In seiner Predigt erklärte Magdeburger Bischof Gerhard Feige, Joachim Wanke sei bereits in jungen Jahren klug und begabt gewesen. Bischof Feige erinnerte an die Erinnerungen, die viele mit dem Verstorbenen verbinden, und erklärte: "Mir aber wurde es zugedacht, ihn heute noch einmal zu würdigen und in seinem Sinne das Evangelium Jesu Christi 'auf mittel- und gesamtdeutsch zu buchstabieren'."
Der Magdeburger Bischof erinnerte an seine gemeinsame Wegstrecke mit Joachim Wanke, in der er ihn in über 50 Jahren in verschiedenen Zusammenhängen erlebt habe: zunächst während des Theologiestudiums, später dann als Bischof in Erfurt und nach 1999 schließlich als bischöflichen Mitbruder.
"Den Spuren Christi folgen", das sei nicht nur Joachim Wankes bischöflicher Wahlspruch, sondern programmatisch für sein ganzes Leben, führt der Magdeburger Bischof aus. So habe er einmal geschrieben, die Kirche dürfe "nicht Interessenverein der religiös Veranlagten werden", sondern sie müsse "als Kirche erkennbar bleiben, am Evangelium Jesu Christi orientiert, ihrer Tradition verpflichtet".
Den Verstorbenen beschrieb Feige unter anderem als geerdet, weltoffen, praxisorientiert und ausdrucksstark, zugewandt und liebenswürdig. Zugleich hob er seinen Humor hervor: "Wenn jemand ihn mit 'Exzellenz' anredete, hat er immer zur Buße ein 'Vater unser' aufgegeben."
Prägend für die katholische Kirche in Ostdeutschland
Mit seinen Predigten und mutigen Stellungnahmen habe Wanke viele aufgerüttelt, zum Nachdenken gebracht und gestärkt, stellte Bischof Gerhard Feige fest. Mit all seinen Kräften habe sich der verstorbene Bischof Wanke bemüht, das Anliegen der Evangelisierung wachzuhalten und konkrete Anregungen dazu zu geben.
Das Lebenswerk des verstorbenen Erfurter Altbischofs würdigte Bischof Feige mit klaren Worten: "Zweifellos war Bischof Joachim Wanke in den 32 Jahren seiner Amtszeit eine der prägendsten Gestalten der katholischen Kirche in Ostdeutschland," sagte er.
"Als 1989 die Mauer fiel, empfand er die daraus resultierende Freiheit als ein 'großes Geschenk', aber auch als eine gewaltige Herausforderung, sich als katholische Minderheit in einer pluralistischen Gesellschaft neu zu orientieren." Dabei habe er sich mutig und kreativ an den kirchlichen und gesellschaftlichen Wandlungsprozessen beteiligt. Ein besonderer Höhepunkt in dieser Zeit sei sicherlich die Bistumsgründung 1994 gewesen.
An "die Botschaft des Lebens, das den Tod überwindet", habe Joachim Wanke zutiefst geglaubt. Die gelte es, allen "Menschen kundzutun und ihnen zu helfen, 'sich mit allen Glaubenden zusammen dem österlichen Licht auszusetzen und dadurch Orientierung und Hoffnung für das eigene Leben zu gewinnen'.
In diesem Sinne sei er uns voran- und vorausgegangen, so Bischof Feige. "Das sollte uns Mut machen, auch selbst auf je eigene Weise und in der Gemeinschaft der Kirche 'den Spuren Christi zu folgen'."