Vor 175 Jahren: Weltweit erstes Beethoven-Denkmal enthüllt

Auch Queen Victoria war dabei

Kaum ein Tourist verlässt Bonn ohne Selfie vor der berühmten Beethoven-Statue auf dem zentralen Münsterplatz. Dabei hatte die Geburtsstadt des großen Komponisten anfangs massive Probleme mit dem Monument.

Beethoven-Denkmal auf dem Münsterplatz / © Milena Furman (DR)
Beethoven-Denkmal auf dem Münsterplatz / © Milena Furman ( DR )

Es misst genau 7,80 Meter, ist das allererste Denkmal Ludwig van Beethovens und wurde vor 175 Jahren im Beisein gekrönter Häupter enthüllt: das Bronzemonument des Komponisten auf dem Bonner Münsterplatz. Und wie bei so vielen Berichten über das Festjahr zum 250. Geburtstag Beethovens (1770-1827) kommt nun wieder der Konjunktiv: Denn eigentlich hätte am Sonntag (16. August) ein großes Historien-Spektakel stattfinden sollen mit der detailgetreuen Nachstellung des denkwürdigen Aktes durch Bonner Bürger. Doch wurde das Fest aufgrund der Corona-Pandemie auf 22. August 2021 verschoben.

Dabei ist nicht nur die Enthüllung des Monuments am 12. August 1845, sondern auch der gewundene Weg dorthin der Erinnerung wert - nicht nur, weil sich die Geschichte wie ein Who is Who von Geist und Adel des 19. Jahrhunderts liest.

Die Initiative für das Denkmal ging von Heinrich Carl Breidenstein aus, erster Professor für Musikwissenschaft im deutschsprachigen Raum. Am 17. Dezember 1835, Beethovens 65. Tauftag - sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt - veröffentlichte der "Bonner Verein für Beethovens Monument" einen Spendenaufruf für das Projekt. Präsident war der Bonner Professor und Shakespeare-Übersetzer August Wilhelm von Schlegel.

"So bedeutsam, so denkwürdig gewirkt"

Es war der Komponist Robert Schumann, der den Aufruf am 8. April 1836 in seiner "Neuen Zeitschrift für Musik" verbreitete: "Selten hat ein Künstler so bedeutsam, so denkwürdig gewirkt, wie Beethoven", hieß es darin. "Eine so äußerst seltene, wohltätige und weithin wirkende Erscheinung verdient es, auf eine seltene und außerordentliche Weise gefeiert zu werden, nämlich durch ein plastisches, möglichst großartiges Monument."

Zu diesem Zweck sollten allenthalben Sammlungen, Konzerte, Kirchenaufführungen veranstaltet werden, forderte Schumann. Geistesgrößen wie Heinrich Heine, der Beethoven-Schüler Ferdinand Ries und vor allem Franz Liszt ließen sich als Beethoven-Verehrer gerne vor diesen Karren spannen.

Die politische Welt, namentlich Bonns Führung, blieb dagegen zögerlich, so Stephan Eisel, Vorsitzender des Vereins "Bürger für Beethoven". Die Stadt beteiligte sich nicht an der Finanzierung, und die von den Bürgern gesammelten Spenden reichten nicht aus. Nun sprang Liszt in die Bresche: Er zahlte 2.666 Taler, etwa ein Fünftel der Gesamtkosten von 13.000 Talern, aus seiner Privatschatulle. Damit wurde 1840 ein Wettbewerb ausgeschrieben, den der Entwurf des Dresdner Bildhauers Ernst Julius Hähnel gewann. Er zeigt den gestreng in die Ferne blickenden Meister mit Feder und Papier beim Komponieren.

Kurzfristig erkrankt

Zur Umsetzung fehlte jedoch noch die höchstherrschaftliche Genehmigung: Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) war gegen ein Denkmal für einen "Bürgerlichen"; sein Sohn Friedrich-Wilhelm IV. widersetzte sich dann nicht mehr.

Zur Einweihung am 12. August 1845 kamen die Würdenträger dann in großer Zahl: selbst die englische Königin Victoria nebst Prinzgemahl Albert, Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. samt Gattin, Gelehrte wie Wilhelm von Humboldt und Musiker aus ganz Europa. Schumann war kurzfristig erkrankt. Liszt, der auch dafür gesorgt hatte, dass für das erste Beethovenfest in nur zehn Tagen ein Konzerthaus aus Holz gebaut wurde, dirigierte die von ihm komponierte Festkantate und führte Regie.

Doch blieben auch Pannen und Irritationen nicht aus. Über den gefährlichen Andrang beim Festgottesdienst im Münster äußerte Hector Berlioz: "Es war unmöglich, zu den Kirchentüren zu gelangen; die Menge versperrte alle Zugänge; man erdrückte einander ohne Scheu."

Für die anschließende Einweihungs-Zeremonie waren die Ehrengäste auf dem Balkon des Fürstenbergischen Palais, dem heutigen Hauptpostamt, platziert. Dazu notierte Queen Victoria in ihrem Tagebuch: "Als die Statue enthüllt wurde, drehte sie uns unglücklicherweise den Rücken zu."

Ihre Ur-Ur-Enkelin war auch zum geplanten historischen Spektakel an diesem Sonntag mit farbenfrohen Kostümen, Kutschen und Kanonendonner eingeladen. Doch musste Queen Elizabeth II. für dieses Jahr absagen. Vielleicht passt ihr ja der 22. August 2021 besser.

Autor/in:
Sabine Kleyboldt
Quelle:
KNA
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