Predigten

"Keine Kultur und keine Sprache ist zu gering für Gott" - Predigt von Domkapitular Hans-Josef Radermacher

In seiner Predigt im Kölner Dom in der Kapitelsmesse am Fest des Heiligen Cyrill würdigt Domkapitular Hans-Josef Radermacher die Brüder Cyrill und Method als "Architekten eines gemeinsamen Europas". Er betont, dass die beiden Gelehrten und Mönche aus Thessaloniki im 9. Jahrhundert Bahnbrechendes leisteten, indem sie die slawische Sprache verschriftlichten und die Bibel sowie die Liturgie ins Altkirchenslawische übersetzten.

Radermacher hebt hervor, dass Cyrill und Method damit eine "radikale" Botschaft verkündeten: "Keine Kultur und keine Sprache ist zu gering für Gott. Er will uns dort abholen, wo wir zu Hause sind." Trotz Anfeindungen der fränkischen Kirche, die ihnen Ketzerei vorwarf, hielten die Brüder an ihrem Auftrag fest und suchten die Einheit mit Rom. Papst Adrian II. segnete schließlich ihre slawischen liturgischen Bücher.

Für Radermacher sind Cyrill und Method heute Vorbilder, die uns drei Herausforderungen stellen: Zum einen müssen wir die Sprache der Menschen von heute finden, um das Evangelium zu vermitteln. Zum anderen sind sie Patrone des Dialogs, die uns auffordern, Grenzen zu überwinden. Und schließlich erinnern sie uns an die Standhaftigkeit, mit der Methodius trotz Gefängnis an seinem Auftrag festhielt. Der Redner bittet Gott, uns die Gabe zu schenken, "seine Liebe in der Sprache unserer Mitmenschen auszudrücken".

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