Kardinal Woelki ruft zu Reduktion und ehrlicher Selbstprüfung auf

"Die größte Sünde ist sinnlose Selbstzerstörung"

Am Aschermittwoch der Künstler hat Rainer Maria Kardinal Woelki zu Reduktion und ehrlicher Selbstprüfung aufgerufen. Mit Dostojewski warnt er vor "sinnloser Selbstzerstörung" und falschen Prioritäten im Streben nach Anerkennung.

Pontifikalamt zum Aschermittwoch der Künstler 2026 (DR)
Pontifikalamt zum Aschermittwoch der Künstler 2026 / ( DR )

Zum Aschermittwoch der Künstler in der Kölner Kirche St. Gereon hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki die 40-tägige Fastenzeit als Zeit der "Besinnung, der Umkehr, der Buße, der Reduktion" beschrieben. Die sichtbare Reduzierung von Schmuck, Musik und liturgischen Elementen – violette Gewänder, verhüllte Bilder, kein Halleluja – solle bewusst Ablenkungen mindern und zur Reflexion über das eigene Leben führen.

Diese äußere Reduktion entspreche dem inneren Fasten: dem Verzicht auf Gewohnheiten, die schnell zum vermeintlichen Lebensinhalt würden – sei es Genuss, Selbstinszenierung in sozialen Medien oder die Suche nach Bestätigung. Solche Dinge könnten sich "schnell und trügerisch anfühlen wie Erfüllung des Lebens". Zugleich warnte Woelki vor einem "Verzicht um des Verzichts willen" oder einem "lauten Fasten", das nur Anerkennung suche. Das verfehle den eigentlichen Sinn.

Im Zentrum seiner Predigt stand ein Zitat aus Fjodor Dostojewskis Roman Schuld und Sühne: "Deine größte Sünde ist, dass du dich selbst umsonst vernichtet und verraten hast." Nicht primär Schuld gegenüber anderen sei hier gemeint, sondern das "sinnlose Verfehlen des eigenen Lebens" und der Verrat am eigenen, von Gott geschenkten Potenzial. Genau hier setze die Fastenzeit an: Sie lade dazu ein, zu prüfen, was im eigenen Leben zerstöre und von der Würde entfremde, "als einem geliebten Kind Gottes".

Maßstab eines gelingenden Lebens seien weder Leistung noch Followerzahlen, sondern das Menschsein selbst. Die Fastenzeit sei daher eine Einladung, sich ehrlich zu fragen, wo man der eigenen Würde – und der der anderen – nicht gerecht werde: im Umgang mit sich selbst, mit Mitmenschen, der Schöpfung und mit Gott.

Aschermittwoch der Künstler hat Tradition

Zum Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler hat das Erzbistum Köln in diesem Jahr gemeinsam mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, den Künstlerinnen Lu Possehl und Irena Paskali sowie der Künstlerseelsorge eingeladen. Die Veranstaltung am 18. Februar verbindet spirituelle Feier, künstlerische Reflexion und Begegnung und markiert den Beginn der Fastenzeit.

In mehr als hundert Städten der Welt findet jedes Jahr zu Beginn der Fastenzeit der Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler statt. Ziel dieser Besinnungstage ist eine religiöse Standortbestimmung der Künstler, die Begegnung mit dem jeweiligen Bischof und der Künstler untereinander, das fürbittende Gedenken für die im vergangenen Jahr verstorbenen Künstler und (in Köln seit 1953) das Setzen kultureller Schwerpunkte.

Der erste "Aschermittwoch der Künstler" wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf Anregung von Paul Claudel in Paris ins Leben gerufen. Der mit Claudel befreundete zeitgenössische Kölner Stadtdechant Dr. Robert Grosche griff diesen Gedanken auf und regte eine ähnliche Initiative für Köln an. Im Jahr 1950 wurde der erste "Aschermittwoch der Künstler" in Köln begangen.

Aschermittwoch

Am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern. Seit Ende des 11. Jahrhunderts gibt es die Tradition, sich an diesem Tag in Gottesdiensten ein Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen zu lassen. Die aus gesegneten Palmzweigen vom Vorjahr gewonnene Asche gilt als Symbol der Trauer und Buße.

Aschermittwoch (Symbolbild) / © vetre (shutterstock)
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