Bericht fasst Missbrauch in Frankreichs Kirche zusammen

3.000 Täter seit 1950

In der katholischen Kirche in Frankreich hat es laut einer Untersuchung seit 1950 zwischen 2.900 und 3.200 Missbrauchstäter gegeben. Zu diesem Ergebnis kommt eine unabhängige Kommission. Am Dienstag wird der Bericht vorgestellt.

Symbolbild Missbrauch / © TetianaDov (shutterstock)

Den Auftrag für die Gründung der Kommission hatten die französischen Bischöfe im November 2018 gegeben. Die Unabhängige Untersuchungskommission sexuellen Missbrauch in der Kirche (CIASE) wurde am 8. Februar 2019 eingesetzt. Am Dienstag werde der Vorsitzende der Untersuchungskommission, Jean-Marc Sauve, den rund 2.500 Seiten umfassenden Abschlussbericht an die Bischofskonferenz sowie die Konferenz der Ordensleute öffentlich übergeben, wie die Kirche in Frankreich auf ihrer Website ankündigte.

Bei den Tätern handele es sich um Priester, Ordensleute und andere kirchliche Mitarbeiter, sagte Sauve französischen Medien. Die Ergebnisse basierten auf Daten und Fakten aus Archiven aus Kirche, Justiz, Staatsanwaltschaft und Medien sowie auf den Zeugenaussagen, die das Gremium erhalten habe. Im Sommer 2020 hatte der frühere Richter Sauve die Zahl der Fälle noch auf mindestens 3.000 und die der kirchlichen Täter auf rund 1.500 taxiert.

Aufarbeitung weiter vorantreiben

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort, äußerte bereits kürzlich, das Ausmaß der Sexualverbrechen im kirchlichen Umfeld sei "größer als befürchtet". Nun gehe es darum, die Aufarbeitung weiter voranzutreiben, zitierte die Zeitung "La Croix" den Erzbischof von Reims. Die Kirche in Frankreich erwäge unter anderem die Schaffung einer unabhängigen Stelle zur Bewertung von Präventionsmaßnahmen.

Die unabhängige Untersuchungskommission will demnach mit ihrem Abschlussbericht auch einen Katalog von Empfehlungen zur Missbrauchsprävention vorlegen. Dem Gremium gehören Juristen, Mediziner, Historiker und Theologen an.

Beschlüsse der Bischöfe

Frankreichs Bischöfe hatten bei ihrer Vollversammlung Ende März in Lourdes einen Katalog mit elf Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch beschlossen. Erzbischof de Moulins-Beaufort bat die Opfer erneut um Vergebung für ein Versagen der Kirche auf verschiedenen Verantwortungsebenen. Bei der Pressekonferenz am Dienstag um 9 Uhr werden de Moulins-Beaufort und die Präsidentin der Konferenz der Ordensleute Frankreichs, Schwester Veronique Margron, den Abschlussbericht entgegennehmen.

Aufgabe der Kommission war es nach Angaben der Kirche in Frankreich, die Fakten über Fälle von Kindesmissbrauch in der Kirche seit 1950 zu ermitteln. Ebenso gehe es darum, zu "verstehen, warum und wie diese Tragödien passieren konnten und behandelt wurden". Weiter solle das Vorgehen der Kirche zur Bekämpfung der Pädophilie und verbessert werden.

Anlässlich der CIASE-Übergabe veröffentlichte Frankreichs Kirche auf ihrer Website ein Gebet, in dem Gott um "Demut" gebeten wird. "Wir vertrauen dir alle Personen an, die in der Kirche Gewalt und sexuelle Übergriffe erlitten haben: Mögen sie in Zeiten der Prüfung immer auf deinen Beistand und unsere Unterstützung zählen", heißt es darin. "Mögen wir uns wie dein Sohn um die Kleinsten und Zerbrechlichsten kümmern, um unsere Kirche zu einem 'sicheren Zuhause' zu machen."

Eric de Moulins-Beaufort  / © Bruno Levy (KNA)
Eric de Moulins-Beaufort / © Bruno Levy ( KNA )
Autor/in:
Sabine Kleyboldt
Quelle:
KNA
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