Angeklagter Kurienkardinal Becciu wohl bald wieder im Amt

Wieder Mitglied der Kardinalsversammlung?

Der angeklagte und vom Papst zwischenzeitlich abgesetzte Kurienkardinal Giovanni Angelo Becciu wird nach eigener Aussage bald seine Kardinalswürde zurückerhalten. Er soll an der kommenden Kardinalsversammlung im Vatikan teilnehmen.

Erzbischof Angelo Becciu (l.) neben Papst Franziskus / © Cristian Gennari/Agenzia Romano Siciliani (KNA)
Erzbischof Angelo Becciu (l.) neben Papst Franziskus / © Cristian Gennari/Agenzia Romano Siciliani ( KNA )

Franziskus habe ihm telefonisch mitgeteilt, dass er wieder in den Kardinalsrang zurückkehren werde, erklärte Becciu laut der Zeitung "La Nuova" (Montag) während einer Messe im sardischen Golfo Aranci am Sonntag. Weiter habe ihn der Papst um seine Teilnahme an der kommenden großen Kardinalsversammlung im Vatikan gebeten. Der Vatikan bestätigte das Gespräch zwischen Papst und Becciu bislang nicht.

Kardinal Becciu: Substitut im Staatssekretariat

Der "Substitut für die Allgemeinen Angelegenheiten des Staatssekretariats" ist einer der mächtigsten Männer im Vatikan. Er steht gleich unter dem Kardinalstaatssekretär und wird deshalb auch als vatikanische "Nummer drei" nach diesem und dem Papst bezeichnet.

Der Substitut ist Schnittstelle zwischen den engsten Mitarbeitern des Papstes und der römischen Kurie. Er ähnelt in seiner Machtfülle dem deutschen Kanzleramtsminister. Er koordiniert die Zusammenarbeit aller Kurienbehörden und hat ständigen, direkten Zugang zum Papst.

Kardinal Giovanni Angelo Becciu / © Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Giovanni Angelo Becciu / © Romano Siciliani ( KNA )

2020 hatte Papst Franziskus den Kurienkardinal vom Amt als Präfekt der Heiligsprechungskongregation entbunden. Weiter nahm er den Verzicht Beccius auf alle Rechte und Privilegien seiner Kardinalswürde an. Er hätte somit auch nicht mehr an einer Papstwahl teilnehmen können.

Gerichtsurteil steht aus

Anlass für die ungewöhnliche Maßnahme des Papstes waren Beccius mutmaßliche Verwicklungen in einen vatikanischen Finanzskandal.

In seiner Zeit als Zweiter Mann in der vatikanischen Zentralbehörde, dem Staatssekretariat, kam es zu Unregelmäßigkeiten bei Millionen-Investitionen. Im Mittelpunkt stand der Erwerb einer Luxusimmobilie in London. Seit Mitte 2021 muss sich Becciu dafür im Vatikanstaat vor Gericht verantworten.

In dem Prozess geht es ferner um Unregelmäßigkeiten bei Überweisungen von Becciu in seine Heimatdiözese und die dortige Caritas. Sein Bruder ist Vorsitzender der mit der Caritas verbundenen Sozialkooperative Spes. Becciu beteuert seine Unschuld.

Neue Kardinäle

Am kommenden Wochenende findet im Vatikan eine große Kardinalsversammlung statt. Bei diesem Konsistorium werden 20 Kleriker von Papst Franziskus in das Kardinalskollegium aufgenommen, 16 von ihnen zählen zu den künftigen Papstwählern. Kurz darauf findet ein Treffen des Papstes mit den Kardinälen zur Kurienreform statt.

Kardinalskollegium

Das Kardinalskollegium ist das wichtigste Beratergremium des Papstes. Zudem hat es die Aufgabe, "für die Papstwahl zu sorgen", wie es im Kirchenrecht (Can. 349) heißt. Am Konklave zur Wahl eines neuen Kirchenoberhauptes dürfen nur jene Kardinäle teilnehmen, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Der Papst wählt die Kardinäle frei aus. Sie müssen laut Kirchenrecht "wenigstens die Priesterweihe empfangen haben, sich in Glaube, Sitte, Frömmigkeit sowie durch Klugheit in Verwaltungsangelegenheiten auszeichnen; wer noch nicht Bischof ist, muss die Bischofsweihe empfangen".

Auftakt zur Kurienreform: Vollversammlung des Kardinalskollegiums am 12. Februar 2015 / © Cristian Gennari (KNA)
Auftakt zur Kurienreform: Vollversammlung des Kardinalskollegiums am 12. Februar 2015 / © Cristian Gennari ( KNA )
Quelle:
KNA
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