Es ist Tradition: Wenn das Katholische Büro Nordrhein-Westfalen zum Neujahrsempfang lädt, kommen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Kirche in die Düsseldorfer Altstadt zum Empfang in das katholische Stadthaus Maxhaus und zum Gottesdienst in die Kirche St. Maximilian. So war es auch am Dienstag. Doch selten zuvor war die Lage so prekär.
Dementsprechend aufrüttelnd fielen auch die Wortmeldungen aus: Der Kölner Erzbischof Rainer Kardinal Woelki hielt die Predigt, der Leiter des Katholischen Büros und Diözesanadministrator des Bistums Münster, Dr. Antonius Hamers, die Festrede.
Vor über 200 geladenen Gästen, darunter Staatsministerin a.D. Sylvia Löhrmann, Beauftragte für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur des Landes Nordrhein-Westfalen, NRW-Innenminister Herbert Reul, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann und André Kuper, Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen, wurde der Ernst der Lage betont. Aus den NRW-Bistümern waren u.a. die jeweiligen Generalvikare nach Düsseldorf gekommen.
Woelki: Kirche äußert sich politisch – ist aber keine Partei
Kardinal Woelki betonte in seiner Predigt in St. Maximilian, die Kirche sehe sich in der Pflicht, sich in gesellschaftliche und politische Debatten einzubringen. "Dabei ist sie nicht Partei. Auch nicht Regierung und auch nicht Opposition", sagte der Erzbischof am Dienstagabend in Düsseldorf. Die Kirche sei vor allem eines: "Anwältin der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und des Friedens, vor allem auch eines sozialen Friedens".
Die Kirche müsse nach den Worten des Kardinals überall dort ihre Stimme erheben, wo Menschen- und Freiheitsrechte verletzt würden, die Armen und Schwachen übersehen würden und wo das Gemeinwohl gefährdet scheine. "Auf diese Weise bringt sie die christliche Perspektive in den öffentlichen Diskurs ein, um diese stark zu machen."
Der verstorbene Papst Franziskus habe das die "Option für die Armen" genannt, so Woelki. Denn der Kirche sei besonders die Verantwortung für die Schwachen und die Menschen an den Rändern anvertraut. Ihre Belange und Bedürfnisse seien es, die die Kirche vertrete. "Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, will sie ein verlässlicher Gesprächspartner für alle sein, die sich für ein gelingendes Miteinander in der Gesellschaft einsetzen."
Hamers betont die Wichtigkeit des interreligiösen Dialogs
Dr. Antonius Hamers zeigte sich beim anschließenden Empfang im Maxhaus besorgt über den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und auch in Nordrhein-Westfalen. Jüdische Einrichtungen wie Synagogen und Schulen müssten wie Gefängnisse gesichert werden.
Dabei betonte Hamers die Relevanz des interreligiösen Dialogs, insbesondere zwischen Katholiken, Muslimen und Juden, um den religiösen Zusammenhalt in Deutschland zu fördern.
Der Leiter des Katholischen Büros erinnerte an die Bedeutung der europäischen Einigung und der deutsch-französischen Aussöhnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg erreicht wurden. Die Demokratie in Europa und den USA sei nicht selbstverständlich und müsse von den Bürgern aktiv verteidigt werden.
Kuper: Verlorenes Vertrauen der Bürger zurückgewinnen
Im Interview mit DOMRADIO.DE blickte André Kuper auf angespannte Zeiten, in denen Demokratien unter Druck geraten seien. Er betonte, wie wichtig es sei, dass Kirche und Staat zusammenarbeiten, um das verlorene Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen.
Die Rahmenbedingungen in Deutschland und Nordrhein-Westfalen seien vergleichsweise gut, so Kuper. Das müsse genutzt werden, um den Menschen auch in Zukunft ein gutes Leben zu ermöglichen. Dafür müssten allerdings "alle etwas mehr zusammenarbeiten und christliche Werte stärker in den Vordergrund rücken".
Auch der Landtagspräsident betonte, dass der Kampf gegen Antisemitismus unabdingbar sei. Der Landtag habe viele Formate zur Demokratiebildung geschaffen, um vor allem junge Menschen zu erreichen und ihnen zu zeigen, dass die Verantwortlichen sie ernst nehmen.
Erfreut zeigte sich Kuper über den neuen Papst und die Begeisterung, die er bei seinem Amtsantritt ausgelöst hat. Papst Leo XIV, sei genau der Richtige für die derzeitigen herausfordernden Zeiten.