Bischof Oster spricht über Reformstreit und die Zukunft der Kirche

"Ich war in echter Gewissensnot“

Bischof Stefan Oster ist Gast im Podcast "Frings fragt" und erklärt seine Haltung zum Synodalen Weg. Zugleich wirbt er für eine "Hermeneutik des Wohlwollens" und wünscht sich Gläubige, die begeistert von ihrem Glauben erzählen.

Stefan Oster, Bischof von Passau, am 18. März 2021 im Bischöflichen Ordinariat in Passau. / © Maria Irl (KNA)
Stefan Oster, Bischof von Passau, am 18. März 2021 im Bischöflichen Ordinariat in Passau. / © Maria Irl ( KNA )

Im gemeinsamen Podcast von DOMRADIO.DE und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) spricht ZdK-Generalsekretär Marc Frings mit dem Passauer Bischof Stefan Oster SDB über zentrale Herausforderungen der katholischen Kirche – von persönlicher Glaubenspraxis über den Synodalen Weg bis hin zur Aufarbeitung von Missbrauch und der Frage, wie Glaube heute vermittelt werden kann.

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Niederlage im Judo lehrt Demut

Zu Beginn geht es in dem Gespräch um Osters Rolle als "Sportbischof“ der Bischofskonferenz und um das Verhältnis von Körper, Leistung und Spiritualität. Der Passauer Bischof betont die Einheit von Leib und Seele als zutiefst katholisches Motiv und verweist auf prägende persönliche Erfahrungen: Niederlagen im Sport als Judokämpfer hätten ihn Demut gelehrt – eine Haltung, die auch im Glauben zentral sei.

Marc Frings / © Julia Steinbrecht (KNA)
Marc Frings / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Im weiteren Verlauf rückt die Frage nach Transparenz und Kommunikation in der Kirche in den Fokus. Bischof Oster plädiert für Offenheit, etwa im Umgang mit Finanzen und Missbrauchsfällen, sieht aber zugleich den Wert geschützter Räume für sensible Entscheidungsprozesse. Diese Spannung prägt auch seine Sicht auf den Synodalen Weg.

Druck auf dem Synodalen Weg

Hier sieht Bischof Oster im Nachhinein ein Problem beim Synodalen Weg. Die stark öffentliche Form der Debatten habe zu Zuspitzung und Druck geführt. Rückblickend schildert er seine Rolle als Teil einer Minderheit innerhalb der Bischöfe als belastend: "Ich habe sehr darunter gelitten, dass ich aus persönlicher Gewissensüberzeugung nach außen einen Beitrag leiste, dass die Bischofskonferenz als nicht geeint erscheint, sondern eher als gespalten." Seine Distanz zum Reformprozess begründet er vor allem mit inhaltlichen Differenzen. "Ich glaube, es gibt prinzipielle Grenzen, die wir da nicht überschreiten können, die aber der Synodale Weg überschreiten wollte." Es gehe um Fragen der Anthropologie und des sakramentalen Selbstverständnisses, die "geeignet sind, die Kirche zu zerreißen".

Fünfte Synodalversammlung in Frankfurt / © Maximilian von Lachner (SW)
Fünfte Synodalversammlung in Frankfurt / © Maximilian von Lachner ( SW )

Dabei betont Oster, dass er die Positionen anderer nicht diskreditiert: "Ich möchte den anderen unterstellen, dass sie auch das Gute für die Kirche wollen.“ 

Fortschritte beim Thema Prävention

Beim Thema Missbrauch erkennt Oster deutliche Fortschritte an. Die Kirche in Deutschland sei international vergleichsweise weit, habe Strukturen geschaffen und Expertise entwickelt. Dennoch warnt er vor Selbstzufriedenheit und betont die bleibende Verantwortung gegenüber Betroffenen.

Papst Leo XIV. empfängt Bischof Stefan Oster / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. empfängt Bischof Stefan Oster / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Die Glaubensvermittlung in einer stark säkularen Gesellschaft ist Passaus Bischof ein großes Anliegen. Dabei diagnostiziert er eine "Banalisierung der Gnade“ und sieht eine kirchliche Praxis, die Sakramente spende, ohne aber echte Evangelisierung zu leisten. Sein Ansatz setzt auf persönliche Erfahrung und inhaltliche Tiefe, auch bei seinem Wirken in den Sozialen Netzwerken: "Ich will Inhalte, Inhalte, Inhalte." Menschen müssten befähigt werden, ihren Glauben sprachfähig zu vertreten. Sein Ideal beschreibt er konkret: Gläubige sollten sagen können, "ich bin jemandem begegnet, das gibt mir Sinn und Freiheit und Tiefe."

Appell für "respektvolles Streiten"

Abschließend richtet sich der Blick auf gesellschaftliche Fragen. Oster unterstreicht die Verantwortung der Kirche für Menschenwürde, Dialogkultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade angesichts wachsender Polarisierung plädiert er für ein respektvolles Streiten "in der Hermeneutik des Wohlwollens".

Das Gespräch zeichnet das Bild eines Bischofs, der sich mit Reformforderungen auch kritisch auseinandersetzt, dabei auf Dialog setzt – und die Zukunft der Kirche vor allem in einer erneuerten, glaubwürdigen Verkündigung sieht.

Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist das höchste repräsentative Gremium des deutschen Laien-Katholizismus. Es vertritt die katholischen Laien bei der gesellschaftlichen Meinungsbildung und ist das von der Bischofskonferenz anerkannte Organ zur Koordinierung des Laienengagements in der Kirche. Allerdings melden sich immer wieder auch einige katholische Laien und Vereinigungen zu Wort, die das ZdK nicht als ihre Vertretung verstehen.

Das Kreuz des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)  / © Harald Oppitz (KNA)
Das Kreuz des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR

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