Bestatterin erfreut große Nachfrage in Tierbestattungskirche

"Sehnsucht nach bleibender Verbundenheit"

Die Nachfrage in der ersten Tierbestattungskirche ist offenbar groß. Die Initiatorin und Bestatterin Ellen Weinmann zeigte sich in einem Interview erstaunt über das starke Interesse rund sechs Wochen nach der Eröffnung.

Herz aus Stein mit einer kleinen Katze und der Aufschrift "Wir vermissen Dich" auf einem Grab / © Harald Oppitz (KNA)
Herz aus Stein mit einer kleinen Katze und der Aufschrift "Wir vermissen Dich" auf einem Grab / © Harald Oppitz ( KNA )

Sie äußerte sich an diesem Freitag im Deutschlandfunk. Weinmanns Angebot religiöser Haustier-Trauerfeiern in einer Kirche im baden-württembergischen Albstadt, die zuvor entwidmet worden war, hatte eine bundesweite Debatte ausgelöst.

Ellen Weinmann und Florian Düsterwald der Tierbestattungskirche / © Ramona Balm (KNA)
Ellen Weinmann und Florian Düsterwald der Tierbestattungskirche / © Ramona Balm ( KNA )

Nach Worten des Kölner Theologen Peter Otten wünschen sich viele Menschen würdige Möglichkeiten des Abschieds von Tieren. Als Berufsanfänger würde er ein solches Angebot auch in Köln machen, sagte Otten, der in der Domstadt als Pastoralreferent tätig ist. Dies lasse sich theologisch durchaus begründen: So sei in der Bibel von der ganzen Schöpfung die Rede oder von allen Geschöpfen, womit eben auch Tiere gemeint seien.

Anfang Dezember hatte sich der Freiburger Erzbischof Stephan Burger gegen kirchliche Trauerfeiern nach dem Tod von Haustieren ausgesprochen. Es sei aber wichtig, Trauernden zur Seite zu stehen, fügte er hinzu.

Ein "großes Experimentierfeld"

Derzeit sei dieser Bereich ein "großes Experimentierfeld", sagte Otten. Manche Menschen ließen ein verstorbenes Haustier aufbahren, andere ließen es einäschern und beerdigten es danach im heimischen
Garten. Dies zeige eine Sehnsucht nach bleibender Verbundenheit. Auch beschäftigten die Tierhalter ernsthafte Fragen nach Treue, nach einer lebenslangen Beziehung, die nicht ins Nichts fallen solle oder danach, ob man einem Tier mit einer Einschläferung womöglich Unrecht tue.

Seelsorge-Hund Greta mit Besitzer Peter Otten / © Johannes Schröer (DR)
Seelsorge-Hund Greta mit Besitzer Peter Otten / © Johannes Schröer ( DR )

Otten verwies zudem auf die theologische Debatte um Ernährung. Industrielle Schlachtung und Tierleid wären kaum noch denkbar, wenn die kirchliche Position hier noch stärker würde. Auch erlebten viele Menschen im Alltag immer weniger Nähe, "dann tut ein Hund als Verkörperung von Lebendigkeit gut".

"Unglaubliche Leere, dieses Gefühl des Verlorenseins"

Zuletzt hatte sich der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler dafür ausgesprochen, profanierte Kirchen für kirchliche Trauerfeiern nach dem Tod von Haustieren zu nutzen. "Es gibt unangemessenere Nachfolgeideen für Kirchen, die wir nicht mehr nutzen können", sagte er im Podcast des Sankt Michaelsbundes. Und weiter: "Wer einmal diesen Gang zum Einschläfern seines Haustieres gemacht hat, kennt diese unglaubliche Leere, dieses Gefühl des Verlorenseins". Dabei gehe es nicht darum, aus Tieren plötzlich Menschen zu machen. 

Erzbischof Burger gegen kirchliche Haustier-Trauerfeiern

 Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger wendet sich gegen kirchliche Trauerfeiern nach dem Tod von Haustieren. "Ich befürworte klar einen ethisch verantworteten Umgang mit Tieren und Sorge mich um das Tierwohl. Aber wir sollten Tiere nicht vermenschlichen. Ein eigener katholischer Trauerritus für Haustiere ist für mich undenkbar", sagte Burger der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Erzbischof Stephan Burger / © Harald Oppitz (KNA)
Erzbischof Stephan Burger / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA