Aschermittwoch der Künstler lenkt Blick auf soziale Arbeit der Musik

"Invest in Persönlichkeitsbildung"

Beim Aschermittwoch der Künstler zeigten Intendantin Katrin Zagrosek und Pianist Fabian Müller, wie das Education-Programm des Klavier-Festivals Ruhr Kinder in sozialen Brennpunkten stärkt. Musik fungiert dabei als Brücke.

Autor/in:
Jan Hendrik Stens
Fabian Müller, Katrin Zagrosek im Gespräch mit Melanie Wielens (von links nach rechts) / © Jan Hendrik Stens (DR)
Fabian Müller, Katrin Zagrosek im Gespräch mit Melanie Wielens (von links nach rechts) / © Jan Hendrik Stens ( DR )

Asche sei kein Zeichen für Schwäche, sondern stehe für die Freiheit, neu zu beginnen, sagte Diakon Patrick Oetterer zur Begrüßung in Richtung der Gäste im großen Saal des Maternushauses. Der Künstlerseelsorger des Erzbistums Köln spannte auf diese Weise gleich zu Beginn der Akademie zum Aschermittwoch der Künstler den Bogen zum Thema "Wie Musik junge Menschen berührt und erzieht". Es geht dabei um das Engagement in sozialen Brennpunkten wie Duisburg-Marxloh. Wie hier Musik zu einer Brücke werden kann, davon berichteten Katrin Zagrosek, Intendantin und Geschäftsführerin des Klavier-Festivals Ruhr, und Fabian Müller, Pianist und mitwirkender Künstler im Projekt Education.

Im Gespräch mit der Moderatorin Melanie Wielens erzählte Zagrosek auf die Frage, was sie 2024 nach Essen geführt habe, dass sie von der Nachhaltigkeit des Klavier-Festivals Ruhr beeindruckt gewesen sei. Neben dem Konzertwesen sei es im Ruhrgebiet auch die Bildungsarbeit an Schulen, die fest zum rein privat finanzierten Festival gehöre und die auf Zagroseks Vorgänger Franz Xaver Ohnesorg zurückgehe. Dies wolle sie weiter ausbauen und sichtbarer machen, denn viele Festivalbesucher wüssten kaum um die soziale Arbeit des Projektes Education.

Lehrerinnen und Lehrer "Helden der Gesellschaft"

Fabian Müller, der bereits zu Beginn der Akademie sein virtuoses Klavierspiel zum Besten gegeben hatte, sprach von seiner kirchlichen Prägung, die ihn im Pfarrhaushalt zur Musik geführt habe. Bereits mit 15 Jahren war der renommierte Pianist mit dem Klavier-Festival Ruhr in Berührung gekommen.

Fabian Müller spielt am Flügel des Maternushauses / © Jan Hendrik Stens (DR)
Fabian Müller spielt am Flügel des Maternushauses / © Jan Hendrik Stens ( DR )

Als mitwirkender Künstler im Projekt Education wertschätzte Müller vor allem die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer an den insgesamt 17 Brennpunkt-Schulen, die in diesem Projekt mitarbeiten. Diese bezeichnete er als "Helden der Gesellschaft". Der Kontakt zu Kindern bereite aber auch ihm großen Spaß, vor allem seit er eigene hat.

Nachdem in einem kurzen Filmausschnitt gezeigt worden war, wie Kinder auf dem Fußboden eines Klassenzimmers den Klängen eines Klavierstücks lauschen, erläuterte Fabian Müller das genaue Konzept: Zunächst hören die Kinder die Musik mehrmals und kommen dann darüber ins Gespräch. Daraus entstehen dann Bewegungen, die im Laufe eines Jahres choreografisch erarbeitet werden. Katrin Zagrosek betonte, dass die Aufführungen der Kinder nicht in Schulaulen, sondern auf den großen Bühnen des Festivals stattfänden. Das gebe ihnen noch einen größeren Motivationsschub.

Mehr verstanden als manches Konzertpublikum

Anhand des Klavierstücks "Mit Trommeln und Pfeifen" des ungarischen Komponisten Béla Bartók aus dem Jahr 1926 demonstrierte Fabian Müller schließlich, wie er den Kindern Melodie und Aufbau der Musik näherbringt. Die Kinder hätten den Inhalt der Musik am Ende mehr verstanden als manches Konzertpublikum.

Kardinal Woelki spricht das Schlusswort / © Jan Hendrik Stens (DR)
Kardinal Woelki spricht das Schlusswort / © Jan Hendrik Stens ( DR )

Auf die Frage, ob es die vornehmliche Aufgabe eines Festivals sei, Exzellenz zu präsentieren oder soziale Arbeit zu leisten, antwortete Intendantin Zagrosek, dass es sich in Zukunft kein Festival mehr leisten könne, ohne letzteres auszukommen. Fabian Müller ergänzte hier, dass es bei seiner Arbeit nicht in erster Linie darum gehe, Menschen intelligenter zu machen, sondern dass diese sinngebend und schön sei.

Dies griff der sichtlich gerührte Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki in seinem Schlusswort auf. Er erinnerte an den 2023 verstorbenen Franz Xaver Ohnesorg, der als Berater der Deutschen Bischofskonferenz immer wieder von diesem Project Education erzählt hatte. Es handele sich dabei um ein selbst- und zweckloses Weitergeben. Das sei ein Invest in die Persönlichkeitsbildung. Denn was erwarte man schon von Kindern aus Marxloh, aus Kalk, aus Vingst oder vom Kölnberg? "Ein solches Invest lohnt sich um des Menschen Willen, um der Kinder Willen."

Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler

Der "Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler" soll Begegnungen von Kirche und Kunst ermöglichen. Dazu gibt es zum Auftakt der Fastenzeit in zahlreichen deutschen Bischofsstädten Veranstaltungen. Die Initiative kam nach dem Zweiten Weltkrieg aus Frankreich. Dort strebte der katholische Schriftsteller Paul Claudel (1868-1955) einen spirituellen Neuanfang für Europa an.

Aschermittwoch der Künstler (KNA)
Aschermittwoch der Künstler / ( KNA )
Quelle:
DR

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