Vatikan zahlte laut Becciu Lösegeld für befreite Ordensfrau

Mit Zustimmung des Papstes

Für die Freilassung einer im Oktober 2021 in Mali nach vierjähriger Geiselhaft freigelassenen Ordensfrau hat der Vatikan rund eine Million Euro bezahlt. Dies geht aus einer Erklärung von Kardinal Angelo Giovanni Becciu hervor.

Geld: Scheine und Münzen / © Julia Steinbrecht (KNA)
Geld: Scheine und Münzen / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Besagte Erklärung hatte Becciu am Donnerstag beim vatikanischen Strafprozess zum Finanzskandal verlesen.

Absprachen mit Papst Franziskus

Das Geld sei an eine britische Sicherheitsfirma geflossen, die damit zunächst Kontakte zu den islamistischen Entführern in Mali aufbaute und dann auch das Lösegeld bezahlte. Vermittelt worden seien Kontakte wie Zahlungen über die italienische Sicherheitsberaterin Cecilia Marogna. Sie ist wie Becciu im Strafprozess der Korruption angeklagt.

Der angeklagte Kardinal Becciu spricht mit Journalisten in Rom (Archiv) / © Gregorio Borgia/AP (dpa)
Der angeklagte Kardinal Becciu spricht mit Journalisten in Rom (Archiv) / © Gregorio Borgia/AP ( dpa )

Über alle Schritte, so Becciu, habe er den Papst persönlich informiert. Franziskus habe zugestimmt. "Ich muss sagen, dass jeder Schritt dieser Operation mit dem Heiligen Vater abgesprochen war", so Becciu in seiner fast 50-seitigen Erklärung. Becciu war bis 2018 als Substitut an einer wichtigen Schaltstelle im Staatssekretariat tätig.

Verschleppung Anfang 2017

Schwester Gloria Cecilia Narvaez war Anfang Oktober 2021 in Mali nach mehr als viereinhalb Jahren aus ihrer Geiselhaft befreit worden. Wenige Tage nach ihrer Freilassung war die Ordensfrau bei einem Gottesdienst im Petersdom vom Papst begrüßt worden.

Schwester Gloria Cecilia Narváez in ihrem Heimatkloster in Kolumbien / © - (KiN)
Schwester Gloria Cecilia Narváez in ihrem Heimatkloster in Kolumbien / © - ( KiN )

Die Kolumbianerin war am 7. Februar 2017 in Karangasso im Süden des Landes verschleppt worden, wo die Franziskanerin zuvor sechs Jahre lang gearbeitet hatte. Im Juli wurde ein Brief an ihren Bruder öffentlich, in dem es hieß, dass sie von der Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) entführt worden sei.

Kardinal Becciu: Substitut im Staatssekretariat

Der "Substitut für die Allgemeinen Angelegenheiten des Staatssekretariats" ist einer der mächtigsten Männer im Vatikan. Er steht gleich unter dem Kardinalstaatssekretär und wird deshalb auch als vatikanische "Nummer drei" nach diesem und dem Papst bezeichnet.

Der Substitut ist Schnittstelle zwischen den engsten Mitarbeitern des Papstes und der römischen Kurie. Er ähnelt in seiner Machtfülle dem deutschen Kanzleramtsminister. Er koordiniert die Zusammenarbeit aller Kurienbehörden und hat ständigen, direkten Zugang zum Papst.

Kardinal Giovanni Angelo Becciu / © Romano Siciliani (KNA)
Quelle:
KNA