Anglikaner-Chef fordert von Christen mehr Sichtbarkeit

"Prophetische und mutige Kirche"

Die anglikanischen Welt-Bischofsversammlung Lambeth-Konferenz ist am Sonntag in Canterbury zu Ende gegangen. Der Anglikaner-Primas Justin Welby rief in seiner Abschlussrede Christen zu mehr Sichtbarkeit der Botschaft von Liebe auf.

Blick in den gefüllten Saal zur letzten Grundsatzrede von Justin Welby, anglikanischer Erzbischof von Canterbury, zum Abschluss der Lambeth-Konferenz am 7. August 2022 in Canterbury, UK. / © Sabine Kleyboldt (KNA)
Blick in den gefüllten Saal zur letzten Grundsatzrede von Justin Welby, anglikanischer Erzbischof von Canterbury, zum Abschluss der Lambeth-Konferenz am 7. August 2022 in Canterbury, UK. / © Sabine Kleyboldt ( KNA )

Anglikaner-Primas Justin Welby hat die Christen zur mutigen Veränderung der Welt aufgerufen. Die Kirche habe eine Vision und eine Strategie für die zerbrochene Welt, doch um sie umzusetzen, müsse sie sich vereint und in Liebe und Glaubwürdigkeit erneuern, sagte er zum Abschluss der anglikanischen Welt-Bischofsversammlung Lambeth-Konferenz am Sonntag in Canterbury.

Der Erzbischof von Canterbury ermutigte die 1.100 Teilnehmer, sich zu engagieren, zu lernen, zu sprechen, in Verbundenheit zu handeln und als Christen sichtbar zu sein.

Justin Welby / © Kirsty O'connor (dpa)
Justin Welby / © Kirsty O'connor ( dpa )

Die vereinte Kirche habe eine kraftvolle Botschaft von Liebe und Versöhnung für die mit Kriegen und Konflikten, sozialer Ungerechtigkeit und vor allem dem Klimawandel konfrontierte Menschheit. "Eine demütige und gastfreundliche Kirche, großzügig und voller Liebe, ist nicht bloß eine nette Sache für die Gesellschaft: Sie weist auf das Reich Gottes hin", unterstrich er. "Eine prophetische und mutige Kirche" sei keine weitere Nichtregierungsorganisation, sondern "Gottes auserwähltes Mittel, um Licht in die Dunkelheit zu bringen", sagte er vor den rund 660 Bischöfinnen und Bischöfen der Anglikanischen Weltgemeinschaft aus 165 Ländern.

Informiert bleiben

Auch wenn die Kirche oft streite und es in den 42 anglikanischen Provinzen unterschiedliche Ansichten, seien sie "die Versöhner, damit alle vereint sind in Christus, alle Nationen, Geschlechter, Reiche und Arme, Starke und Schwache", bekräftigte Welby.

Anglikanische Bischöfe diskutieren über Missbrauch und Mission

Der Sonntag begann für die 650 Bischöfinnen und Bischöfe mit einem Festgottesdienst, der alles bot, was ein anglikanisches Herz höherschlagen lässt: Kirchenmusik von höchster Qualität, geistlichen Zuspruch in vielen Sprachen, eine freudig-andächtige Gemeinde aus aller Welt - und all das in der atemberaubenden Architektur der Kathedrale von Canterbury. Damit ist die 15. Lambeth-Konferenz offiziell eröffnet. Nun gilt es für die Teilnehmer aus 165 Ländern, eine Woche lang über "Gottes Kirche für Gottes Welt" zu diskutieren.

Justin Welby, anglikanischer Erzbischof von Canterbury / © Paul Haring (KNA)
Justin Welby, anglikanischer Erzbischof von Canterbury / © Paul Haring ( KNA )

Dazu sei es erforderlich, dass die Kirche informiert bleibe, etwa über Gefahren und Nutzen wissenschaftlichen Fortschritts, über Möglichkeiten zur Bekämpfung von Krankheiten, des weltweiten Hungers und des Klimawandels. Es habe sich immer in der Geschichte gezeigt, dass eine informierte Kirche den Menschen helfen könne und zugleich wachse.

Bedrohung durch Klimawandel

Eindringlich wies er erneut auf die Bedrohung des Klimawandels hin, von dem insbesondere die armen Länder der Welt betroffen seien, obwohl er die Folge des Fehlverhaltens der reichen Länder sei. "Das ist ein nicht erklärter Krieg mit großen Konsequenzen", sagte Welby. "Wir wissen, dass die Folgen tragisch sein werden, über all das hinaus, was wir uns vorstellen können."

Doch zeigte er sich überzeugt, dass die Kampagnen der Kirchen gegen den Klimawandel nicht folgenlos bleiben werden; er verwies auf seine gemeinsame Initiative mit Papst Franziskus und dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie Patriarch Bartholomaios.

Um die bei der Lambeth-Konferenz diskutierten Themen umzusetzen, werde eine Arbeitsgruppe in den nächsten 18 Monaten konkrete Aktionen prüfen, unterstrich Welby. "Wir werden in der Praxis schauen, wie wir auf lokaler Ebene agieren können", versprach der Anglikaner-Primas.

Abschlussgottesdienst am Sonntag

Zur knapp zweiwöchigen Lambeth-Konferenz waren rund 560 Bischöfe, knapp 100 Bischöfinnen sowie etwa 50 Ehemänner und 440 Ehefrauen angereist. Darüber hinaus nahmen etwa 45 ökumenische Gäste teil, darunter Vertreter der katholischen und orthodoxen Kirche sowie des Lutherischen Weltbundes (LWB). Mit eigenen vielbeachteten Redebeiträgen waren die Kurienkardinäle Kurt Koch, Ökumeneminister des Papstes, und Luis Tagle, Leiter der vatikanischen Missionskongregation, vertreten.

Am Nachmittag stand noch der feierliche Abschlussgottesdienst in der Kathedrale von Canterbury an. Am Montag werden alle Teilnehmenden in ihre weltweiten Diözesen und Provinzen zurückkehren.  

Quelle:
KNA