schomaker (KNA)
Logo der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Elisabeth Schomaker ( KNA )
Quelle:
DR