Die Weihe von verheirateten Männern zum Priester ist nach Ansicht eines belgischen Bischofs eine Maßnahme gegen den Priestermangel. "Wenn ich sage, dass wir heute verheiratete Priester brauchen, dann ist das keine theoretische oder theologische Frage mehr, sondern eine praktische", sagte Johan Bonny, Bischof der Diözese Antwerpen, dem Internetportal katholisch.de.
Vergangene Woche hatte Bonny angekündigt, "alles daran zu setzen", um bis 2028 entsprechende Weihen in seinem Bistum vorzunehmen. Das sorgte weltweit für Schlagzeilen.
Die wenigen Priester würden nur noch in Meetings sitzen, müssten sich um Verwaltung kümmern und würden nur noch am Sonntag die Messe feiern. "Für Seelsorge, die Begleitung der Menschen und das Leben mit der Gemeinde ist keine Zeit", so Bonny. Dabei wollten Gläubige einen Priester – "egal, ob er zölibatär lebt oder verheiratet ist".
Bonny verwies auf Diözesen wie Antwerpen, die in den 1960er Jahren fast 1.500 aktive sowie einige hundert pensionierte Priester hatten. "Jetzt habe ich weniger als 100 – und die Hälfte von ihnen kommt aus dem Ausland. Die Kirchen und Pfarreien bestehen aber noch."
Langes Warten auf neue Priester
Auch an dem Zeitrahmen bis zum Jahr 2028 will Bonny festhalten. Die Dringlichkeit sei da. "Wir warten schon seit 30 oder 40 Jahren auf mehr Priester." Es gehe nicht mehr darum, nachzudenken oder zu studieren, sondern zu handeln. Mit Blick in Richtung Vatikan sagte der Bischof von Antwerpen, der dort elf Jahre tätig war: "In Rom wissen sie, wie es uns hier geht, und ich kenne Bischöfe und Kardinäle, die so eine Lösung zumindest für Westeuropa befürworten." Auch vertraue er auf das Verständnis der Kirche und den guten Willen, "dass man am Ende sagt: 'Warum nicht?'".
Zudem habe man bereits 2023 mit dem im vergangenen Jahr gestorbenen Papst Franziskus ganz offen über dieses Thema gesprochen. Wie sich Bonny bei Verbot aus dem Vatikan verhält, will er derzeit aber nicht beantworten. "Das werden wir 2028 sehen." Der Papst sei letztlich derjenige, der Ja oder Nein sagt. "Wir sollten eins sein im Wesentlichen, beim Rest kann aber Verschiedenheit bestehen."
Allerdings: Es gibt bereits verheiratete Priester in katholischen Kirchen des Ostens. "So groß wäre der Schritt also nicht. Wenn wir ein Kirchenrecht mit zwei Möglichkeiten hätten, wäre die Sache schon gelöst."