BDKJ beklagt fehlende Repräsentanz bei Weltsynode

Zu wenig junge Menschen dabei

Bei der Weltsynode sind erstmals Laien stimmberechtigt gewesen. Laut Verband der deutschsprachigen katholischen Jugendorganisationen fehlt Repräsentation. Wir sprechen darüber mit dem BDKJ-Bundesvorsitzenden Gregor Podschun.

BDKJ-Bundesvorsitzender Gregor Podschun / © Mike Nonnenbroich (BDKJ)
BDKJ-Bundesvorsitzender Gregor Podschun / © Mike Nonnenbroich ( BDKJ )

DOMRADIO.DE: Noch nie haben bei einer Bischofssynode im Vatikan Laien teilgenommen mit Stimmrecht, ausgenommen von ein bis zwei Ausnahmen. Das sollte man doch erst mal würdigen.

Gregor Podschun (Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend): Das ist richtig, das würdigen wir auch. Wir sehen darin schon einen Fortschritt, auch gegenüber anderen Synoden, bei denen sehr hierarchisch getagt wurde, immer wieder von den jetzigen Teilnehmerinnen, dass es aufgelöst wurde, dass es Gruppen gibt, dass es viel partizipativer geworden ist.

Die Frage, die sich am Ende stellt, ist die Frage des Inhalts, genauso wie die Frage der Macht. Wer entscheidet am Ende und welche Macht haben trotzdem die Bischöfe, die nach wie vor die Mehrheit in einer Synode bilden?

Gregor Podschun

"Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, dass junge Menschen gehört werden."

DOMRADIO.DE: Sie sagen, es bräuchte noch viel mehr Repräsentation. Wer fehlt denn?

Podschun: Aus unserer Sicht ist es sinnvoll, dass junge Menschen gehört werden. Das hat Papst Franziskus auch mehrmals betont, sowohl beim Weltjugendtag, als auch im Vorgang der Synode. Er hat betont, dass junge Menschen stimmberechtigt sein sollen. Das ist übrigens auch ein Beschluss der Jugendsynode gewesen, die getagt hat. Sie bemängeln dasselbe.

DOMRADIO.DE: Das Abschlussdokument wird diesen Samstagabend beschlossen und endgültig veröffentlicht. Was erhoffen Sie sich davon konkret? Wenn wir uns die letzten Wochen angucken von konkreten Änderungen der Lehre, dem Kirchenrecht, der Dogmatik, ist nicht wirklich viel diskutiert worden. Es ging eher um das Zuhören und Aufmerksamkeit.

Podschun: Meine Hoffnungen sind insgesamt eher gering. Es ist so, dass wenig nach außen getreten ist, was tatsächlich inhaltlich beraten wurde, auch aufgrund der Sperre der Informationen. Es handelt sich hierbei um eine Grundproblematik, die sich systematisch fortsetzt.

Gregor Podschun

"Ich glaube, es braucht auch konkreteres Handeln."

Bisher ist nur bekannt, dass es einen Brief der Synodalen an das Volk Gottes gab, bei dem viel von Zuhören und Hören die Rede ist. Um das Handeln geht es jedoch leider nicht. Ich glaube, es braucht auch konkreteres Handeln. Das sind auch alles keine neuen Themen in der Kirche.

Es sind Themen, die seit Jahrzehnten eigentlich schon auf der Agenda sind. Hinzu kommt die Frage, wer am Ende bestimmt und entscheidet, wann der Heilige Geist gewirkt hat. Der Papst hat dafür leider keine Kriterien festgelegt.

DOMRADIO.DE: Die irische Kinderschutz-Expertin Marie Collins hat in der vergangenen Woche auf Twitter geschrieben: "Es ist 2023 und nichts verändert sich in der katholischen Kirche. Viel Gerede, wenig wirkliche Veränderung. Warum hören wir denn weiter bei diesen Plattitüden und Versprechungen zu?"

Das ist jetzt natürlich zugespitzt, andererseits hat dieser umfangreiche vierjährige Prozess einiges an Aufwand und Geld gekostet. Müsste aus Sicht als Jugendverband nicht mehr herauskommen als dieses "wir haben uns gut unterhalten und sind im Gespräch geblieben"?

Podschun: Unbedingt. Das sage ich ja, dass dringend gehandelt werden muss, als dass nur geredet und zugehört werden muss. Ich glaube auch, dass ein wichtiger Schritt fehlt, nämlich die Anerkennung des Leids, das in der Kirche geschehen ist.

Der Vatikan hat bis heute systemische Risikofaktoren nicht als solche anerkannt. Das heißt aber auch, dass er die Konsequenzen nicht anerkennt, also die Konsequenz, das Machtsystem aufzubrechen. Die Notwendigkeit sieht der Vatikan ja gar nicht. Das heißt, es ist nur logisch, dass er nicht diese Themen berät.

Die Themen sind aber ganz dringend vorhanden in der gesamten Weltkirche. Das zeigen ja die Umfragen, die im Vorfeld geschehen sind. Ich glaube, das ist ein drängendes Thema, was wir auch zeitlich nicht weiter nach hinten schieben können und was jetzt dringend angegangen werden muss.

Wenn sich die Frage stellt, was denn jetzt kommt und was denn jetzt geschehen muss, würde ich schon sagen, dass ich eine Pflicht der deutschen Bischöfe sehe, sich massiv dafür einzusetzen, dass diese Themen auf die Agenda kommen und auch Entscheidungen dazu getroffen werden.

DOMRADIO.DE: Es gibt im kommenden Herbst noch mal eine Versammlung der Bischofssynode. Man vermutet, dass es noch mal eine Kontinentalebene dazu geben wird.

Einen Punkt haben Sie jetzt gerade schon angesprochen: Anerkennung des Leids mit Blick auf Missbrauchsopfer. Was müsste sonst dann am Ende dieses Prozesses Ende 2024 herauskommen, dass Sie als Jugendverband sagen: "Das ist richtig so, jetzt verändert sich was"?

Podschun: Es müssten eben konkrete Handlungsschritte beschlossen werden und anerkannt werden, was geschehen ist und dass es systematische Risikofaktoren gibt.

Das musste erst mal geschehen. Dieser allerwichtigste Schritt fehlt ja tatsächlich noch. Auf deutscher Ebene kommt hinzu, dass wir auch mutig an unserer eigenen Synodalität weiterarbeiten müssen. Der synodale Ausschuss wird ja im November starten. Das heißt, es wird dann ganz konkret beraten, wie Synodalität in Deutschland funktionieren kann. Ich wünsche mir, dass das vom Vatikan zugelassen wird.

Ich wünsche mir, dass ein Konzept gefunden wird, wie in der Weltkirche dezentraler agiert werden kann. Ich glaube, eine Einheit der Weltkirche kann nur dezentral und in Vielfalt geschehen, was aber auch bedeutet, dass zentrale Regeln aus Rom und Verbote und Stoppschilder dringend der Vergangenheit angehören müssen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ist der Dachverband von 17 katholischen Kinder- und Jugendverbänden mit rund 660.000 Mitgliedern. Er versteht sich in erster Linie als Interessenvertretung dieser Verbände in Kirche, Staat und Gesellschaft und kümmert sich darüber hinaus um die Absicherung der finanziellen Förderung.

Fahne des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) / © Harald Oppitz (KNA)
Fahne des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR