Altbischof Wanke im Kreuzgang des Erfurter Mariendoms beigesetzt

"Den Spuren Christi folgen"

Der Erfurter Altbischof Joachim Wanke ist nach der Trauerfeier im Mariendom beigesetzt worden. Bischof Gerhard Feige würdigte den Verstorbenen als "eine der prägendsten Gestalten der katholischen Kirche in Ostdeutschland".

Requiem für Altbischof Joachim Wanke im Erfurter Mariendom / © Nicolas Ottersbach (DR)
Requiem für Altbischof Joachim Wanke im Erfurter Mariendom / © Nicolas Ottersbach ( DR )

In seiner Predigt erklärte Bischof Feige, Joachim Wanke sei bereits in jungen Jahren klug und begabt gewesen. Bischof Feige erinnerte an die Erinnerungen, die viele mit dem Verstorbenen verbinden, und erklärte: "Mir aber wurde es zugedacht, ihn heute noch einmal zu würdigen und in seinem Sinne das Evangelium Jesu Christi 'auf mittel- und gesamtdeutsch zu buchstabieren'."

Mehr als nur bischöflicher Wahlspruch

Der Magdeburger Bischof erinnerte an seine gemeinsame Wegstrecke mit Joachim Wanke, in der er ihn in über 50 Jahren in verschiedenen Zusammenhängen erlebt habe: zunächst während des Theologiestudiums, später dann als Bischof in Erfurt und nach 1999 schließlich als bischöflichen Mitbruder.

"Den Spuren Christi folgen", das sei nicht nur Joachim Wankes bischöflicher Wahlspruch, sondern programmatisch für sein ganzes Leben, führt der Magdeburger Bischof aus. So habe er einmal geschrieben, die Kirche dürfe "nicht Interessenverein der religiös Veranlagten werden", sondern sie müsse "als Kirche erkennbar bleiben, am Evangelium Jesu Christi orientiert, ihrer Tradition verpflichtet".

Den Verstorbenen beschrieb Feige unter anderem als geerdet, weltoffen, praxisorientiert und ausdrucksstark, zugewandt und liebenswürdig. Zugleich hob er seinen Humor hervor: "Wenn jemand ihn mit 'Exzellenz' anredete, hat er immer zur Buße ein 'Vater unser' aufgegeben." 

Prägend für die katholische Kirche in Ostdeutschland

Mit seinen Predigten und mutigen Stellungnahmen habe Wanke viele aufgerüttelt, zum Nachdenken gebracht und gestärkt, stellte Bischof Gerhard Feige fest. Mit all seinen Kräften habe sich der verstorbene Bischof Wanke bemüht, das Anliegen der Evangelisierung wachzuhalten und konkrete Anregungen dazu zu geben.

Das Lebenswerk des verstorbenen Erfurter Altbischofs würdigte Bischof Feige mit klaren Worten: "Zweifellos war Bischof Joachim Wanke in den 32 Jahren seiner Amtszeit eine der prägendsten Gestalten der katholischen Kirche in Ostdeutschland," sagte er. "Als 1989 die Mauer fiel, empfand er die daraus resultierende Freiheit als ein 'großes Geschenk', aber auch als eine gewaltige Herausforderung, sich als katholische Minderheit in einer pluralistischen Gesellschaft neu zu orientieren." Dabei habe er sich mutig und kreativ an den kirchlichen und gesellschaftlichen Wandlungsprozessen beteiligt. Ein besonderer Höhepunkt in dieser Zeit sei sicherlich die Bistumsgründung 1994 gewesen.

An das "die Botschaft des Lebens, das den Tod überwindet", habe Joachim Wanke zutiefst geglaubt. Die gelte es, allen "Menschen kundzutun und ihnen zu helfen, 'sich mit allen Glaubenden zusammen dem österlichen Licht auszusetzen und dadurch Orientierung und Hoffnung für das eigene Leben zu gewinnen'. In diesem Sinne sei er uns voran- und vorausgegangen, so Bischof Feige. "Das sollte uns Mut machen, auch selbst auf je eigene Weise und in der Gemeinschaft der Kirche 'den Spuren Christi zu folgen'."

Requiem für Altbischof Joachim Wanke

DOMRADIO.DE hat das Requiem für Altbischof Joachim Wanke im Erfurter Mariendom übertragen. Bischof Ulrich Neymeyr feierte die Totenmesse mit Bischof Gerhard Feige, Weihbischof Reinhard Hauke und vielen Gläubigen. 

Die musikalische Gestaltung lag bei dem Kinder- und Jugendchor am Erfurter Dom unter der Leitung von Elisabeth Lehmann-Dronke und Thomas Hofereiter und der Domschola unter der Leitung von Martin Schwabenhaus. An der Orgel war Silvius v. Kessel.

Bei der Trauermesse im Erfurter Mariendom waren zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft zugegen, um dem verstorbenen Altbischof Joachim Wanke die letzte Ehre zu erweisen.

Der Erfurter Altbischof war am 12. März im Alter von 84 Jahren in Erfurt gestorben. Joachim Wanke stand von 1981 bis 2012 an der Spitze des Erfurter Kirchengebiets, das Papst Johannes Paul II. 1994 zum Bistum erhob. 

Beisetzung in Kreuzgang

Wanke zählte zu den prägendsten katholischen Bischöfen im Osten Deutschlands. Geschätzt wurden sein theologischer Sachverstand ebenso wie sein seelsorgerisches Einfühlungsvermögen. Wanke war kurz vor seinem Tod ins Krankenhaus gebracht und wenige Tage später auf die Palliativstation verlegt worden. 

Nach dem Requiem wurde der Sarg in einer Prozession über die Kavaten in den Kreuzgang gebracht. Am Ende der Beisetzung dort ertönte die Gloriosa. Bis 14.30 Uhr ist der Kreuzgang zugänglich; danach wird das Grab geschlossen.

Bistum Erfurt

Das katholische Bistum Erfurt erstreckt sich über den größten Teil Thüringens. Ihm gehören rund 127.000 Katholiken in 33 Pfarreien an, das sind gut sechs Prozent der Bevölkerung. Stark katholisch geprägt ist nur das Eichsfeld im Nordwesten des Freistaats.

Ein erstes Bistum Erfurt gründete der Heilige Bonifatius im Jahre 742. Es bestand nur wenige Jahre, danach kam das Gebiet für rund 1.000 Jahre zum Erzbistum Mainz. 

Der Erfurter Domplatz am Mariendom und der Severikirche / © Martin Schutt (dpa)
Der Erfurter Domplatz am Mariendom und der Severikirche / © Martin Schutt ( dpa )
Quelle:
DR

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