Das Bayerische Landesverzeichnis für Immaterielles Kulturerbe wächst weiter – samt religiösen Bezügen. Der Ministerrat beschloss am Dienstag in München auf Empfehlung eines Expertengremiums die Aufnahme von weiteren 19 kulturellen Ausdrucksformen. Damit steigen die Eintragungen auf insgesamt 103 an.
So fand das Sankt-Anna-Fest in Staucharting im Landkreis München Aufnahme. Jährlich am 26. Juli kommen Wallfahrerinnen und Wallfahrer aus Sauerlach zu Fuß oder mit Pferden zu der drei Kilometer entfernten, 1692/93 errichteten Waldkapelle im Deisenhofener Forst.
Nach dem Festgottesdienst folgt die Segnung der Pferde, Gespanne und Vereinsgruppen auf Wagen. Gleichfalls dazugekommen ist die Krippentradition in Tirschenreuth. Deren regionaltypisch in drei Ebenen gestalteten Krippenberge werden in der Weihnachtszeit in Familien, kirchlichen und städtischen Einrichtungen sowie im Museum aufgestellt.
Schon jetzt weithin bekannt ist die seit 1656/57 belegte Lohrer Karfreitagsprozession im Landkreis Main-Spessart. Sie findet jährlich als stummer Zug, nur begleitet vom Schlag einer großen Trommel, am Karfreitag statt. Das Heilig-Blut-Fest in Burgwindheim im Landkreis Bamberg wiederum ist berühmt für seine Blumenteppiche und besonderen Altäre. Das Fest geht auf ein legendenhaftes und als Wunder interpretiertes Ereignis bei der Fronleichnamsprozession 1465 zurück.
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Ebenfalls hinzugekommen sind unter anderem der handwerkliche Geigenbau und Streichbogenbau, das Varieté-Theater "Auf geht's zum Schichtl" auf dem Münchner Oktoberfest, die Erlanger Bergkirchweih sowie die Ansbacher Rokoko-Festspiele. Mit dabei auch der Hopfenanbau sowie die Alm- und Alpwirtschaft.
Das immaterielle Kulturerbe Bayerns symbolisiere Heimat und vermittle ein Gefühl von Identität, Zugehörigkeit und Gemeinschaft, erklärte Heimatminister Albert Füracker (CSU). "Diesen Reichtum unseres Landes an verschiedenen Traditionen und Bräuchen in der Gegenwart zu erhalten und in die Zukunft zu tragen, haben sich viele Menschen im Freistaat mit großem Engagement zur Aufgabe gemacht." Der Minister dankte allen Engagierten, die sich aktiv an der Pflege, Weiterentwicklung und Weitergabe des kulturellen Erbes beteiligten.