Die Reste alter Smartphones liegen im Staub von Agbogbloshie, in Accra. Was in Deutschland genutzt wird, endet hier. In dem Stadtteil der ghanaischen Hauptstadt wird Elektroschrott zerlegt. Missio Aachen verbindet den Ort mit einer Forderung. Mit einem Handypfand soll die Recyclingquote erhöht werden.
Jedes Jahr landen Hunderttausende Smartphones als Elektroschrott in Agbogbloshie, einer riesigen Müllhalde für Elektroschrott. Von Kühlschränken über Klimaanlagen bis hin zu einfachen Kabeln oder eben Smartphones ist dort alles zu finden, was mal mit Strom betrieben wurde.
Für die über einhunderttausend Menschen, die in dem Stadtteil leben, ist der E-Schrott kein Müll. Für sie liegen dort Rohstoffe auf den Straßen, die gewonnen und weiterverarbeitet werden können. Dabei hilft Feuer, das durch das Verbrennen von Kunststoffen entfacht wird. In diese Feuer werden etwa Kabel geworfen, um an das Kupfer zu kommen. Dabei werden giftige Dämpfe frei und weitere Giftstoffe gelangen in den Boden. "Das ist ein ganz unwirklicher Ort für mich", sagt Pfarrer Dirk Bingener, der Präsident von Missio Aachen, am Samstag im Interview mit DOMRADIO.DE am Rande der Elektroschrotthalde.
Einer der am stärksten verschmutzten Orte der Welt
Die Einwohner Agbogbloshies leben auf und zwischen diesem Müll. Sie gehören zu den Armen im Land. Deswegen arbeiten sie ohne Schutz und mit bloßen Händen mit dem Müll. Viele leben hier aus einem Mangel an Alternativen. Die gefährliche Arbeit mit der Verwertung des Mülls sichert ihnen wenigstens ein bisschen Einkommen.
In Agbogbloshie ist eine dynamische Wirtschaft mit Spezialisierungen und Lieferketten entstanden. Der Elektroschrott ist Einkommensquelle und Gefahr für Gesundheit und Umwelt gleichzeitig. Der Ort gilt als einer der am stärksten verschmutzten Orte der Welt.
Bingener und Missio Aachen besuchen in den Tagen vor Palmsonntag die Erzdiözese in Accra. Der Erzbischof hat eingeladen, denn das Hilfswerk engagiert sich seit Jahren gemeinsam mit dem Erzbistum gegen Kinderarbeit und für Bildung. Unter anderem ist durch die Unterstützung von "Ein Herz für Kinder" eine Schule und Kindertagesstätte entstanden.
Bei diesem Projekt arbeitet auch die ghanaische Steyler Missionsschwester Mercy Benson. Für sie ist der Zusammenhang klar: "Je mehr in Deutschland recycelt wird, desto weniger illegale Elektroschrott-Exporte gibt es, die meine Heimat Ghana verschmutzen."
Appell an Bundesumweltminister
"Wir müssen unseren Müll, besonders unseren Elektromüll, in Deutschland halten, damit er gar nicht hierher gelangt", betont Pfarrer Bingener. Die Lösung, auf die missio Aachen und seine Projektpartner gekommen sind, ist ein Pfandsystem für Mobiltelefone. "Wir appellieren an Bundesumweltminister Carsten Schneider, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit Deutschland endlich die EU-Recycling-Quote erfüllt. Die Einführung eines Handypfands wäre dazu ein entscheidender Beitrag", erklärte missio-Aachen-Präsident Bingener. In Deutschland lagern nach Angaben von Missio rund 200 Millionen alte Handys. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hervor.
Wer sein Mobiltelefon ins Recycling abgibt, soll Geld zurückerhalten. Die Auswirkungen reichen über Umweltfragen hinaus. Das Hilfswerk missio verweist auf Zusammenhänge zwischen Rohstoffgewinnung, Nutzung und Entsorgung. Die Materialien für Smartphones stammen auch aus Ländern wie Ghana oder der Demokratischen Republik Kongo. Dort erfolgt der Abbau teils unter Bedingungen, die Menschen und Umwelt belasten. Am Ende des Lebenszyklus landen Geräte wiederum in Regionen wie Agbogbloshie.
Ein Zeichen für diese Verbindung hat missio mit dem sogenannten Recyclingkreuz gesetzt. Ein Teil wurde aus Messing von der Elektroschrotthalde Agbogbloshie gefertigt. Papst Leo XIV. segnete das Kreuz Ende August.
Bingener beschreibt das Kreuz als Symbol für das, "was den Menschen hier geschieht, auch das Leid an der Umwelt". Zugleich stehe es für die Hoffnung, dass Veränderungen möglich sind. Für ihn bleibt der Zusammenhang entscheidend: "Wir sehen hier, dass das, was wir in Deutschland haben, mit dem zusammenhängt, was hier in Ghana passiert."