Alt-Patriarch Sabbah drängt auf Zwei-Staaten-Lösung in Israel

"Oder es gibt keine Zukunft"

Der frühere Lateinische Patriarch von Jerusalem, der Palästinenser Michel Sabbah, hält die Zwei-Staaten-Lösung für Israels einzigen Weg zum Überleben. An einer Koexistenz mit Palästina führe kein Weg vorbei, sagte Sabbah.

Mauer mit Friedenssymbolen trennt Palästina von Israel  (shutterstock)
Mauer mit Friedenssymbolen trennt Palästina von Israel / ( shutterstock )

Israel muss sich und seine Haltung im israelisch-palästinensischen Konflikt nach Worten von Michel Sabbah ändern, wenn es als Land überleben will. "Entweder gibt es eine Zwei-Staaten-Lösung oder es gibt keine Zukunft für Israel hier", sagte der emeritierte Lateinische Patriarch von Jerusalem bei einem Treffen mit einer internationalen Bischofsgruppe im christlich-palästinensischen Dorf Taybeh nahe von Ramallah im besetzten Westjordanland.

Er erwarte ein Eingreifen Gottes in den Konflikt, fügte er hinzu: "Gott wird eine Veränderung in diesem Land bewirken. Eine Möglichkeit ist ein Weltkrieg. Und dann würde dieses ganze Land zerstört werden. Oder es gibt einen anderen Weg, bei dem wir mehr Mitgefühl zeigen", so Sabbah.

Überwiegend Feinde

Wenn Israel an seinem gegenwärtigen "militärischen Leben verbleibt,in dem es sich heute befindet, wird das das Ende Israels sein", mahnte er weiter. Während die Palästinenser, die immer im Heiligen Land gelebt hätten, bleiben würden, erinnerten sich die meisten Israelis an die Länder, aus denen sie gekommen seien, und würden auch zurückkehren, so der palästinensische Geistliche.

Michael Sabbah, Lateinischer Patriarch von Jerusalem (Archivbild) / © Fröhlich (epd)
Michael Sabbah, Lateinischer Patriarch von Jerusalem (Archivbild) / © Fröhlich ( epd )

Der 92-Jährige zeichnete ein düsteres Bild der gegenwärtigen Lage im Heiligen Land. "Einige von ihnen sind Familie. Aber die Mehrheit sind offiziell Feinde", so Sabbah über die jüdisch-israelische Mehrheit und das Zusammenleben.

Scharfe Kritik äußerte Sabbah an der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen. Israel habe einen "Genozid gegen die Palästinenser" begonnen, der in der Tötung von 70.000 Menschen resultiere. Es werde dem Land aber nicht gelingen, "zwei Millionen Menschen zu eliminieren". Zwar habe Israel bis heute alle Kriege gewonnen, es sei ihm aber nicht gelungen Frieden und Sicherheit zu erreichen, die nur über die Anerkennung der Rechte der Palästinenser möglich seien.

Krieg statt Frieden und Erlösung

Das Heilige Land sei heilig, weil Gott es auserwählt habe, um Mensch zu werden, so Sabbah weiter. Doch in dem von Gott als Land des Friedens und der Erlösung gewollten Land mit Jerusalem als heiliger Stadt des Friedens herrschten Krieg, Gewalt und Hass, der alle Aspekte des Alltags präge.

Sabbah warf Israel vor, kein Existenzrecht der Palästinenser im Heiligen Land anzuerkennen. "Palästinenser haben zwei Möglichkeiten: wegzugehen oder getötet zu werden", so Sabbah, der den Willen der Palästinenser zu einer friedlichen Koexistenz mit Israel betonte.

Solidarität seit 1998

Zum 25. Mal trifft sich seit Sonntag eine internationale Gruppe katholischer Bischöfe mit Christen im Heiligen Land. Die Deutsche
Bischofskonferenz (DBK) ist durch den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten, den Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz, vertreten. Das Bischofstreffen findet seit 1998 jeweils im Januar im Auftrag des Heiligen Stuhls und auf Einladung der
katholischen Bischöfe des Heiligen Landes statt. Es soll "Christen und Kirchen im Heiligen Land in ihrem Einsatz für Gerechtigkeit,
Frieden und Verständigung zwischen den Völkern und Religionsgemeinschaften" stärken und die Verbindung der Weltkirche mit ihnen festigen.

Heiliges Land

Blick auf Jerusalem / © Kyrylo Glivin (shutterstock)

Als Heiliges Land wird seit dem vierten Jahrhundert der Teil des Nahen Ostens bezeichnet, in dem sich biblische Geschichte ereignet hat. Die Landnahme des alten Volkes Israel, das Leben und Wirken Jesu und das Urchristentum sind dabei von Bedeutung. In der Regel gelten heute Israel und die autonomen bzw. besetzten Palästinensergebiete als Heiliges Land. Gelegentlich werden auch Teile Jordaniens, Ägyptens, des Libanon sowie zum Teil des Irak und Syriens zum Heiligen Land gerechnet.

Quelle:
KNA