In Stuttgart beginnt am Donnerstag die Messe "Fair Handeln". Bis Sonntag will Deutschlands führende Fach- und Verbrauchermesse für Fair Trade und ökologisches Wirtschaften Privatpersonen und Fachhandel erreichen. Präsentiert werden in Stuttgart fair gehandelte und nachhaltige Produkte wie Lebensmittel, Textilien, Kosmetik oder Deko.
Informieren kann man sich aber auch über "Geldanlagen, die ausschließlich in erneuerbare Energien oder Bio-Landwirtschaft fließen", oder über nachhaltige Handys, wie die Veranstalter mitteilten. Die katholische Kirche weist in diesem Jahr insbesondere auf die Problematik des Elektroschrotts hin.
Kampf gegen Elektroschrott
Nach Angaben des Bistums Rottenburg-Stuttgart gibt es einen gemeinsamen Messestand der Regionalstelle Südwest des katholischen Hilfswerks missio und der Hauptabteilung Weltkirche des Bistums. Mit den Ausstellungen "Moderne Sklaverei" und "Elektroschrott" mache missio die oft unsichtbaren sozialen und ökologischen Folgen westlichen Konsums sichtbar.
Am kirchlichen Messestand sei auch ein von missio präsentiertes Recycling-Kreuz aus Ghanas Hauptstadt Accra zu sehen, das von Papst Leo XIV. gesegnet wurde. Darauf sind Teile weggeworfener Smartphones integriert, die auf der riesigen Müllhalde Agbogbloshie in Accra unsachgemäß entsorgt wurden.
Das Kreuz aus Elektroabfall soll auf das globale Problem von Elektroschrott hinweisen. Der ghanaische Künstler Iddriss Salifu schuf den goldfarbenen Korpus in seiner Werkstatt. Die Seite mit den Handydisplays gestaltete der deutsche Künstler Till-Martin Köster. Zum Abschluss der Messe "Fair Handeln" findet am Sonntag um 16.15 Uhr eine ökumenische Abschlussandacht um das Recycling-Kreuz statt (Halle 7).
Ungenutzte Handys zurückgeben
Der Rottenburger Bischof Klaus Krämer, der früher missio-Präsident war, sagte am Mittwoch: "Mir ist bewusst, dass noch sehr viele Handys nutzlos in unseren Haushalten herumliegen und die zusammengenommen einen unglaublichen Wert an Edelmetall bedeuten. Die geschätzten 6.000 Kilogramm Gold sprechen ja für sich."
Krämer wirbt für ein Handypfand-System. Dies wäre ein zusätzlicher Anreiz, "ungenutzte Handys konsequent in den Kreislauf zurückzugeben und so durch Recycling auch für einen bewussteren und nachhaltigeren Umgang mit den Ressourcen dieser Welt einzutreten". Ein Pfand auf Handys wäre zudem "ein logischer Schritt zur Weiterentwicklung der Handyspendenaktion", so der katholische Bischof.
Bereits seit zehn Jahren macht das Hilfswerk missio Aachen mit seiner 2016 gestarteten Handyspendenaktion auf Missstände rund um Elektroschrott aufmerksam. Über 500.000 Handys seien in den vergangenen zehn Jahren von missio gesammelt worden, hieß es nun.
Tonnen Elektroschrott nach Ghana
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart nennt drastische Zahlen zum Thema Elektroschrott und Ghana: "Schätzungsweise 17.000 Tonnen Elektroschrott werden jedes Jahr nach Agbogbloshie verschifft - illegal." Ein großer Teil komme aus Europa, vieles davon aus Deutschland, kritisiert die Diözese. Bereits 2025 forderte missio eine Recycling-Wende in Deutschland und ein Ende illegaler Müllexporte nach Afrika.
Bei der diesjährigen Messe "Fair Handeln" werden laut Veranstaltern "ohne erhobenen Zeigefinger" drei neue Ausstellungsbereiche präsentiert. Im Sektor "Gamechanger" gehe es um hochwertige Produkte mit nachhaltigem Mehrwert, etwa "Smartphones von deutschen Herstellern, die sogar elektroschrottpositiv sind".
Netzwerke einer "Fair-Änderung"
Im Bereich "Fairer Handel" stehen transparente Lieferketten im Mittelpunkt. Und auf dem "Markt der FAIRänderung" träfen Besucher auf lokal aktive und "global wirksame" kirchliche Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, Aktionsbündnisse und Netzwerke.