Priester trägt Kippa als Zeichen gegen Antisemitismus

Zeichen der Solidarität

Mit einer jüdischen Kopfbedeckung wollte ein katholischer Priester Gespräche anstoßen. Manche Passanten fragten nach, andere blickten erstaunt. Der Geistliche hofft auf mehr Dialog und weniger gesellschaftliche Härte.

Kippas / © David Cohen 156 (shutterstock)

Der Meraner Dekan Mario Gretter hat aus Solidarität mit jüdischen Menschen eine Woche lang eine Kippa getragen. Wie der ORF am Dienstag berichtet, reagierte der katholische Priester damit auf einen Übergriff gegen einen jüdischen Mann in Rom.

Gretter wertete den Vorfall als Warnsignal. Wenn Menschen allein wegen eines religiösen Symbols auf offener Straße attackiert würden, sei das zutiefst besorgniserregend, sagte er.

Gespräche auf der Straße

Während der Aktionswoche ging Gretter seinen Aufgaben als Priester unverändert nach. Auf die Kopfbedeckung hätten Passanten unterschiedlich reagiert: Einige hätten überrascht geschaut, andere das Gespräch gesucht. Daraus seien auch Diskussionen über den Hintergrund der Aktion entstanden.

Nach ersten Medienberichten habe es zudem kritische Stimmen gegeben.

Dem Vorwurf, er engagiere sich nur für bestimmte Gruppen, widersprach Gretter. Der Fall verweise aus seiner Sicht auf ein umfassenderes gesellschaftliches Problem: einen zunehmend raueren Umgangston. Er hoffe auf mehr Dialog über Antisemitismus und ein respektvolles Miteinander.

Antisemitismus

Antisemitismus nennt man die offen propagierte Abneigung und Feindschaft gegenüber Juden als Volksgruppe oder als Religionsgemeinschaft. Der Begriff wird seit dem 19. Jahrhundert gebraucht, oft als Synonym für eine allgemeine Judenfeindlichkeit. Im Mittelalter wurden Juden für den Kreuzestod Jesu verantwortlich gemacht und als "Gottesmörder" beschuldigt. Während der Kreuzzüge entlud sich die Feindschaft in mörderischen Ausschreitungen, Vertreibungen und Zwangsbekehrungen.

Teilnehmende einer Demonstration zur Solidarität mit Israel / © Michael Kappeler (dpa)
Teilnehmende einer Demonstration zur Solidarität mit Israel / © Michael Kappeler ( dpa )
Quelle:
KNA