Antisemitismus trifft fast die Hälfte der jüdischen Gemeinden

Alarmierender Bericht

Der aktuelle Lagebericht des Zentralrats der Juden liest sich alarmierend: Viele Gemeinden in Deutschland erleben Antisemitismus. Zentralratspräsident Josef Schuster spricht von einer "neuen Normalität".

Autor/in:
Daniel Zander
Teilnehmende einer Demonstration zur Solidarität mit Israel / © Michael Kappeler (dpa)
Teilnehmende einer Demonstration zur Solidarität mit Israel / © Michael Kappeler ( dpa )

Ob Drohanruf oder Sachbeschädigung - immer mehr jüdische Gemeinden in Deutschland erleben antisemitische Vorfälle. Laut einem aktuellen Lagebild des Zentralrats der Juden in Deutschland haben 46 Gemeinden solche Fälle bereits erlebt. Das ist knapp die Hälfte der mehr als 100 jüdischen Gemeinden, die im Zentralrat als Dachverband organisiert sind. Im Lagebild für das Jahr 2024 hatten noch 43 Gemeinden von derartigen Fällen berichtet.

Besonders häufig ging es laut aktuellem Lagebild um Beleidigungen, Drohanrufe, Hasskommentare, Sachbeschädigung und Schmierereien an Gebäuden. Insgesamt hätten 68 Prozent der Jüdinnen und Juden ein großes Unsicherheitsgefühl. Zwar waren es in den vergangenen Umfragen noch um die 80 Prozent, der neuerliche Rückgang sei aber kein Ausdruck für eine entspanntere Situation, hieß es. Vielmehr sei der Ausnahmezustand nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 zu einem Normalzustand geworden, sagte ein Sprecher des Zentralrats.

"Nach dem explosionsartigen Anstieg des Antisemitismus infolge des 7. Oktobers hat sich eine 'neue Normalität' herausgebildet", sagte Zentralratspräsident Josef Schuster. "Eine Lage, in der jüdische Gemeinden permanent geschützt werden müssen und Antisemitismus als Teil des öffentlichen Raums eine Normalisierung erfahren hat."

Schuster: Krieg im Nahen Osten nur Vorwand

Der Waffenstillstand zwischen Israel und der palästinensischen Hamas im Gazakrieg als Folge des 7. Oktober 2023 habe dabei für 66 Prozent der Befragten keine Rolle für das eigene Sicherheitsgefühl gespielt. "Dieser Befund zeigt glasklar: Der Krieg im Nahen Osten war immer nur ein Vorwand, niemals ein Grund für antisemitische Übergriffe und Hetze in Deutschland", so Schuster.

Allerdings hätten im aktuellen Lagebild 62 Prozent angegeben, im Zuge des jüngsten Iran-Krieges ein stärkeres Gefühl der Unsicherheit zu spüren, hieß es.

Das anhaltende Unsicherheitsgefühl zeige sich bei vielen Juden in Deutschland durch den Verzicht auf das Tragen von jüdischen Symbolen wie der Kippa oder Ketten mit Davidstern. Auch würden einige Eltern ihren Kindern verbieten, ihre jüdische Identität preiszugeben.

Gemeinden vermissen Solidarität

Ferner beklagten viele Gemeinden einen weiteren Rückgang der Solidarität in der Zivilgesellschaft. Lediglich 35 Prozent hätten die Frage, ob sie Solidarität und Unterstützung von der Gesellschaft erfahren, mit "Ja" beantwortet. In den Wochen nach dem 7. Oktober 2023 hatten sich in einem ersten Lagebild noch 62 Prozent der Gemeinden zustimmend geäußert, in einer Umfrage für 2024 waren es 39 Prozent.

Zugleich äußerte sich jetzt eine Mehrheit der Befragten zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Polizei, Sicherheitsbehörden und den jeweiligen Kommunen, wie es hieß.

An der Umfrage für das insgesamt dritte Lagebild des Zentralrats nahmen 102 der in dem Dachverband organisierten Gemeinden teil. Der Zeitpunkt der Befragung war demnach März 2026.

Unsicherheit unter Juden in Deutschland laut Umfrage weit verbreitet

Evi Höglauer aus Berchtesgaden, Joachim Baier aus Kassel und Johanna Eggers aus Göttingen haben den diesjährigen Predigtpreis der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewonnen. "Die Jury zeichnet damit drei Texte aus, die exemplarisch zeigen, wie Männer in der Verkündigung besonders zielgerichtet in ihren Lebenswirklichkeiten angesprochen werden können", erklärte der Vorsitzende der EKD-Männerarbeit, Martin Treichel, am Donnerstag in Hannover.

Kippot/Symbolbild Judentum / © Karolis Kavolelis (shutterstock)
Kippot/Symbolbild Judentum / © Karolis Kavolelis ( shutterstock )
Quelle:
KNA