Ägypten-Seelsorger über die Papstreise

"Die Ägypter brauchen diese Zeichen der Solidarität"

Seit über 20 Jahren ist Monsignore Joachim Schroedel Seelsorger in Ägypten und für deutschsprachige Katholiken dort. "Es sind Symbole und Zeichen", bewertet er im domradio.de-Interview den anstehenden Papstbesuch am Freitag.

Papst besucht Ägypten  / © Amr Nabil (dpa)
Papst besucht Ägypten / © Amr Nabil ( dpa )

domradio.de: Wie ist aktuell die Lage in Kairo unmittelbar vor dem Papstbesuch?

Msgr. Joachim Schroedel: Freudig gespannt! Die Sicherheitsmaßnahmen sind extrem stark, wir müssen morgen zur Messe bereits drei Stunden vorher da sein. Jeder Teilnehmer musste seine Passnummer mitteilen. Die Situation ist ziemlich angespannt, die Straßen, die der Papst nehmen wird, sind geräumt worden von parkenden Autos. Er fährt durch eine Geisterstadt.

domradio.de: Franziskus scheint ganz unbekümmert, er verzichtet sogar auf ein gepanzertes Papamobil - trotz der Anschläge in jüngster Zeit auf Christen.

Schroedel: Er ist halt ein Starrkopf. Er will ein kleines ungepanzertes Auto und er bekommt es. Natürlich überrumpelt er da die Sicherheitsbedenken des Staates, aber die Sicherheit wird dennoch gewährleistet sein. Mir ist wichtig zu betonen, dass er nicht in ein Terrorland kommt. Wir haben zwar leider immer wieder Anschläge, aber Ägypten ist wirklich ein Land des Friedens. Die Ägypter sind alles andere als Terroristen, die jedem nach dem Leben trachten.

domradio.de: Wie bewerten Sie die geplanten Treffen mit Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi, dem Großimam der Al-Azhar Universität, Ahmed Mohammed al-Tayyeb, und mit dem koptischen Papst Tawadros II.?

Schroedel: Es sind Symbole und Zeichen, diese drei Besuche beim Staatspräsidenten, beim Großscheich und beim koptischen Kirchenführer. Es sind Höflichkeitsbesuche. Aber die Ägypter brauchen diese Zeichen der Solidarität und der Freundlichkeit. Der Papst ist ja nur 27 Stunden da, intensivere Gespräche wird es kaum geben können. Die Teilnahme an der Friedenskonferenz ist allerdings ein Unikum, so etwas gab es eigentlich noch nicht. Er wird von einem Großscheich eingeladen und zwei weitere Patriarchen sind dabei. Der Auftrag: Frieden schaffen. Das ist ein Erfolg für den Islam in Ägypten.

domradio.de:  Was erwarten Sie für Zeichen für die ägyptischen Christen?

Schroedel:: Er wird als Bote des Friedens auftreten und an alle Menschen appellieren, barmherzig und friedlich miteinander umzugehen. Aber die Tatsache, dass er mit 20.000 Katholiken die Messe feiern wird, ist etwas ganz Großartiges. Es gibt ja nur 200.000 Katholiken hier im Land.

Das Interview führte Verena Tröster.

Monsignore Joachim Schroedel (Bistum Mainz)
Quelle:
DR