Bischof Bätzing warnt an Aschermittwoch vor Werteverlust und KI

"Amoralische Technologie"

Autokraten, Hass im Netz und Künstliche Intelligenz. Zum Beginn der christlichen Fastenzeit hat Bischof Georg Bätzing vor schwindenden moralischen Maßstäben gewarnt. Er beklagte auch den gesellschaftlichen Umgangston.

Bischof Georg Bätzing im Gottesdienst (Archivbild) / © Maximilian von Lachner (SW)
Bischof Georg Bätzing im Gottesdienst (Archivbild) / © Maximilian von Lachner ( SW )

Angesichts der weltpolitischen Lage hat der katholische Limburger Bischof Georg Bätzing vor einem zunehmenden Verlust moralischer Maßstäbe gewarnt. 

"Autokraten und Diktatoren dieser Welt stört es augenscheinlich immer weniger, was die Weltgemeinschaft an Grenzen, Absprachen und moralischen Leitplanken miteinander vereinbart hat", sagte er laut einer Mitteilung des Bistums Limburg am Aschermittwoch in seiner Predigt im Limburger Dom. Freiheit und Demokratie passten für sie nicht zusammen.

Limburger Dom (shutterstock)

Zugleich beklagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz eine Verrohung des gesellschaftlichen Umgangstones, insbesondere im Internet, wo Hass, Diffamierung und Brutalität offen zur Schau gestellt würden. "Wie viel Bosheit, Gemeinheit, Ignoranz und Brutalität herrschen im Netz, greifen andere an, um sie gezielt zu diffamieren oder gar öffentlich zu vernichten."

Kritik an Künstlicher Intelligenz

Kritisch äußerte sich Bätzing auch zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Diese sei von sich aus eine "amoralische Technologie", die erst durch aufwendige Regulierung und Kontrolle an menschliche Werte herangeführt werden müsse. Die Schutzmechanismen seien jedoch dünn, warnte er. Es gebe Bestrebungen, Sicherheitsfilter weiter abzubauen und damit Maßstäbe, Werte und Wahrhaftigkeit dem eigenen Nutzen unterzuordnen.

Der Bischof rief dazu auf, im eigenen Inneren ein geistliches "Sicherungssystem" aufzubauen. Orientierung an Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und am Wort Gottes könne helfen, dem Bösen in der Welt zu begegnen. Christen seien eingeladen, Christus "als Gewand anzuziehen" und durch Güte, Demut, Geduld und Liebe auf ihre Umgebung auszustrahlen.

Fastenzeit als Zeit der Erneuerung

Die am Aschermittwoch beginnende Fastenzeit sei dabei keine Phase der Niedergeschlagenheit, sondern eine Zeit der inneren Klärung und Erneuerung, betonte Bätzing. "Die Fastenzeit ist keine Zeit der Tristesse." Sie diene der bewussten Ausrichtung auf Gott und auf ein Leben in Fülle. Ziel sei es, Ostern nicht nur äußerlich zu feiern, sondern innerlich verwandelt zu sein.

Die christliche Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und dauert 40 Tage bis Ostern. Sie gilt als Vorbereitungszeit auf das Osterfest und ist geprägt von Besinnung, Gebet und freiwilligem Verzicht, etwa auf bestimmte Genussmittel.

Was ist Künstliche Intelligenz?

Der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) wurde vor mehr als 60 Jahren geprägt durch den US-Informatiker John McCarthy. Er stellte einen Antrag für ein Forschungsprojekt zu Maschinen, die Schach spielten, mathematische Probleme lösten und selbstständig lernten. Im Sommer 1956 stellte er seine Erkenntnisse anderen Wissenschaftlern vor. Der britische Mathematiker Alan Turing hatte sechs Jahre zuvor bereits den "Turing Test" entwickelt, der bestimmen kann, ob das Gegenüber ein Mensch ist oder eine Maschine, die sich als Mensch ausgibt.

Symbolbild Künstliche Intelligenz / © maxuser (shutterstock)
Symbolbild Künstliche Intelligenz / © maxuser ( shutterstock )
Quelle:
KNA