Alt-katholischer Bischof blickt verwundert auf Synodalen Weg

Erfahrungen der Alt-Katholiken uninteressant?

Die katholische Kirche in Deutschland bezieht bei ihrem Reformprozess laut dem alt-katholischen Bischof Matthias Ring die Erfahrungen seiner Kirche zu wenig mit ein. Seiner Ansicht nach gebe es Möglichkeiten des Vergleichs.

Eindrücke der dritten Synodalversammlung in Frankfurt / © Julia Steinbrecht (KNA)
Eindrücke der dritten Synodalversammlung in Frankfurt / © Julia Steinbrecht ( KNA )

"Es wundert mich ein bisschen, dass auf dem Synodalen Weg niemand gesagt hat: Schauen wir mal, wie das bei den Alt-Katholiken mit der Synodalität läuft", sagte Ring in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Publik-Forum".

Matthias Ring, Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland / © Harald Oppitz (KNA)
Matthias Ring, Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland / © Harald Oppitz ( KNA )

Denn die "synodale, ja demokratische Struktur" stehe an erster Stelle in seiner Kirche. "Von der Mentalität, aber auch hinsichtlich Liturgie und Dogmatik sind wir katholisch, was vielen wichtig ist", sagte Ring (59), der seit 2010 Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland ist.

Auffangbecken für frustrierte Katholiken?

Die Zusammensetzung der Neumitglieder habe sich im Laufe der Zeit verändert. Früher habe er die Frage verneint, ob die alt-katholische Kirche ein Auffangbecken für frustrierte Katholiken sei. "Nach meiner Wahrnehmung kamen zu uns nicht die Frustrierten, sondern Menschen in der Mitte des Lebens, die religiös auf der Suche waren."

Inzwischen gebe es in manchen Gegenden "sehr viele Beitritte, etwa in Köln, Bonn oder München". Das seien Menschen aus der katholischen "Kerngemeinde", die zum Beispiel Lektoren gewesen seien oder sich im Pfarrgemeinderat engagiert hätten. Deren Übertritt hänge "auch mit der Missbrauchskrise zusammen".

Frau am Altar als selbstverständlich

Der Umgang der alt-katholischen Kirche mit homosexuellen Partnerschaften sei pragmatisch. Über einen Ritus für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare habe sich niemand aufgeregt, sagte Ring.

Ein altkatholischer (l.) und ein katholischer Priester in einem ökumenischen Gottesdienst / © Harald Oppitz (KNA)
Ein altkatholischer (l.) und ein katholischer Priester in einem ökumenischen Gottesdienst / © Harald Oppitz ( KNA )

"Wir haben auch nie darüber entschieden, ob ein schwules Paar ins Pfarrhaus einziehen kann - wir haben es einfach gemacht."

Seit 1996 in Konstanz die ersten beiden Frauen zu alt-katholischen Priesterinnen geweiht wurden, sei eine Frau am Altar zwar selbstverständlich. Man bemühe sich aber, "mehr Frauen für den geistlichen Dienst zu gewinnen". In Deutschland gibt es etwa 16.000 Alt-Katholiken, verteilt auf rund 60 Gemeinden.

2022 sorgte der ehemalige Speyerer Generalvikar Andreas Sturm mit seinem Übertritt zur alt-katholischen Kirche für Aufsehen. Anfang Februar 2023 wurde bekannt, dass der Saarbrücker Dekan Clemens Grünebach alt-katholisch wird. Beide Priester nannten Zweifel am Reformwillen der katholischen Kirche als Grund.

Synodaler Weg

Der Begriff "Synodaler Weg" verweist auf das griechische Wort Synode. Es bedeutet wörtlich "Weggemeinschaft"; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet Synode eine Versammlung von Bischöfen oder von Geistlichen und Laien.

Der Reformdialog Synodaler Weg dauerte von Ende 2019 bis Frühjahr 2023. Dabei berieten die deutschen katholischen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zusammen mit weiteren Delegierten über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland.

Das gelochte Metallkreuz und Teile des Schriftzugs Synodaler Weg  / © Julia Steinbrecht (KNA)
Das gelochte Metallkreuz und Teile des Schriftzugs Synodaler Weg / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
KNA