Adveniat-Geschäftsführer zieht Bilanz der Papst-Reise

"Eine Botschaft von Dauer"

Rückenwind für den Versöhnungsprozess wollte Papst Franziskus bei seinem Besuch in Kolumbien geben. Adveniat-Geschäftsführer Pater Michael Heinz hofft, dass der Besuch auch in Zukunft positive Früchte trägt.

Papst Franziskus begrüßt die Menschen aus dem Papamobil in Cartagena / © Osservatore Romano (KNA)
Papst Franziskus begrüßt die Menschen aus dem Papamobil in Cartagena / © Osservatore Romano ( KNA )

domradio.de: Wie war es denn, Ihr Treffen mit dem Papst?

Pater Michael Heinz (Geschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerkes Adveniat in Deutschland): Es war sehr emotional. Ich war sowohl in Villavicencio dabei, als der Papst sehr stark den Versöhnungsprozess angeregt hat und die 6.000 Kriegsopfer getroffen hat, als auch in Cartagena, wo er ein Projekt besucht hat, das auch vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt wird. 

domradio.de: Das ist das Projekt, das sie ja seit langem unterstützen heißt "Talitha Kum" in Cartagena. Worum geht es da?

Pater Heinz: Talitha Kum ist aus der Bibel. Das ist die Stelle wo Jesus sagt: "Talitha Kum. Mädchen ich sage dir, steh auf und erhebe dich." In dem Projekt vom Erzbistum Cartagena wird mit Mädchen und Jugendlichen gearbeitet, die entweder in die Prostitution geraten sind oder deren Mütter in der Prostitution arbeiten oder die eine Vergewaltigung und sexuelle Gewalt in ihrem Leben erlitten haben. Das war eine sehr schöne Begegnung, als der Papst die Mädchen segnete. 

domradio.de: Warum hat sich der Papst ausgerechnet dieses Projekt angeschaut?

Pater Heinz: Der Papst besucht auf seinen Reisen ja immer Projekte für Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Das ist quasi ein roter Faden bei seinen Reisen. Und da Cartagena eine Stadt ist, in der Gegensätze zwischen Touristenmetropole und Armut ziemlich groß sind, hat er auch darum gebeten, hier ein Projekt zu besuchen. Der Erzbischof hat ihm dann das Projekt Talitha Kum vorgeschlagen und wir sind froh und stolz darauf, dass es ein Projekt ist, das auch von Adveniat mit unterstützt wird.

domradio.de: Wie nah waren Sie denn an Papst Franziskus dran? Hatten Sie die Gelegenheit mit ihm direkt zu sprechen? 

Pater Heinz: Ich hatte dieses Mal keine Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Ich war aber bei beiden Gottesdiensten - sowohl in Cartagena als auch in Villavicencio - sehr nah am Altar; etwa zwei bis drei Meter entfernt, neben den Bischöfen. Ich habe mich aber nicht darum bemüht, mit ihm zu sprechen, da ich die Gelegenheit haben werde am 19. September bei einer Audienz mit ihm persönlich sprechen zu können. Dann werde ich ihn auch natürlich auf Lateinamerika ansprechen.

domradio.de: Sie waren also zumindest so nah dran, dass sie sein blaues Auge sehen konnten?

Pater Heinz: Ja, das ist am Sonntag auf der Rückfahrt von San Francisco passiert, als er sich im Papamobil gestoßen hat. Aber er ist wirklich im wahrsten Sinne des Wortes mit einem blauen Auge davon gekommen. Zwar war das Auge noch etwas geschwollen, aber am Nachmittag sah es schon viel besser aus. Er selber hat ja auch gesagt, dass es keine große Sache war. 

domradio.de: Heute wird Franziskus wieder in Rom erwartet. Wie sieht Ihre Bilanz dieses Besuchs aus, bei dem es ja vor allem darum gehen sollte, den Friedens- und Versöhnungsprozess in diesem Land zu stärken?

Pater Heinz: Das waren sein roter Faden und sein Hauptmerkmal in seinen Predigten. Immer wieder kam bei ihm das Thema "Verzeihen und Versöhnung" auf. Er hat es wirklich wiederholt und allen Menschen ans Herz gelegt. Die emotionalste Begegnung in diesem Zusammenhang war die mit den 6.000 Opfern in Villavicencio. Da hat er das Lebenszeugnis von vier Personen gehört, die in den kriegsführenden Gruppen waren. Diese Menschen haben in der Versöhnung und durch das Verzeihen Trost und ein neues Leben gefunden. Wir hoffen, dass diese Botschaft bei den Menschen nicht nur in diesen vier Tagen angekommen ist, sondern jetzt auf Dauer weitergeht, sodass dieser Friedensprozess auch in den kommenden Jahren positive Früchte tragen wird.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.


Franziskus segnet Grundsteine für zwei soziale Einrichtungen / © Osservatore Romano (KNA)
Franziskus segnet Grundsteine für zwei soziale Einrichtungen / © Osservatore Romano ( KNA )

Pater Michael Heinz / © Henning Schoon (dpa)
Pater Michael Heinz / © Henning Schoon ( dpa )