Expertin: Verschwörungsglaube mündet schnell in Antisemitismus

Bis zu 30 Prozent glauben an Verschwörungen

Die Mainzer Sozialpsychologin Pia Lamberty mahnt, Gefahren von Verschwörungserzählungen ernst zu nehmen. Diffuse Weltbilder könnten sich schnell zu offenem Antisemitismus entwickeln.

Der "Aluhut" als Symbol für Krise und Verschwörungsglaube / © Boris Roessler (dpa)
Der "Aluhut" als Symbol für Krise und Verschwörungsglaube / © Boris Roessler ( dpa )

Das betonte Lamberty im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur. Gefährlich sei zudem, dass Anhänger von Verschwörungserzählungen über ihre Kanäle und Veranstaltungen oft menschenfeindliche Inhalte verbreiteten, Hass schürten und Wissenschaftler oder Politiker als Feinde darstellten.

Gründe für Verschwörungsglauben

Kontrollverlust sei ein Faktor, warum Menschen zu Verschwörungserzählungen tendierten, so Lamberty. Der Glaube an Verschwörung stelle für einige Menschen eine Form des Umgangs mit Kontrollverlust dar. Das zeige sich derzeit auch bei der Corona-Krise. "Umfragen der vergangenen Monate legen nahe, dass zwischen 25 und 30 Prozent der Deutschen an eine Verschwörung hinter Corona glauben", so Lamberty.

Neu sei, dass viele Menschen diese Überzeugung auch laut äußerten. "Die Gesellschaft begegnet dem gerade mit einem großen Fragezeichen und weiß nicht, was sie tun soll."

Aufwertung des eigenen Selbstbildes

Lamberty zufolge glaubten einige Menschen zudem an Verschwörung, um das eigene Selbstbild aufzuwerten. "Gegen eine Pandemie zu kämpfen, ist wenig heroisch", so die Psychologin mit Blick auf Masken und Abstand. "Wenn man aber überzeugt ist, gegen eine angebliche Verschwörung zu kämpfen, kann man sich selbst aufwerten. Man sieht sich als Widerstandskämpfer oder als Person, die über eine Art Geheimwissen verfügt."

Lamberty erhält an diesem Freitag den Bad Herrenalber Akademiepreis.


Quelle:
KNA
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