Ambulanter Kinderhospizdienst bildet Menschenkette um Kölner Dom

Solidarität mit erkrankten Kindern

Wenn am 10. Februar eine Menschenkette mit grünen Bändern um den Kölner Dom gebildet wird, dann ist Tag der Kinderhospizarbeit 2026. Mit dabei ist auch Claudia von Ley vom Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Köln.

Autor/in:
Uta Vorbrodt
Blick auf den Kölner Dom / © Elen Marlen (shutterstock)
Blick auf den Kölner Dom / © Elen Marlen ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Bei dem Begriff "Hospiz" denken die meisten Menschen ans Sterben. Hinter dem Wort "Kinderhospizdienst" vermuten viele ein Haus, in dem Kinder noch wenige Wochen zu leben haben und dann dort ihr Leben aushauchen müssen. Ist das so? 

Claudia von Ley (Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Köln-Nord): Ganz oft ist es so, dass die Menschen sich vorstellen, dass die Kinder bei uns in den Räumlichkeiten liegen. Das Wort "ambulant" wird oft überhört. Es wird immer nur "Hospiz" gehört und sofort verbunden mit der Erwachsenen-Hospiz-Arbeit, zu der die Erwachsenen ja tatsächlich zum Sterben hingehen, während es bei den Kindern so ist, dass wir die Kinder ab der Diagnose, im Leben, im Sterben und über den Tod hinaus begleiten. 

DOMRADIO.DE: Sie haben selbst vor sechs Jahren Ihre Tochter verloren. Sie ist im Alter von zehn Jahren an einer Krankheit gestorben. Hatten Sie denn auch Berührungsängste, als jemand gesagt hat, der Kinderhospizdienst könne helfen? 

von Ley: Ja. Ich hatte nicht nur Berührungsängste, ich habe das gelesen und habe gedacht, dass ich das auf keinen Fall könne. Dann müsste ich ja zugeben, dass meine Tochter sterben wird, und so weit war ich damals noch nicht. Als eine Freundin gesagt hat, dass das wirklich eine ganz tolle Arbeit ist, die die machen, habe ich mich darauf eingelassen. Es war das Beste, wofür ich mich entscheiden konnte, wofür wir uns als Familie entscheiden konnten. 

DOMRADIO.DE: Was macht denn der ambulante Kinderhospizdienst? 

von Ley: Bei uns sind ganz viele ehrenamtliche, wundervolle Menschen, die sich bei uns ausbilden lassen und die dann zu den Familien nach Hause gehen. Dort begleiten sie das erkrankte Kind oder das Geschwisterkind, sie verbringen dort Zeit, schenken Zeit, gehen mit den Geschwisterkindern Eis essen oder spielen mit den erkrankten Kindern. 

Plüschtier im Kinderhospiz / © Harald Oppitz (KNA)
Plüschtier im Kinderhospiz / © Harald Oppitz ( KNA )

DOMRADIO.DE: Sprich, Sie entlasten die Familien. 

von Ley: Genau. Somit haben die Eltern tatsächlich die Möglichkeit, mal einkaufen zu gehen oder einfach zu schlafen, was auch oft wirklich zu kurz kommt. 

DOMRADIO.DE: Am 10. Februar ist der bundesweite Tag der Kinderhospizarbeit und Sie laden alle Menschen ein, um 14 Uhr Teil einer Menschenkette um den Kölner Dom zu werden. Was ist das Ziel dieser Aktion?

von Ley: Das Ziel der Aktion ist, dass wir ein starkes Zeichen für Sichtbarkeit, Solidarität und Zusammenhalt setzen möchten, zusammen mit ganz, ganz vielen Menschen. Sichtbarkeit für Familien, die ein erkranktes Kind haben und sich vielleicht noch nicht getraut haben, sich bei uns zu melden, oder die gar nicht wissen, dass es uns gibt. Aber auch Sichtbarkeit für das Ehrenamt, das wirklich der größte Bestandteil unseres Vereins ist. 

DOMRADIO.DE: Als Symbol tragen Sie an dem Tag alle ein grünes Band. Was für eine Rolle spielt dieses Band?

von Ley: Das grüne Band hilft tatsächlich bei der Sichtbarkeit. Da steht groß drauf: Tag der Kinderhospizarbeit, 10.02. Wir wollen letzten Endes erreichen, dass die Leute wissen, dass am 10. Februar der Tag der Kinderhospizarbeit ist. Und dass sie sagen: Ich habe so ein grünes Band und ich hänge mir das ans Auto, ans Fenster, so, dass es sichtbar ist und zeige Solidarität. Ich stehe zu der Arbeit und habe eine Haltung dazu. 

DOMRADIO.DE: Es gibt ja in diesen schwierigen Zeiten glücklicherweise viele Vereine und Menschen, die sich engagieren und sich einem bestimmten Thema widmen. Was sind das für Menschen, die Sie unterstützen? 

von Ley: Ganz unterschiedlichen Alters. Wir haben ganz junge Ehrenamtliche, die noch im Studium sind. Wir haben tatsächlich viele Menschen, die auch noch arbeiten und das trotzdem total gut schaffen, aber auch viele ältere Menschen, die bereits in Rente oder in Pension sind. Sie kommen zu uns und werden in einem Qualifizierungskurs ausgebildet, um dann die Familien begleiten zu können. 

DOMRADIO.DE: Hilft dieser Kurs auch dabei, sich selbst vielleicht ein bisschen abzugrenzen? Es kann ja manchmal auch sehr schwierig sein, wenn man regelmäßig in eine Familie geht, in der ein sterbenskrankes Kind ist. 

von Ley: Ja. Der Kurs hilft auch, um sich selbst dahingehend ein bisschen besser kennenzulernen und um Sicherheit zu haben: Ja, ich möchte das wirklich machen. Ich fühle mich dazu bereit. 

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Palliativmedizin und Hospize

Palliativmedizin ist die Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, beispielsweise Krebs, Demenz oder Aids. Ziel ist nicht mehr die Heilung, sondern die Linderung von Schmerzen und die Sicherung möglichst hoher Lebensqualität. Dazu gehört nicht nur die Schmerztherapie, sondern auch die psychologische und spirituelle Begleitung der Patienten und ihrer Angehörigen.

Palliativstation / © BBT-Gruppe/Harald Oppitz (KNA)
Palliativstation / © BBT-Gruppe/Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
DR

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