75 Jahre bayrisches Landeskomitee der Katholiken

Demokratie in der Kirche

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern feiert 75. Jubiläum. Als einzigartiges Gremium vertritt es Millionen Gläubige, zeigt politische Unabhängigkeit und fordert heute selbstbewusst mehr Mitbestimmung in der Kirche ein.

Autor/in:
Christoph Renzikowski
 Gipfelkreuz auf dem Mitterberg in Bayern / © Uwe Lein (dpa)
Gipfelkreuz auf dem Mitterberg in Bayern / © Uwe Lein ( dpa )

Am 28. April wird das Landeskomitee der Katholiken in Bayern 75 Jahre alt - ein Gremium, das es in dieser Form in keinem anderen Bundesland gibt. Aus diesem Anlass präsentiert die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sechs Schlaglichter. 

Kirche und Demokratie 

Die katholische Kirche ist keine Demokratie - dieses Mantra begegnet einem in Reformdebatten bei "Mutter Kirche" immer wieder. Demokratische Elemente sind ihr jedoch nicht fremd. Sogar der Papst wird frei und geheim gewählt. 

Bayernflagge vor dem Münchner Landtagsgebäude / © Sven Hoppe (dpa)
Bayernflagge vor dem Münchner Landtagsgebäude / © Sven Hoppe ( dpa )

Auch in Bayern gibt es eine Repräsentanz, die sich aus Wahlen und Entsendungen speist. Manchmal wird es sogar spannend: 2017 konkurrierten erstmals zwei Kandidaten um den Vorsitz im Landeskomitee. Es entschied die hauchdünne Mehrheit von einer Stimme - wie seinerzeit bei Konrad Adenauers erster Kür zum Bundeskanzler 1949. 

Wen repräsentiert das Landeskomitee? 

In Bayern leben rund 5,3 Millionen katholisch getaufte Menschen. Im Idealfall bündelt das knapp 90 Mitglieder zählende Landeskomitee deren Bedürfnisse und Interessen und verleiht ihnen in gesellschaftlichen Debatten Gewicht. Formal ist das Gremium der Zusammenschluss aller in katholischen Räten, Verbänden und Vereinigungen engagierten Katholikinnen und Katholiken. Nimmt man die jüngsten landesweiten Pfarrgemeinderatswahlen vom März als Gradmesser mit einer Wahlbeteiligung von 14,3 Prozent, kommt man auf etwa eine Dreiviertelmillion Menschen in Bayern, denen die katholische Kirche nicht egal ist. 

Verlängerter Arm der Bischöfe? 

Diese Auffassung mag es 1951 bei einigen Mitgliedern, mehr aber wohl im Episkopat selbst noch gegeben haben. Heute ist sie überholt. Das Landeskomitee mit seinem Vorsitzenden Christian Gärtner versteht sich als selbstbewusster Partner der verfassten Kirche. Dazu gehört, mehr Mitbestimmung einzufordern, nicht zuletzt, was die Verwendung der Millioneneinnahmen aus der Kirchensteuer betrifft. 

Christian Gärtner, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, spricht auf der Herbstversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern am 14. November 2025 in Deggendorf. / © Barbara Just (KNA)
Christian Gärtner, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, spricht auf der Herbstversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern am 14. November 2025 in Deggendorf. / © Barbara Just ( KNA )

Ein Etappenziel ist erreicht: Seit einigen Jahren entsendet das Landeskomitee einen Vertreter in den Vergabeausschuss der Mittel für die Gemeinschaftsaufgaben der katholischen Kirche in Bayern. Nämlich Christian Gärtner. 

Nähe zur CSU? 

Kirchliche Organisationen, katholische zumal, deren Geburtsstunde in die 1950er Jahre fällt, bekamen eine Art natürliche Nähe zur fast ununterbrochen herrschenden bayerischen Regierungspartei in die Wiege gelegt. Doch die enge Bindung zur CSU ist längst einer Offenheit gegenüber allen - demokratischen - Parteien gewichen. 

Zentrale der CSU in München / © de-nue-pic (shutterstock)
Zentrale der CSU in München / © de-nue-pic ( shutterstock )

So zählen zu den ins Landeskomitee berufenen Einzelpersönlichkeiten auch Mandatsträger von SPD, Grünen und Freien Wählern. Acht Jahre lang, 2009 bis 2017, stand sogar ein "Sozi" an der Spitze, wenn auch ein konservativer: Albert Schmid. 

Welche nennenswerten Wegmarken gibt es? 

Das Landeskomitee unterhält viele Kontakte, nicht nur zu Parteien und Behörden. Geht es um den Sonntagsschutz oder menschenwürdige Arbeit, sind die Gewerkschaften ein enger Partner. Vieles von dieser Beziehungspflege geschieht nicht auf großer Bühne. Öffentliche Aufmerksamkeit erregte das Katholikenkomitee mit zwei

Aktionen: 1995 mobilisierte es nach dem "Schulkreuzurteil" des Bundesverfassungsgerichts mehr als 30.000 Menschen zu einer Protestkundgebung in München. Vier Jahre später unterstützte es die Gründung des im Konflikt mit Bischöfen und Papst entstandenen Schwangerenberatungsvereins "Donum vitae". 

Wer gratuliert? 

Der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, freut sich, dass das Landeskomitee "immer wieder beeindruckende Persönlichkeiten zusammengeführt und auch hervorgebracht hat".

Kardinal Reinhard Marx / © Julia Steinbrecht (KNA)
Kardinal Reinhard Marx / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) ist überzeugt: "Gerade in Zeiten der Krise brauchen wir eine Verankerung in christlichen Werten" - und daher "eine starke katholische Stimme in Bayern". Der frühere ZDF-Chefredakteur Peter Frey, als Festredner geladen am 24. April nach Augsburg, hat zwei Wünsche: "Weniger Papiere, mehr Präsenz" und: "Allianzen jenseits der Kirche bilden - überall dort, wo es um demokratischen Zusammenhalt, soziale Gerechtigkeit, Klima, Integration geht". 

Quelle:
KNA