Rücktritt von Pariser Erzbischof angenommen

Aupetit geht - Pontier übernimmt

Der Papst hat den Amtsverzicht des Pariser Erzbischofs angenommen. Interimsverwalter wird der emeritierte Erzbischof von Marseille. Die Querelen innerhalb der französischen Erzdiözesen haben Aupetit zu dem Rücktritt bewegt.

Michel Aupetit, Erzbischof von Paris (Archiv) / © Corinne Simon (KNA)
Michel Aupetit, Erzbischof von Paris (Archiv) / © Corinne Simon ( KNA )

Papst Franziskus hat den Amtsverzicht des Pariser Erzbischofs Michel Aupetit (70) angenommen. Interimsverwalter ("Apostolischer Administrator") wird der emeritierte Erzbischof von Marseille, Georges Pontier (78), wie der Vatikan (Donnerstag) mitteilte. Damit besetzt Pontier, der bis 2019 auch Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz war, bis auf Widerruf den verwaisten Bischofsstuhl.

Gerüchte und Querelen

Aupetit leitete das Erzbistum seit 2018. Seinen Amtsverzicht hatte er dem Papst erst am Freitag angeboten. Grund waren Querelen innerhalb der Erzdiözese sowie Gerüchte über ein Verhältnis mit einer Frau im Jahr 2012. Aupetit wies dies zurück, räumte aber ein womöglich "mehrdeutiges Verhalten" ein. Er wolle "Spaltungen vermeiden, wenn ich selbst eine Quelle von Spaltungen bin", so der Erzbischof zur Begründung.

In den vergangenen Monaten hatte es Spannungen im Erzbistum gegeben, die Medien auch einer rigiden Amtsführung Aupetits zuschrieben. In den vergangenen Monaten hatten beide Generalvikare als Verwaltungschefs ihr Amt niedergelegt. Zudem seien die Schließung des Pastoralzentrums von Saint-Merry und die Entlassung des Schulleiters von Saint-Jean de Passy "brutal" durchgezogen worden, so das Magazin "Le Point".

Aupetit betonte laut "La Croix", es handele sich nicht um einen Rücktritt; er habe das Amt aus den Händen des Papstes erhalten. Dieser solle nun entscheiden. Um die Diözese zu erhalten, müsse er als Bischof "im Dienst der Einheit stehen".

Renommierte Pariser Erzdiözese

Das Erzbistum Paris gehört zu den renommiertesten Diözesen der katholischen Weltkirche. Frankreichs Hauptstadt, in deren Einzugsgebiet heute rund 12,5 Millionen Menschen leben, wurde 1966 kirchlich neu aufgeteilt. Damals entstanden unter dem Dach der Kirchenprovinz Paris fünf neuen Diözesen. Im Bereich des Erzbistums Paris selbst leben heute gut 2,2 Millionen Menschen; davon sind rund 1,35 Millionen katholisch getauft, ein Anteil von 60 Prozent.

Affäre mit einer Frau

"Le Point" hatte unter Berufung auf eine E-Mail, die Aupetit 2012 versehentlich an seine ehemalige Sekretärin geschickt hatte, berichtet, dass dieser damals eine Affäre mit einer "einwilligenden erwachsenen" Frau gehabt habe. Der Erzbischof hatte sich daraufhin mit der Erklärung verteidigt, eine Frau sei "bei zahlreichen Gelegenheiten durch Besuche, Briefe etc. so weit auf mich zugekommen, dass ich manchmal Vorkehrungen treffen musste, um Distanz zwischen uns zu schaffen".

Er räumte ein: "Mein Verhalten ihr gegenüber war möglicherweise mehrdeutig, was darauf hindeuten könnte, dass es eine intime Beziehung oder sexuellen Verkehr zwischen uns gegeben habe - was ich aber nachdrücklich zurückweise." Er habe sich entschieden, so Aupetit, "sie nicht mehr zu sehen und habe sie informiert".

Aupetit wurde 1951 in Versailles geboren, wo er auch aufwuchs. In seiner Kindheit hatte er kaum Kontakte mit der katholischen Kirche. Er studierte Medizin und arbeitete elf Jahre lang als Arzt im Pariser Vorort Colombes.

Mit 39 Jahren erst ins Priesterseminar

Erst mit 39 Jahren trat Aupetit ins Priesterseminar ein und wurde 1995 geweiht. Anschließend war er Seelsorger in verschiedenen Pariser Gemeinden. Zudem vertiefte er zwischen 1997 und 2006 sein Wissen über Bioethik an der Universitätsklinik in Creteil. 2006 wurde er zum Generalvikar in Paris und 2013 zum Weihbischof ernannt.

2014 machte ihn Papst Franziskus zum Bischof von Nanterre im Westen von Paris. Zudem entwickelte sich Aupetit zum Spezialisten für Bioethik-Fragen. Er publizierte etwa Texte zu Embryo und Lebensende und war in der Bischofskonferenz im Ausschuss für Familie und Gesellschaft aktiv. 2018 wurde er überraschend zum neuen Pariser Erzbischof ernannt.

Autor/in:
Von Alexander Brüggemann
Quelle:
KNA
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